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HM Duesseldorf-Benrath 16.10.05 (Olzo)


HM Duesseldorf-Benrath 16.10.05 (Olzo)
Autor: Oliver Olzo Seyfert (2005-04-17 14:16:00)

[ ] Ich widerspreche der Archivierung auf DRSL.de.
[X] Ich habe den Bericht auf DRSL.de archiviert.

Name des Laufes: 23. Benrather Volkslauf
Datum: 16.4.2005 (Sat)
Ort: Düsseldorf-Benrath
Postleitzahl: D4
Homepage (Veranstalter): http://www.lt-duesseldorf-sued.de
Ihr Name: Oliver Seyffert
Ihre eMail-Adresse: olzo at laufen-in-wuppertal de
Streckenlaenge: 5k, 10k, HM, 400 m Bambini
Beschaffenheit: Waldwege
Profil: flach
Wetter: kalt 9°, kein Regen
Teilnehmer: HM ~500
Bericht:
(Ich halt s nicht mehr aus! Auch wenn ich die off. Zeit noch nicht habe
[Liste noch nicht im Netz und obwohl mein Bruder gestern 2Std bei der
Siegerehrung gewartet hat, gab s da auch keine Zeit fuer mich], muss es
jetzt raus :) )

Ihr kennt Benzintanks beim Auto? Man kann so fahren, dass der Verbrauch
hoch ist oder auch nicht, aber irgendwann ist das Ding trotzdem leer.

Nun, mein Energietank ist auch nicht unerschoepflich. 3 WKe in 13 Tagen
sind keine wirklich gute Idee: don t try this at home!

Nach den guten 10km vor 2 Wochen in Ddorf (39:33) war das letzte
Wochenende schon nicht ohne: Bonn HM nach durchzechtem Abend. Mein
Energietank war nur noch bei 80%, aber der Vorabend, das Bier und die
tolle Stimmung und die Euphorie durch das drsl-Treffen hatten einen
tollen, zaubrigen Schaum auf die Fluessigkeit gelegt - ich lief wie
befluegelt und ohne mir einen Kopf um irgendwas zu machen 1:30:31.
Eigentlich wollte ich gar nicht so schnell, anfangs hatte ich ja noch
rumgebummelt, aber Britt hat mich dann irgendwann verstossen ;)

Mit Carsten wollte ich mich eigentlich am Start treffen und gemeinsam
sub1:30 laufen, aber wir hatten uns verpasst. So war ich zwar sehr froh
ueber die fuer mich z.Zt. gute 1:30:31, aber seine 1:29:00 wurmte mich
;)
Mehr aus Bloedelei hatte ich mit ihm rumgeflaxt, direkt am Samstag
schon wieder HM in Benrath zu laufen, sub1:29. Das hielt ich da noch
fuer Quatsch (Carsten wohl auch, denn er lief nicht dort). Zudem kamen
ab Dienstag abend Probleme mit dem linken Aussenband ueberm Knoechel
hinzu, Reizung durch Ueberlastung. Also zur Apotheke, grosse Packung
Voltarensalben und 3x am Tag schmieren. Eigentich haette ich natuerlich
pausieren muessen.
Auch die harte Trainingeinheit am Donnerstag war keine gute Idee. Der
letzte 1000er in 3:43 und mit haengender Zunge (der erste locker in
3:38) zeigten mir klar auf, dass ich alles andere als regeneriert war.
Am Samstag hatte ich beim Bier dann aber meinen Bruder ueberreden
koennen, nach Jahren mal wieder einen HM zu laufen - nach seiner
kleiner 34 auf 10 war ich echt gespannt, was da rauskommt. Und Damir
hatte ploetzlich auch Lust auf HM...

Also fand ich mich am Samstag nachmittag in Benrath an der Startlinie
wieder, wild entschlossen, sub 1:29 zu laufen. Rein rechnerisch sollte
das mit der guten 39:30 locker drin sein, aber meine Beine sagten mir
was anderes.
3-4 Reihe, Startschuss, ich drueckte sofort ab - schliesslich gab es
hier nur Bruttozeiten, ich durfte nicht erst beim Ueberqueren der
Startlinie druecken.
Bruederchen ging auch sofort ab, lief locker vor dem Feld her, 2-3
folgten. Ich wollte ihm noch ein bisschen zuschauen und lief auch etwas
flotter. Der erste km in 3:51 war noch ok. Aber hier wurde schon klar,
dass das kein lockeres Rumgejauchze wie in Bonn wird, sondern ein
knallhartes Rennen.
Der Laufgott wollte heute *alles* sehen.

