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Vienna City Marathon [Elisabeth]


Vienna City Marathon [Elisabeth]
Autor: Elisabeth Mueller (2007-05-01 18:04:51)

Name des Laufes: 24. Vienn City Marathon
Datum: 29.4.2007 (Sun)
Ort: Wien
Postleitzahl: A
Homepage (Veranstalter): http://www.vienna-marathon.com
Ihr Name: Elisabeth Müller
Ihre eMail-Adresse: maelmill@eunet.at
Streckenlaengen: 42,195
Beschaffenheit: Asphalt
Profil: Eben.
Wetter: heiß
Teilnehmer: insgesamt etwa 26000, beim Marathon 7800

Vorgeschichte:
Als letztes Jahr ein Arbeitskollege einen langen Vortrag hielt und es
immer langweiliger wurde, sind meine Gedanken abgeschweift, und ich
begann mir auszurechnen, wann denn mein 42,195ter Geburtstag sei. Ich
kam auf den 29. April 2007, und in der Pause stürzte ich mich ins
Internet, um nachzusehen, ob an diesem Tag ein Marathon stattfindet.
Und tatsächlich, der Vienna City Marathon wurde von seinem
traditionellen Mai-Termin nur für mich in den April verschoben. Das
war ein Omen! Ich stürzte mich in die Marathonvorbereitung, die bei
mir nicht nur körperlich, sondern auch mental war. Im Geist lief ich
die Straßenzüge immer wieder durch.

VWKGJ:
Am Mittwoch vor dem WK erfuhren wir, dass dieser Kollege überraschend
gestorben war. Das brachte mich emotional ziemlich durcheinander.
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hatte ich einen Krampf in der
rechten Wade, und es blieb ein Knubbel zurück, der den ganzen Freitag
lang schmerzte. Am Samstag spürte ich die Stelle immer noch.

Freitag abends war Party bei Margit, mit Anita, Klaus, Susanne,
Michael, Winfried und mir. Margit hatte ursprünglich vorgehabt, uns
mit einer einzigen Breze abzuspeisen, kochte dann aber doch Spaghetti.
;-)

Anita brachte etwas ganz besonderes mit: Grazer Künstler hatten eine
Wand mit rosa Notizzettel beklebt, auf denen verschiedene Sprüche
standen. Jeder Passant sollte blind einen Spruch für sich
herunterzupfen. Sie hatte "Lieschen Müller wachsen Flügel" gezogen und
mir mitgebracht - genial!

Samstag gingen wir (Anita, Klaus, Margit und ich) auf die
Marathonmesse, schnupperten das Flair des großen Laufes, verweigerten
den Kauf des VCM-T-Shirts um 30 Euro und entdeckten zum Glück einen
Stand mit einem Masseur, der sich hingebungsvoll meiner rechten Wade
widmete und mich damit körperlich wie auch seelisch beruhigte. Das
Startersackerl enthält Nudeln, Sugo, Schokoriegel, Duschgel,
Magnesium, einen Schwamm.

Dann ging es in den Festsaal des Rathauses, wo es die traditionelle
Kaiserschmarrnparty gab. Die Portionen waren nicht so groß, aber die
Stimmung war bombastisch. Susanne Pumper (die im Vorjahr einen neuen
österreichischen Frauenrekord aufgestellt hatte) wurde interviewt,
Mischa kam dann auch auf die Bühne, weil er zu den 15 Leuten gehört,
die von Anfang an jeden VCM mitgelaufen sind. Wir trafen Leute vom
run42195-Forum, und Fredmann machte Videoaufnahmen von allen, die
daran interessiert waren. Wir waren dann aber schon ziemlich müde und
fuhren heim, um die Beine auszustrecken und nichts mehr zu tun.

Abends krieg ich noch jede Menge aufmunternde SMS und Mails, das tut
gut.

Sonntag früh um 7 Uhr läutete der Wecker. Wohlgelaunt, aber nervös
stand ich auf, um mir ein Frühstück zu gönnen.

Ich ziehe mein weißes Bonn-Finisher-T-Shirt an, schmiere Vaseline
zwischen die Beine und unter die Arme, Sonnecreme auf alle exponierten
Stellen, nehme ein breites weißes Stirnband und fühle mich bereit.

Zwanzig Minuten vor dem Start breche ich auf. Der Start ist nur 2,5
Kilometer entfernt, ich trabe langsam hin. Markus fährt mit dem Rad
zum Start, um mich zu fotografieren.