Ich sah Bruederchen allerdings noch noch so bis km2, dann entschwand er
an der Spitze. Letzendlich wurde er Zweiter in guten 1:17.
Ich fing an, mich auf meinen Lauf zu konzentrieren und die Systeme zu
checken. Mit Schrecken stellte ich fest, dass mein Energietank nur bis
etwa 50% gefuellt war - halb leer!
Ausbremsen ging aber natuerlich nicht. Also einfach ein Tempo finden,
dass noch nicht /total anstrengend/ ist, sondern einen Schritt
langsamer als /ziemlich anstrengend/. Da ich aber immer wieder ein
leichtes Stechen in der Seite hatte, fand ich nicht richtig in Tritt.
Bei km5 hatte ich 20:17. Etwas zu flott. Aber ich wusste, dass ich
heute etwas Puffer brauchen wuerde. Die ganze Zeit rechnete ich. 1:29
gesamt, macht 1:24 fuer 20km, macht 42/10 bzw 21/5.
Ich konnte mich also auf 21/5 bzw. 4:12/km zurueckfallen lassen.

Was ich natuerlich nicht tat. Hier zog einer dann, dann kam wieder
jemand von hinten, dann fanden sich zwei, bei denen ich mitgelaufen
waere - aber wo ich mich auch anschliessen wollte, die waren alle zu
fix unterwegs. Dann hatte ich einen km in 4:15, dann zog ich wieder an:
4:08 - boah war das anstrengend!
Und bei km8 der Schock: die Alarmleuchte von meinem Energietank ging
an! Ich musste jetzt auf Reserve laufen! Au weiha...

Hier nahm ich klar Gas raus. Ich konnte nicht mehr. Kurz der Gedanke,
einfach im 5er Tempo ins Ziel zu traben.
"Sind wir hier zum Kaempfen oder zum Rumalbern?" hoerte ich da die
mahnende Stimme des Laufgottes.
"Ich kann nicht mehr", flehte ich.
"Du hast eine Mission, mein Sohn!"
"Was denn?"
"1:28:59!"
"Ach du - du hast gut reden", nuschelte ich.
km10 dann 41:20, d.h. 21:03/5 oder 4:12/km.

Hier kommt jetzt mein Lieblingstueck, ueber Bruecken, sanft
geschwungene Wege durch den Wald, rechts der Unterbacher See. Ich aber
war fertig - 4:12 konnte ich nie und nimmer halten. Und meine
Reserveleuchte flackerte immer hektischer!
Vor mir bildete sich eine Gruppe, jemand rannte heran, um dort
mitzugehen - ja, das waere meine Gruppe, mein Tempo. Aber ich konnte
nicht. Das gab mir auch moralisch einen echten Knick, *meine* Gruppen
ziehen lassen zu muessen. Immer mal wieder wurde ich ueberholt - ich
ueberholte keinen. Was fuer ein Gegensatz zu Bonn!

Alleine kaempfte ich mich weiter. Der Getraenkestand kam genau richtig.
Klares Wasser, super! Ich konnte mich innerlich wieder etwas sammeln,
ein paar Troepfchen kamen sogar im leer gelaufenen Energietank an. Und
dann fand ich doch noch einen Begleiter. Den wollte ich nicht so
einfach ziehen lassen. Hier, um den See, fand ich das einzige Mal so
etwas wie einen Rhythmus: einfach laufen, auch wenn s anstrengend ist;
aber nicht mehr ueber jeden Schritt nachdenken muessen.
km15 in 62:35, 21:14/5 bzw. 4:15/km. Und der Tank leer. Ich war am
Ende. Aus. Lauft vorbei. Erste Gedanken, einfach mal zu gehen.

"Soll ich dir dann auch noch ein paar Stoecke geben?" spoettelte der
Laufgott.
Er schickte mir ein Bild von einer 1:30:01 und grinste boese.
Was sollte ich machen? Der Energietank war leer!
Ich muss gehen, dachte ich. Dann aber kam der Knick da hinten, ueber
die Bruecke - dort ist der Getraenkestand!
Wieder das tolle klare Wasser, wieder brauchte ich es, wieder ein paar
Troepfchen in den leeren, heissgelaufenen Tank. Jemand ueberholte mich
- soll er doch. Ich hatte genug mit mir selber zu kaempfen...
Irgendwann das km16 Schild, 4:20 oder 4:30, ich konnte es nicht mehr
genau nachhalten. Boah, so alle war ich schon lange nicht mehr. Jetzt
ist s ja nicht mehr weit.

NICHT MEHR WEIT?! Hey, es waren noch 5km, die ich auf keinen Fall mehr
in den berechneten 4:12 laufen konnte - eher 4:30 oder 5:00. Ich lief
nur noch auf den Knochen. Die Beine machten nicht mehr mit - hier lief
nur der Wille.

Und der wurde immer schwaecher: mit zischendleerem Energietank wurde
der Wunsch immer staerker, mich einfach in den Wald zu legen.
Wieder ein Ueberholer. Eine tolle Gruppe da vorne, 7-8 Mann. Nicht weit
weg. Fuer mich aber unerreichbar. Fast haette ich heulen koennen. Es
ging nichts mehr. Die 1:29 war dahin - vielleicht noch 1:30? Aber
eigentlich war das inzwischen auch egal - nur noch /irgendwie/ ins Ziel
kommen...

Ich erinnere mich nicht mehr richtig an die letzten km. Es war eine
Qual. Irgendwann kam doch das km20-Schild, 1:24:25. Also 21:50 fuer die
letzten 5, 4:22/km. Keine Ahnung, warum das nicht noch schlechter war -
es kam mir vor wie 6er Tempo.
Und ich konnte nicht zulegen: der leere Energietank drohte zu
explodieren. Jetzt musste ich nur noch beissen, um die sub1:30 zu
schaffen - immerhin!

Dann der Pilz, der Knick, die lange Gerade: da! da hinten ist das Ziel!
Endspurt! Endspurt? Geht nicht. Irgendwann, so 400m vorm Ziel, doch
wieder der Blick auf die Uhr: 1:27:50. Oder waren es nur noch 300m?
Das-muss-doch-irgend-wie-zu-schaf-fen-sein! Nochmal alles aus den
Knochen rausholen, Luft kann ich wieder im Ziel holen ... zieh!
Bei km21 nochmal der Blick auf die Uhr: 1:28:38? ZIIIEEEEH!
Bloss nicht vor der Ziellinie austrudeln, voll rueber wie ein Sprinter,
abgestoppt, angehalten. Draufgeguckt: 1:28:58. Ich kann s nicht
glauben.
Erstmal trinken. Nochmal. Bin ich fertig. Hinsetzen. Nochmal gucken:
1:28:58. Oh weh.
Wenn das am Start doch zu spaet war? Oder im Ziel zu frueh? 3s sind
schnell zusammen...

Na und jetzt sitzt ich hier, mit schweren Beinen, und versuche
irgendwie an meine offizielle Zeit zu kommen! Ist bestimmt 1:29:01, wie
ich mein Glueck kenne.
Aber inzwischen waere auch das nicht mehr wild - ich weiss jetzt, was
ich zu trainieren habe, und werde dann naechsten HM sicher ausgeruhter
angehen. Langsam kann ich auch schon wieder anfangen, mich drauf zu
freuen :-)


Laufende Gruesse,
Oli-"aua, meine Beine"-ver

--
http://www.drsl.de
http://www.deutschlandstaffel.de
http://www.laufen-in-wuppertal.de

HM Duesseldorf-Benrath 16.10.05 (Olzo)
Autor: Gy Hilmer (2005-04-17 14:57:48)

HM Duesseldorf-Benrath 16.10.05 (Olzo)
Autor: Gy Hilmer (2005-04-17 14:57:48)

Oliver Olzo Seyfert wrote:


R E S P E K T!


kaempfen ist alles :)

Glueckwunsch :)