Ich bin noch 500 Meter vom Start entfernt, als die Starthupe ertönt.
Ich sehe aber die Menschenmassen vor mir und bleibe ruhig. Tatsächlich
laufe ich noch auf stehende Starter auf, und bis ich dann über die
Startlinie komme, dauert es fast eine Viertelstunde. Der Marathonwurm
wälzt sich über die Reichsbrücke, ein erhebender Anblick. Plötzlich
steht Margit neben mir, hat Stefan den Bären in der Hand (der mein
persönlicher Fanclub ist) und feuert mich an. Sie läuft neben mir her.
Das macht nichts, ich bin ganz am Ende des Feldes, hier stört sie
niemanden.

Auf der Brücke sehe ich meinen Schwager Stefan, der mir zujubelt und
winkt. Ich freue mich, er wird mich von km 10-20 betreuen und weiß
jetzt, dass ich gestartet bin.

Kurz darauf sehe ich Fredmann und ein paar Leute vom run42195-Forum,
die den Start filmen. Ich fühle mich großartig!

Über die Reichsbrücke geht es in die Lassallestrasse. Hier stehen
viele Menschen und feuern uns an. Die Stimmung ist großartig. Margit
begleitet mich bis zum Praterstern (km2) dann fährt sie mit der U-Bahn
weiter. Hier biege ich allein in den Prater ab. Die Hauptallee ist im
Schatten, den brauche ich jetzt schon. Die Kastanien blühen. Die
Läufer sind gut gelaunt. Ich hänge mich an ein Paar an, deren T-Shirts
für Weltenburger Bier wirbt. Das ist ein motivierender Anblick.

Bei km 5 wird die erste Zwischenzeit genommen, es gibt die erste
Getränkestation (ich nehme Wasser) und plötzlich steht hier Ulrich vom
Forum und feuert mich an. Es geht mir gut, ich freue mich und bin
guter Dinge.

Bei km 6 geht es aus dem Prater hinaus. Hier ist eine kleine Steigung,
die aber kaum zu spüren ist. Jetzt geht es hinein in die Stadt, die
Schüttelstrasse entlang. Lautsprecher spielen Musik, die Leute
klatschen und machen Krach. Eine Gruppe Trommler macht Stimmung. Es
geht mir super. Bei km 9 biegen wir auf den Ring ab. Plötzlich von
vorne Motorräder und das Führungsfahrzeug: die Führenden kommen mir
entgegen, sie sind schon bei km 26. Die laufen wirklich ein anderes
Rennen. ;-)

Vor lauter Schauen wäre ich am Ring fast in die falsche Richtung
weitergelaufen, aber ein netter Zuschauer schickt mich dann doch noch
richtig weiter.

Bei km 10 ist eine große Labestation. Es riecht fruchtig nach
verschüttetem Iso. Überall liegen Plastikbecher und Bananen, ich laufe
vorsichtig, denn auf den Bananen rutsche ich, auf dem Iso klebe ich.
Am Ring herrscht wieder eine tolle Stimmung. Vor der Oper ist eine
große Leinwand, auf der die Fernsehübertragung von den Führenden zu
sehen ist. Plötzlich ist Margit wieder da. "Dein SMS geht nicht" -
was, wieso, hab ich die falsche Nummer eingegeben? Was ist los?

Kurz darauf vor der Sezession steht Stefan. "Die SMS funktionieren
nicht" "Kannst Du Markus und die anderen anrufen und sagen, dass es
mir gut geht?" "Brauchst Du was?" "Momentan nicht, danke" Und ich bin
unterwegs Richtung Wienzeile.

Hier wird es richtig heiß, die Sonne brennt herunter, wir laufen genau
auf sie zu, und kein Schatten weit und breit. Bei km 13 steht meine
Freundin Susanne und mein Patenkind Leonie (3,5 Jahre alt) und jubeln
mir zu. Ich freue mich total! Da ja das SMS-Service ausgefallen ist,
wussten sie nicht, wann ich komme, ob ich überhaupt noch komme, und
sie haben durchgehalten. Das gibt mir Berge, und ich laufe nach einer
kurzen Umarmung wieder wohlgelaunt weiter.

Bei km 14 steht Stefan wieder, diesmal brauche was: bitte ein
feuchtes, kühles Handtuch! Ich wische mir den Schweiß mit einem
Kinderhandtuch (Motiv Esel I-ha von Winnie Puh) von der Stirn. Das tut
gut! Am Wendepunkt sollte Schloss Schönbrunn sein, ich verpasse es
aber irgendwie, weil ich nur Augen habe für ein paar Läufer, die von
der Rettung versorgt werden. Nichts ernsthaftes, zum Glück.

Gleich danach die nächste Labestation, diesmal gönne ich mir ein Iso.
Jetzt geht es wieder stadteinwärts, und noch dazu im Schatten. Das ist
fein, abwärts geht es auch noch, jetzt rollt es richtig. Wieder
zujubelnde Menschen, ich laufe entspannt und fröhlich.

Bei km 19 (Westbahnhof) steht wieder Stefan, noch mal das Handtuch
fürs Gesicht und ein wenig Iso aus seiner Flasche. Es erinnert mich,
dass bei km 20 noch Fredmann wartet, der mich filmen wird, und läuft
bis dorthin mit. Dort steht Jean-Marie (Luxemburger) mit dem rosa
Luftballon, läuft mit mir mit auf die Kamera zu, von oben filmt
Fredmann und ich winke fröhlich in die Kamera. Km 20 durchlaufe ich
nach 2:30, und noch geht es mir gut.

Auf dem Ring ist die Hölle los! Hier ist dann auch der Zielbereich,
die schnellsten Marathonis sind schon im Ziel, aber die schnellen
kommen gerade, und die Halbmarathonis haben es hier auch schon
geschafft. Die Menge tobt und klatscht und feuert an. Eine geniale
Stimmung.

Nach dem Parlament wird es dann einsam auf der Strecke. Ich bin ja
vorhin schon eher in einem aufgelockerten Feld gelaufen, aber jetzt
kommen die Läufer nur mehr alle 20 Meter. Ich hab den mehrspurigen
Ring ganz für mich allein, das fühlt sich gut an.

Bei der km 22 (Universität) steht meine Schwester Cornelia, mein
Schwager Stefan und meine neunjährige Nichte Paula. Stefan feuert mich
noch mal an, und Conny und Paula laufen mit mir weiter. Wir biegen
dann in die Liechtensteinstraße ein, laufen am Palais Liechtenstein
vorbei, machen schön Sightseeing. Conny und Paula unterhalten mich und
bauen mich auf. Es stehen nur vereinzelt Zuschauer, aber sie feuern
uns alle an. Paula bekommt Sonderapplaus.

Bei km 24 brauche ich dringend eine Toilette, aber weit und breit ist
keine. Da muss eben ein Busch im Park daran glauben. Was Hunde dürfen,
kann einem Menschen doch nicht verboten sein. ;-)

Bei km 25 ist die nächste Labestation. Ich gönne mir Iso und Wasser
(halb getrunken, halb über den Kopf) Plötzlich kommt ein Motorrad mit
Kamera, ein riesiges Mikrophon wird mir unter die Nase gehalten. "Was
ist Ihre Taktik für den Rest des Rennens?" "Durchhalten". Ich sehe
meine Chance: "Ich möchte noch was sagen: Ich bin heute genau 42,195
Jahre alt und deshalb muss ich 42,195 km laufen". "Ihr Name?" "Müller
Elisabeth". Conny grinst breit, das Motorrad fährt weiter.

Bei km 26 steht mein ehemaliger Chef Walter an der Stecke, mit
Laufschuhen an den Füssen. Es begleitet mich einen Kilometer weit bis
zur nächsten Brücke, fragt mich, wie es mir geht, muntert mich auf,
sagt mir, dass ich gut aussehe.

Bei km 27 kommen Susanne und Michael vorbei, die ihren Halbmarathon in
phantastischen Zeiten absolviert haben. Sie feuern mich auch noch an.

Bei km 28 steht mein lieber Mann und wartet sorgenvoll auf mich.

So vergeht die lange Strecke Obere Donaustraße - Untere Donaustraße -
Schüttelstraße, vor der ich soviel Angst gehabt hatte, wie im Flug und
sehr abwechslungsreich, und plötzlich muss ich schon wieder in den
Prater einbiegen.

Hier es es dann das erste Mal richtig ruhig.

Hier kommen wir bei "Kilometer 1000" vorbei, der tausendste
VCM-Kilometer (wenn man alle 24 Jahre zusammenrechnet) Ein
Verpflegungsstand lockt, bietet aber nur schwere Kost und nichts zu
trinken an, also traben wir weiter.