Gruesse

Gy




> [ ] Ich widerspreche der Archivierung auf DRSL.de.
> [X] Ich habe den Bericht auf DRSL.de archiviert.
>
> Name des Laufes: 23. Benrather Volkslauf
> Datum: 16.4.2005 (Sat)
> Ort: Düsseldorf-Benrath
> Postleitzahl: D4
> Homepage (Veranstalter): http://www.lt-duesseldorf-sued.de
> Ihr Name: Oliver Seyffert
> Ihre eMail-Adresse: olzo at laufen-in-wuppertal de
> Streckenlaenge: 5k, 10k, HM, 400 m Bambini
> Beschaffenheit: Waldwege
> Profil: flach
> Wetter: kalt 9°, kein Regen
> Teilnehmer: HM ~500
> Bericht:
> (Ich halt s nicht mehr aus! Auch wenn ich die off. Zeit noch nicht habe
> [Liste noch nicht im Netz und obwohl mein Bruder gestern 2Std bei der
> Siegerehrung gewartet hat, gab s da auch keine Zeit fuer mich], muss es
> jetzt raus :) )
>
> Ihr kennt Benzintanks beim Auto? Man kann so fahren, dass der Verbrauch
> hoch ist oder auch nicht, aber irgendwann ist das Ding trotzdem leer.
>
> Nun, mein Energietank ist auch nicht unerschoepflich. 3 WKe in 13 Tagen
> sind keine wirklich gute Idee: don t try this at home!
>
> Nach den guten 10km vor 2 Wochen in Ddorf (39:33) war das letzte
> Wochenende schon nicht ohne: Bonn HM nach durchzechtem Abend. Mein
> Energietank war nur noch bei 80%, aber der Vorabend, das Bier und die
> tolle Stimmung und die Euphorie durch das drsl-Treffen hatten einen
> tollen, zaubrigen Schaum auf die Fluessigkeit gelegt - ich lief wie
> befluegelt und ohne mir einen Kopf um irgendwas zu machen 1:30:31.
> Eigentlich wollte ich gar nicht so schnell, anfangs hatte ich ja noch
> rumgebummelt, aber Britt hat mich dann irgendwann verstossen ;)
>
> Mit Carsten wollte ich mich eigentlich am Start treffen und gemeinsam
> sub1:30 laufen, aber wir hatten uns verpasst. So war ich zwar sehr froh
> ueber die fuer mich z.Zt. gute 1:30:31, aber seine 1:29:00 wurmte mich
> ;)
> Mehr aus Bloedelei hatte ich mit ihm rumgeflaxt, direkt am Samstag
> schon wieder HM in Benrath zu laufen, sub1:29. Das hielt ich da noch
> fuer Quatsch (Carsten wohl auch, denn er lief nicht dort). Zudem kamen
> ab Dienstag abend Probleme mit dem linken Aussenband ueberm Knoechel
> hinzu, Reizung durch Ueberlastung. Also zur Apotheke, grosse Packung
> Voltarensalben und 3x am Tag schmieren. Eigentich haette ich natuerlich
> pausieren muessen.
> Auch die harte Trainingeinheit am Donnerstag war keine gute Idee. Der
> letzte 1000er in 3:43 und mit haengender Zunge (der erste locker in
> 3:38) zeigten mir klar auf, dass ich alles andere als regeneriert war.
> Am Samstag hatte ich beim Bier dann aber meinen Bruder ueberreden
> koennen, nach Jahren mal wieder einen HM zu laufen - nach seiner
> kleiner 34 auf 10 war ich echt gespannt, was da rauskommt. Und Damir
> hatte ploetzlich auch Lust auf HM...
>
> Also fand ich mich am Samstag nachmittag in Benrath an der Startlinie
> wieder, wild entschlossen, sub 1:29 zu laufen. Rein rechnerisch sollte
> das mit der guten 39:30 locker drin sein, aber meine Beine sagten mir
> was anderes.
> 3-4 Reihe, Startschuss, ich drueckte sofort ab - schliesslich gab es
> hier nur Bruttozeiten, ich durfte nicht erst beim Ueberqueren der
> Startlinie druecken.
> Bruederchen ging auch sofort ab, lief locker vor dem Feld her, 2-3
> folgten. Ich wollte ihm noch ein bisschen zuschauen und lief auch etwas
> flotter. Der erste km in 3:51 war noch ok. Aber hier wurde schon klar,
> dass das kein lockeres Rumgejauchze wie in Bonn wird, sondern ein
> knallhartes Rennen.
> Der Laufgott wollte heute *alles* sehen.
>
> Ich sah Bruederchen allerdings noch noch so bis km2, dann entschwand er
> an der Spitze. Letzendlich wurde er Zweiter in guten 1:17.
> Ich fing an, mich auf meinen Lauf zu konzentrieren und die Systeme zu
> checken. Mit Schrecken stellte ich fest, dass mein Energietank nur bis
> etwa 50% gefuellt war - halb leer!
> Ausbremsen ging aber natuerlich nicht. Also einfach ein Tempo finden,
> dass noch nicht /total anstrengend/ ist, sondern einen Schritt
> langsamer als /ziemlich anstrengend/. Da ich aber immer wieder ein
> leichtes Stechen in der Seite hatte, fand ich nicht richtig in Tritt.
> Bei km5 hatte ich 20:17. Etwas zu flott. Aber ich wusste, dass ich
> heute etwas Puffer brauchen wuerde. Die ganze Zeit rechnete ich. 1:29
> gesamt, macht 1:24 fuer 20km, macht 42/10 bzw 21/5.
> Ich konnte mich also auf 21/5 bzw. 4:12/km zurueckfallen lassen.
>
> Was ich natuerlich nicht tat. Hier zog einer dann, dann kam wieder
> jemand von hinten, dann fanden sich zwei, bei denen ich mitgelaufen
> waere - aber wo ich mich auch anschliessen wollte, die waren alle zu
> fix unterwegs. Dann hatte ich einen km in 4:15, dann zog ich wieder an:
> 4:08 - boah war das anstrengend!
> Und bei km8 der Schock: die Alarmleuchte von meinem Energietank ging
> an! Ich musste jetzt auf Reserve laufen! Au weiha...
>
> Hier nahm ich klar Gas raus. Ich konnte nicht mehr. Kurz der Gedanke,
> einfach im 5er Tempo ins Ziel zu traben.
> "Sind wir hier zum Kaempfen oder zum Rumalbern?" hoerte ich da die
> mahnende Stimme des Laufgottes.
> "Ich kann nicht mehr", flehte ich.
> "Du hast eine Mission, mein Sohn!"
> "Was denn?"
> "1:28:59!"
> "Ach du - du hast gut reden", nuschelte ich.
> km10 dann 41:20, d.h. 21:03/5 oder 4:12/km.
>
> Hier kommt jetzt mein Lieblingstueck, ueber Bruecken, sanft
> geschwungene Wege durch den Wald, rechts der Unterbacher See. Ich aber
> war fertig - 4:12 konnte ich nie und nimmer halten. Und meine
> Reserveleuchte flackerte immer hektischer!
> Vor mir bildete sich eine Gruppe, jemand rannte heran, um dort
> mitzugehen - ja, das waere meine Gruppe, mein Tempo. Aber ich konnte
> nicht. Das gab mir auch moralisch einen echten Knick, *meine* Gruppen
> ziehen lassen zu muessen. Immer mal wieder wurde ich ueberholt - ich
> ueberholte keinen. Was fuer ein Gegensatz zu Bonn!
>
> Alleine kaempfte ich mich weiter. Der Getraenkestand kam genau richtig.
> Klares Wasser, super! Ich konnte mich innerlich wieder etwas sammeln,
> ein paar Troepfchen kamen sogar im leer gelaufenen Energietank an. Und
> dann fand ich doch noch einen Begleiter. Den wollte ich nicht so
> einfach ziehen lassen. Hier, um den See, fand ich das einzige Mal so
> etwas wie einen Rhythmus: einfach laufen, auch wenn s anstrengend ist;
> aber nicht mehr ueber jeden Schritt nachdenken muessen.
> km15 in 62:35, 21:14/5 bzw. 4:15/km. Und der Tank leer. Ich war am
> Ende. Aus. Lauft vorbei. Erste Gedanken, einfach mal zu gehen.
>
> "Soll ich dir dann auch noch ein paar Stoecke geben?" spoettelte der
> Laufgott.
> Er schickte mir ein Bild von einer 1:30:01 und grinste boese.
> Was sollte ich machen? Der Energietank war leer!
> Ich muss gehen, dachte ich. Dann aber kam der Knick da hinten, ueber
> die Bruecke - dort ist der Getraenkestand!
> Wieder das tolle klare Wasser, wieder brauchte ich es, wieder ein paar
> Troepfchen in den leeren, heissgelaufenen Tank. Jemand ueberholte mich
> - soll er doch. Ich hatte genug mit mir selber zu kaempfen...
> Irgendwann das km16 Schild, 4:20 oder 4:30, ich konnte es nicht mehr
> genau nachhalten. Boah, so alle war ich schon lange nicht mehr. Jetzt
> ist s ja nicht mehr weit.
>
> NICHT MEHR WEIT?! Hey, es waren noch 5km, die ich auf keinen Fall mehr
> in den berechneten 4:12 laufen konnte - eher 4:30 oder 5:00. Ich lief
> nur noch auf den Knochen. Die Beine machten nicht mehr mit - hier lief
> nur der Wille.
>
> Und der wurde immer schwaecher: mit zischendleerem Energietank wurde
> der Wunsch immer staerker, mich einfach in den Wald zu legen.
> Wieder ein Ueberholer. Eine tolle Gruppe da vorne, 7-8 Mann. Nicht weit
> weg. Fuer mich aber unerreichbar. Fast haette ich heulen koennen. Es
> ging nichts mehr. Die 1:29 war dahin - vielleicht noch 1:30? Aber
> eigentlich war das inzwischen auch egal - nur noch /irgendwie/ ins Ziel
> kommen...
>
> Ich erinnere mich nicht mehr richtig an die letzten km. Es war eine
> Qual. Irgendwann kam doch das km20-Schild, 1:24:25. Also 21:50 fuer die
> letzten 5, 4:22/km. Keine Ahnung, warum das nicht noch schlechter war -
> es kam mir vor wie 6er Tempo.
> Und ich konnte nicht zulegen: der leere Energietank drohte zu
> explodieren. Jetzt musste ich nur noch beissen, um die sub1:30 zu
> schaffen - immerhin!
>
> Dann der Pilz, der Knick, die lange Gerade: da! da hinten ist das Ziel!
> Endspurt! Endspurt? Geht nicht. Irgendwann, so 400m vorm Ziel, doch
> wieder der Blick auf die Uhr: 1:27:50. Oder waren es nur noch 300m?
> Das-muss-doch-irgend-wie-zu-schaf-fen-sein! Nochmal alles aus den
> Knochen rausholen, Luft kann ich wieder im Ziel holen ... zieh!
> Bei km21 nochmal der Blick auf die Uhr: 1:28:38? ZIIIEEEEH!
> Bloss nicht vor der Ziellinie austrudeln, voll rueber wie ein Sprinter,
> abgestoppt, angehalten. Draufgeguckt: 1:28:58. Ich kann s nicht
> glauben.
> Erstmal trinken. Nochmal. Bin ich fertig. Hinsetzen. Nochmal gucken:
> 1:28:58. Oh weh.
> Wenn das am Start doch zu spaet war? Oder im Ziel zu frueh? 3s sind
> schnell zusammen...
>
> Na und jetzt sitzt ich hier, mit schweren Beinen, und versuche
> irgendwie an meine offizielle Zeit zu kommen! Ist bestimmt 1:29:01, wie
> ich mein Glueck kenne.
> Aber inzwischen waere auch das nicht mehr wild - ich weiss jetzt, was
> ich zu trainieren habe, und werde dann naechsten HM sicher ausgeruhter
> angehen. Langsam kann ich auch schon wieder anfangen, mich drauf zu
> freuen :-)
>
>
> Laufende Gruesse,
> Oli-"aua, meine Beine"-ver
>