Bei km 30 bin ich noch unter vier Stunden unterwegs. Das gibt mir Mut.
Hier steigt Margit ein, mit Stefan dem Bären dabei. Zu dritt geht es
im Prater weiter. Eine Schleife beim Stadion, jetzt kann ich auch
sehen, wer hinter mir ist: lauter müde und angeschlagen aussehende
Gestalten, und der Schlusswagen, etwa ein Kilometer hinter mir. Und
hier kommt es mir plötzlich: der Schlusswagen fährt ja mit der
Schlusszeit von 5 Stunden 30 mit, aber mit der Brutto-Zeit, ich laufe
ja netto und bin viel später gestartet. Doof, doof, doof. Matthias
taucht mit Kamera und einem Fahrrad auf.

Auf der Hauptallee wird gute Musik gespielt, die Stimmung macht. Wir
singen den Refrain mit. Its raining men - "Halleluja!" und feuern die
Entegenkommenden an. Crocodile Rock, Sex Bomb ....

Dann die Wende ums Lusthaus. 33 Kilometer sind geschafft. Jetzt muss
ich nur mehr eine einstellige Zahl schaffen, jetzt wird es absehbar.
Plötzlich hört die Musik auf. Margit und Conny geben ihr Bestes, aber
außer dem Refrain von "Keep on Running" fällt ihnen auch nichts mehr
ein. Bei km 35 wieder eine Labestation. Ich brauche, Iso, Cola
(endlich Cola! - bei jeder Labestation stand ein Cola-Lastwagen, und
nie gab es Cola) und Wasser, ich schütte alles in mich hinein und
brauche dann noch eine Gehpause, bis sich der Magen wieder beruhigt.
Und dann ist plötzlich der Schlusswagen hinter mir und setzt zum
Überholen an. Margit spricht mit dem Fahrer, erzählt ihm von meinem
Marathongeburtstag und bittet ihn, mich möglichst nicht zu überholen.
Ich finde wieder Kräfte und fange zu traben an.

Bei km 36 geht es wieder aus dem Prater hinaus, da bin ich heute doch
schon mal gelaufen. Aber wo kommt plötzlich der Berg her? Margit und
Conny nehmen mich links und rechts und ziehen mich hinauf. Oben steht
Markus, und ich hole mir ein Doping-Bussi ab. Im Nachhinein erzählt er
mir, dass ich für km 30-35 so lange gebraucht hatte, dass er schon
Angst gehabt hatte, dass ich zusammengebrochen war. Bei jeden
Rettungswagen hatte er geglaubt, dass ich drin läge.

Meine Zehen sind vom Schweiß inzwischen so schrumpelig, dass ich auf
der rechten Ringzehe eine Blase bekomme. Die zwickt ein bisserl,
beeinträchtigt mich aber nicht weiter, daher ignoriere ich sie. Das
geht bei der netten Begleitung auch recht gut.

Es geht wieder auf die Schüttelstrasse, die ich heute das dritte Mal
durchlaufe. Die Trommler geben ihr bestes, ich kriege eine Welle, als
ich vorbeilaufe. Ein paar Meter hinter mir das Schlussfahrzeug. Aber
ich bin nicht allein.

Bei km 40 komme ich wieder auf den Ring. Plötzlich sind Michael,
Winfried (barfuss und mir Gwandsackerl), Horst und Ute neben mir.
Jetzt begleiten mich sieben Leute auf den Ring, Markus steht auch noch
mal da, und ein weiters Bussi beflügelt mich. Der Ring ist toll.
Winfried läuft verkehrt, mir Sackerl und Kamera, und barfuß immer noch
schneller als ich.

Nach der Kurve am Schwarzenbergplatz (km41) geht es etwas berauf. Aber
"Lieschen Müller wachsen Flügel" - auf dem letzen Kilometer krieg ich
plötzlich ungeahnte Kräfte und laufe immer schneller, überhole noch
ein paar Leute und lasse den Schlusswagen weit hinter mir. Ich habe
fast das Gefühl dass das der schnellste Kilometer des ganzen Rennens
war. Auf alle Fälle war es aber der schönste!

Die Zuschauer klatschen und jubeln, sieben liebe Leute um mich herum,
ich biege ein, laufe durchs Heldentor, mache einen lauten Schrei, mir
kommen fast die Tränen. Ich laufe auch nicht mehr auf dem Boden, ich
schwebe über den Heldenplatz die letzten 200 Meter ins Ziel. Mir
kommen fast die Tränen vor lauter Glück. Ein Ordner klatscht mich ab,
ich laufe über die rote Matte - "pieps - pieps" das schönste Geräusch
der Welt. Ich reiße die Arme hoch - Ich bin ein Marathoni!

Dann wird mir schwindlig, aber da sind schon alle, halten mich, damit
ich nicht umfalle. Ich gehe langsam weiter, hole mir meine Medaille,
mein Versorungssackerl (Wasser, Banane, Müsliriegel, Seife, Apfel,
Taschentücher) und gehe langsam weiter. Da wartet mein lieber Mann,
meine Knie zittern. Ich werde zu einem hübschen Stück Rasen geführt,
auf dem ich mich mal hinschmeiße und die Beine ausstrecke.

Da kommen dann auch noch Conny, Paula und Stefan, Fredmann filmt mich
noch mal, ich weiß nicht mehr, wie ich meine Beine platzieren soll, in
egal welcher Stellung, sie wollen immer wieder verkrampfen. Vom Boden
geht es kühl weg, und mein Unterkörper fängt auch zu verkrampfen an.
Jetzt wird mir kalt, ich zieh mir noch ein T-Shirt drüber, noch eines,
aber mir wird nicht wärmer. Eine Toilette wäre jetzt auch recht fein.
Meine Beine wissen auch nicht mehr, wie sie sich noch drehen sollen,
und so langsam schreit die Badewanne und das Bett nach mir. Markus
hilft mir auf, und auf ihn gestützt, wanke ich langsam Richtung U-Bahn
und heimwärts, wo ich dann in der warmen Wanne entspanne und dann
wegschlafe. Der Körper ist müde, aber die Seele jubelt. J

Abends: Ich bin im Fernsehen! Zwar nicht im offiziellen VCM-Bericht,
aber in der Lokalsendung "Wien heute" hier unter:
http://your.orf.at/bheute/player.php?id=wie&day 07-04-29&offset=00:08:03

Am Tag danach: ich bin nicht aufgescheuert, der Muskelkater hält sich
in Grenzen (kann sogar die zwei Stockwerke hinuntergehen, komisch
breitbeinig zwar, aber immerhin) und ich hab sogar ein kg weniger. :-)

Das sind meine 5 km-Zwischenzeiten:
00:35:49 00:37:35 00:36:45 00:40:25 00:41:17 00:40:56
00:42:17 00:43:37 00:16:43

Danke fürs Lesen!

Elisabeth

Vienna City Marathon [Elisabeth]
Autor: "Günter Landa" (2007-05-01 18:19:06)

Vienna City Marathon [Elisabeth]
Autor: "Günter Landa" (2007-05-01 18:19:06)

Liebe Elisabeth!

Willkommen im Club der 42iger und nochmals alles Gute zu deiner großartigen
Leistung - die nächste Lainzrunde wirst du ja mit links nehmen ;-)