HM Duesseldorf-Benrath 16.10.05 (Olzo)
Autor: Alex Dummer (2005-04-17 17:24:18)

Oliver Olzo Seyfert schrieb:

[wahsinnig kämpferischer Lauf]

> Na und jetzt sitzt ich hier, mit schweren Beinen, und versuche
> irgendwie an meine offizielle Zeit zu kommen! Ist bestimmt 1:29:01, wie
> ich mein Glueck kenne.

Es den Andeutungen in drslm kann man wohl entnehmen, dass es geklappt hat
mit der Sub-Zeit.

Glückwunsch,
zu der Zeit und vor allem zu dem Kampf!

> Oli-"aua, meine Beine"-ver

Tja, die Opfer an den Laufgott tun manchmal etwas weh ;-).

Gruss Alex

HM Duesseldorf-Benrath 16.10.05 (Olzo)
Autor: Andreas Wieneke (2005-04-17 22:54:32)

Hallo Olzo,

>Also fand ich mich am Samstag nachmittag in Benrath an der Startlinie
>wieder, wild entschlossen, sub 1:29 zu laufen.
Erst im Volksgarten 10 km, dann Bonn HM 1:30, dann noch mal eine Woche
später einen .... naja, ob das gut geht?

>NICHT MEHR WEIT?! Hey, es waren noch 5km,
5 in Worten nur noch fünf!!

>Keine Ahnung, warum das nicht noch schlechter war -
>es kam mir vor wie 6er Tempo.
Den Eindruck hatte ich auch gelegentlich :-)

>Erstmal trinken. Nochmal. Bin ich fertig. Hinsetzen. Nochmal gucken:
>1:28:58. Oh weh.
Also so ferigt sahst Du im Ziel aber nicht aus :-))

>... und versuche
>irgendwie an meine offizielle Zeit zu kommen! Ist bestimmt 1:29:01,
Na hoffentlich nicht.