Grüße, Gue


"Elisabeth Mueller" schrieb im Newsbeitrag
news:09pe339odhbc65og6gjmagl9ae3bqc50gc@4ax.com...
> Name des Laufes: 24. Vienn City Marathon
> Datum: 29.4.2007 (Sun)
> Ort: Wien
> Postleitzahl: A
> Homepage (Veranstalter): http://www.vienna-marathon.com
> Ihr Name: Elisabeth Müller
> Ihre eMail-Adresse: maelmill@eunet.at
> Streckenlaengen: 42,195
> Beschaffenheit: Asphalt
> Profil: Eben.
> Wetter: heiß
> Teilnehmer: insgesamt etwa 26000, beim Marathon 7800
>
> Vorgeschichte:
> Als letztes Jahr ein Arbeitskollege einen langen Vortrag hielt und es
> immer langweiliger wurde, sind meine Gedanken abgeschweift, und ich
> begann mir auszurechnen, wann denn mein 42,195ter Geburtstag sei. Ich
> kam auf den 29. April 2007, und in der Pause stürzte ich mich ins
> Internet, um nachzusehen, ob an diesem Tag ein Marathon stattfindet.
> Und tatsächlich, der Vienna City Marathon wurde von seinem
> traditionellen Mai-Termin nur für mich in den April verschoben. Das
> war ein Omen! Ich stürzte mich in die Marathonvorbereitung, die bei
> mir nicht nur körperlich, sondern auch mental war. Im Geist lief ich
> die Straßenzüge immer wieder durch.
>
> VWKGJ:
> Am Mittwoch vor dem WK erfuhren wir, dass dieser Kollege überraschend
> gestorben war. Das brachte mich emotional ziemlich durcheinander.
> In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hatte ich einen Krampf in der
> rechten Wade, und es blieb ein Knubbel zurück, der den ganzen Freitag
> lang schmerzte. Am Samstag spürte ich die Stelle immer noch.
>
> Freitag abends war Party bei Margit, mit Anita, Klaus, Susanne,
> Michael, Winfried und mir. Margit hatte ursprünglich vorgehabt, uns
> mit einer einzigen Breze abzuspeisen, kochte dann aber doch Spaghetti.
> ;-)
>
> Anita brachte etwas ganz besonderes mit: Grazer Künstler hatten eine
> Wand mit rosa Notizzettel beklebt, auf denen verschiedene Sprüche
> standen. Jeder Passant sollte blind einen Spruch für sich
> herunterzupfen. Sie hatte "Lieschen Müller wachsen Flügel" gezogen und
> mir mitgebracht - genial!
>
> Samstag gingen wir (Anita, Klaus, Margit und ich) auf die
> Marathonmesse, schnupperten das Flair des großen Laufes, verweigerten
> den Kauf des VCM-T-Shirts um 30 Euro und entdeckten zum Glück einen
> Stand mit einem Masseur, der sich hingebungsvoll meiner rechten Wade
> widmete und mich damit körperlich wie auch seelisch beruhigte. Das
> Startersackerl enthält Nudeln, Sugo, Schokoriegel, Duschgel,
> Magnesium, einen Schwamm.
>
> Dann ging es in den Festsaal des Rathauses, wo es die traditionelle
> Kaiserschmarrnparty gab. Die Portionen waren nicht so groß, aber die
> Stimmung war bombastisch. Susanne Pumper (die im Vorjahr einen neuen
> österreichischen Frauenrekord aufgestellt hatte) wurde interviewt,
> Mischa kam dann auch auf die Bühne, weil er zu den 15 Leuten gehört,
> die von Anfang an jeden VCM mitgelaufen sind. Wir trafen Leute vom
> run42195-Forum, und Fredmann machte Videoaufnahmen von allen, die
> daran interessiert waren. Wir waren dann aber schon ziemlich müde und
> fuhren heim, um die Beine auszustrecken und nichts mehr zu tun.
>
> Abends krieg ich noch jede Menge aufmunternde SMS und Mails, das tut
> gut.
>
> Sonntag früh um 7 Uhr läutete der Wecker. Wohlgelaunt, aber nervös
> stand ich auf, um mir ein Frühstück zu gönnen.
>
> Ich ziehe mein weißes Bonn-Finisher-T-Shirt an, schmiere Vaseline
> zwischen die Beine und unter die Arme, Sonnecreme auf alle exponierten
> Stellen, nehme ein breites weißes Stirnband und fühle mich bereit.
>
> Zwanzig Minuten vor dem Start breche ich auf. Der Start ist nur 2,5
> Kilometer entfernt, ich trabe langsam hin. Markus fährt mit dem Rad
> zum Start, um mich zu fotografieren.
>
> Ich bin noch 500 Meter vom Start entfernt, als die Starthupe ertönt.
> Ich sehe aber die Menschenmassen vor mir und bleibe ruhig. Tatsächlich
> laufe ich noch auf stehende Starter auf, und bis ich dann über die
> Startlinie komme, dauert es fast eine Viertelstunde. Der Marathonwurm