Gruß

Andreas Wieneke

http://www.drsl.de/?werist=Andreas Wieneke
http://www.Tourplaner-Online.de

HM Duesseldorf-Benrath 16.10.05 (Olzo)
Autor: Oliver Olzo Seyfert (2005-04-18 06:28:21)

Stefan Bäumer schrieb am 17.04 um 17:37:
> Oliver Olzo Seyfert schrieb:
>> Nun, mein Energietank ist auch nicht unerschoepflich. 3 WKe in 13 Tagen
>> sind keine wirklich gute Idee: don t try this at home!
>
> Schon mal von ner Tankstelle gehört? Tanke beim Menschen?

Ja. Regeneration. Deshalb habe ich z.B. auch keine hohe Meinung vom
Streaken.

> ("Don t try this at home" -> sehr schöne Scheibe von Spock´s Beard)

Und eines meiner Lieblingsalben von Billy Bragg.

>> Mit Schrecken stellte ich fest, dass mein Energietank nur bis
>> etwa 50% gefuellt war - halb leer!
>
> Ist ja auch nur ein Halbmarathon?!

*lol*

>> Und bei km8 der Schock: die Alarmleuchte von meinem Energietank ging
>> an! Ich musste jetzt auf Reserve laufen! Au weiha...
>
> Reserve reicht meist noch für 50-70km (...beim Auto)

Haette ich das vorgestern schon gewusst... :)

> Wie, bei 500 Teilnehmern wirst Du im vorderen Feld dauernd überholt, das
> glaub ich nicht.

Es kam mir so vor. Also so 10-12 werde es gewesen sein.

> Rechnen klappte auch nicht mehr, ein GUTES Zeichen.

*grins*

>
>> Dann der Pilz, der Knick, die lange Gerade: da! da hinten ist das Ziel!
>> Endspurt! Endspurt? Geht nicht. Irgendwann, so 400m vorm Ziel, doch
>> wieder der Blick auf die Uhr: 1:27:50. Oder waren es nur noch 300m?
>> Das-muss-doch-irgend-wie-zu-schaf-fen-sein! Nochmal alles aus den
>> Knochen rausholen, Luft kann ich wieder im Ziel holen ... zieh!
>> Bei km21 nochmal der Blick auf die Uhr: 1:28:38? ZIIIEEEEH!
>
> 300m in 48 Sek., das ist aber wirklich flott.

Na ich denke, dass die 300m ins Ziel und 200m bis km21 hoffentlich eher
350m bzw. 250m waren - ansonsten waere 48s/200m bei "volle Pulle" alles
andere als wirklich flott...

>> Wenn das am Start doch zu spaet war? Oder im Ziel zu frueh? 3s sind
>> schnell zusammen...
>
> Das stimmt allerdings, schau doch mal nach beim LT Düsseldorf Süd...
>
>
>
> (just kidding)

Mensch Stefan, du bist echt voll der Schocker. Einen Moment hab ich einen
echten Schreck gekriegt ;)

> Glückwunsch zum schmerzhaften, aber schnellen Lauf.

Laufende Gruesse,
Oli-"danke :-) - auch den anderen"-ver

--
http://www.kmspiel.de
http://www.eulenkopfweg.de
http://www.deutschlandstaffel.de

HM Duesseldorf-Benrath 16.10.05 (Olzo)
Autor: Oliver Olzo Seyfert (2005-04-18 09:43:50)

Alex Dummer schrieb am 17.04 um 17:24:
> Oliver Olzo Seyfert schrieb:
>> Ist bestimmt 1:29:01, wie ich mein Glueck kenne.
>
> Es den Andeutungen in drslm kann man wohl entnehmen, dass es geklappt hat
> mit der Sub-Zeit.

Nein nein nein, die wissen auch nichts - die hatten nur meine voreilig im
Trainingsthread und in der Laufzentrale eingetragene, selbstgestoppte Zeit
von 1:29:59 gesehen.

Ich druecke hier schon alle halbe Stunde auf der Ergebnisseite den Reload-
Button ... und gerade *jetzt* wird es offiziell:

| 52. Seyffert, Oliver 70 LG Wuppertal 1:28:59,0 14. M35

Yeah yeah yeah!

> Glückwunsch, zu der Zeit und vor allem zu dem Kampf!

Laufende Gruesse,
Oli-"danke - Kaempfen kann ja sooo geil sein! *happy*"-ver

--
http://www.laufplaner.de
http://www.laufzentrale.de
http://www.laufen-in-wuppertal.de

HM Duesseldorf-Benrath 16.10.05 (Olzo)
Autor: Rud1ger Sch1erz (2005-04-18 12:20:00)

Oliver Olzo Seyfert writes:

> Name des Laufes: 23. Benrather Volkslauf

[...]
> Der erste km in 3:51 war noch ok.

Hm.

> Bei km5 hatte ich 20:17. Etwas zu flott. Aber ich wusste, dass ich
> heute etwas Puffer brauchen wuerde.

Hey, dass das mit dem Puffer nicht funktioniert, solltest du
eigentlich langsam wissen. Hat dir der Laufgott da noch nicht genug
Lektionen verpasst? ;-)

> Und bei km8 der Schock: die Alarmleuchte von meinem Energietank ging
> an! Ich musste jetzt auf Reserve laufen! Au weiha...

Warum hab ich mir nur gedacht, dass das kommt? ;-)

> Hier nahm ich klar Gas raus. Ich konnte nicht mehr.

Du lernst es eben auf die harte Tour. ;-)

> km10 dann 41:20, d.h. 21:03/5 oder 4:12/km.

Siessuhassu. ;-)

> km15 in 62:35, 21:14/5 bzw. 4:15/km.

Noch gut gehalten!

> Irgendwann kam doch das km20-Schild, 1:24:25. Also 21:50 fuer die
> letzten 5, 4:22/km.

Ouch.

> Bloss nicht vor der Ziellinie austrudeln, voll rueber wie ein Sprinter,
> abgestoppt, angehalten. Draufgeguckt: 1:28:58. Ich kann s nicht
> glauben.

Yeah. Super. Ziel erreicht.

> Aber inzwischen waere auch das nicht mehr wild - ich weiss jetzt, was
> ich zu trainieren habe, und werde dann naechsten HM sicher ausgeruhter
> angehen. Langsam kann ich auch schon wieder anfangen, mich drauf zu
> freuen :-)

Hey, ich denke, bei besserer Renneinteilung wäre sogar jetzt schon
noch etwas mehr drin gewesen. Der Lauf war IMHO so hart, weil du zu
schnell angegangen bist. Respekt, dass du so lange im Survival-Mode
durchgehalten hast. Das war Willensstärke.

> Laufende Gruesse,
> Oli-"aua, meine Beine"-ver

Viele Grüße vom Laufgott. :-)

Cheers,
Rudiger

HM Duesseldorf-Benrath 16.10.05 (Olzo)
Autor: Oliver Olzo Seyfert (2005-04-18 19:26:14)

Rud1ger Sch1erz schrieb am 18.04 um 12:20:
> Oliver Olzo Seyfert writes:
>> Bei km5 hatte ich 20:17. Etwas zu flott. Aber ich wusste, dass ich
>> heute etwas Puffer brauchen wuerde.
>
> Hey, dass das mit dem Puffer nicht funktioniert

Nicht? :-o

>> Und bei km8 der Schock: die Alarmleuchte von meinem Energietank ging
>> an! Ich musste jetzt auf Reserve laufen! Au weiha...
>
> Warum hab ich mir nur gedacht, dass das kommt? ;-)

Ich schaetze, weil du
[x] alt und weise bist
[ ] die richtige Zeitung liest
[x] meine Laufberichte kennst
[x] du das Ende von meinem Bericht schon vorher gelesen hast

> Yeah. Super. Ziel erreicht.

Yeah!

> Hey, ich denke, bei besserer Renneinteilung wäre sogar jetzt schon
> noch etwas mehr drin gewesen.

Also ich hab ja heimlich mit einer besseren Zeit gerechnet - dafuer
war die Renneinteilung eigentlich optimal gewaehlt ;)

> Der Lauf war IMHO so hart, weil du zu schnell angegangen bist.

Und IMHO, weil der Tank schon von Anfang an schon halb leer war.

> Respekt, dass du so lange im Survival-Mode durchgehalten hast.
> Das war Willensstärke.

Danke fuer die freundliche Umschreibung. Man koennte es auch Bockigkeit
nennen ;) Oder Bissigkeit. Ohne meinen Keili haette ich das nie geschafft.

>> Oli-"aua, meine Beine"-ver
>
> Viele Grüße vom Laufgott. :-)

Laufende Gruesse,
Oli-"Ah, er spricht durch unsere Beine zu uns! Ein Zeichen!"-ver

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