> wälzt sich über die Reichsbrücke, ein erhebender Anblick. Plötzlich
> steht Margit neben mir, hat Stefan den Bären in der Hand (der mein
> persönlicher Fanclub ist) und feuert mich an. Sie läuft neben mir her.
> Das macht nichts, ich bin ganz am Ende des Feldes, hier stört sie
> niemanden.
>
> Auf der Brücke sehe ich meinen Schwager Stefan, der mir zujubelt und
> winkt. Ich freue mich, er wird mich von km 10-20 betreuen und weiß
> jetzt, dass ich gestartet bin.
>
> Kurz darauf sehe ich Fredmann und ein paar Leute vom run42195-Forum,
> die den Start filmen. Ich fühle mich großartig!
>
> Über die Reichsbrücke geht es in die Lassallestrasse. Hier stehen
> viele Menschen und feuern uns an. Die Stimmung ist großartig. Margit
> begleitet mich bis zum Praterstern (km2) dann fährt sie mit der U-Bahn
> weiter. Hier biege ich allein in den Prater ab. Die Hauptallee ist im
> Schatten, den brauche ich jetzt schon. Die Kastanien blühen. Die
> Läufer sind gut gelaunt. Ich hänge mich an ein Paar an, deren T-Shirts
> für Weltenburger Bier wirbt. Das ist ein motivierender Anblick.
>
> Bei km 5 wird die erste Zwischenzeit genommen, es gibt die erste
> Getränkestation (ich nehme Wasser) und plötzlich steht hier Ulrich vom
> Forum und feuert mich an. Es geht mir gut, ich freue mich und bin
> guter Dinge.
>
> Bei km 6 geht es aus dem Prater hinaus. Hier ist eine kleine Steigung,
> die aber kaum zu spüren ist. Jetzt geht es hinein in die Stadt, die
> Schüttelstrasse entlang. Lautsprecher spielen Musik, die Leute
> klatschen und machen Krach. Eine Gruppe Trommler macht Stimmung. Es
> geht mir super. Bei km 9 biegen wir auf den Ring ab. Plötzlich von
> vorne Motorräder und das Führungsfahrzeug: die Führenden kommen mir
> entgegen, sie sind schon bei km 26. Die laufen wirklich ein anderes
> Rennen. ;-)
>
> Vor lauter Schauen wäre ich am Ring fast in die falsche Richtung
> weitergelaufen, aber ein netter Zuschauer schickt mich dann doch noch
> richtig weiter.
>
> Bei km 10 ist eine große Labestation. Es riecht fruchtig nach
> verschüttetem Iso. Überall liegen Plastikbecher und Bananen, ich laufe
> vorsichtig, denn auf den Bananen rutsche ich, auf dem Iso klebe ich.
> Am Ring herrscht wieder eine tolle Stimmung. Vor der Oper ist eine
> große Leinwand, auf der die Fernsehübertragung von den Führenden zu
> sehen ist. Plötzlich ist Margit wieder da. "Dein SMS geht nicht" -
> was, wieso, hab ich die falsche Nummer eingegeben? Was ist los?
>
> Kurz darauf vor der Sezession steht Stefan. "Die SMS funktionieren
> nicht" "Kannst Du Markus und die anderen anrufen und sagen, dass es
> mir gut geht?" "Brauchst Du was?" "Momentan nicht, danke" Und ich bin
> unterwegs Richtung Wienzeile.
>
> Hier wird es richtig heiß, die Sonne brennt herunter, wir laufen genau
> auf sie zu, und kein Schatten weit und breit. Bei km 13 steht meine
> Freundin Susanne und mein Patenkind Leonie (3,5 Jahre alt) und jubeln
> mir zu. Ich freue mich total! Da ja das SMS-Service ausgefallen ist,
> wussten sie nicht, wann ich komme, ob ich überhaupt noch komme, und
> sie haben durchgehalten. Das gibt mir Berge, und ich laufe nach einer
> kurzen Umarmung wieder wohlgelaunt weiter.
>
> Bei km 14 steht Stefan wieder, diesmal brauche was: bitte ein
> feuchtes, kühles Handtuch! Ich wische mir den Schweiß mit einem
> Kinderhandtuch (Motiv Esel I-ha von Winnie Puh) von der Stirn. Das tut
> gut! Am Wendepunkt sollte Schloss Schönbrunn sein, ich verpasse es
> aber irgendwie, weil ich nur Augen habe für ein paar Läufer, die von
> der Rettung versorgt werden. Nichts ernsthaftes, zum Glück.
>
> Gleich danach die nächste Labestation, diesmal gönne ich mir ein Iso.
> Jetzt geht es wieder stadteinwärts, und noch dazu im Schatten. Das ist
> fein, abwärts geht es auch noch, jetzt rollt es richtig. Wieder
> zujubelnde Menschen, ich laufe entspannt und fröhlich.
>
> Bei km 19 (Westbahnhof) steht wieder Stefan, noch mal das Handtuch
> fürs Gesicht und ein wenig Iso aus seiner Flasche. Es erinnert mich,
> dass bei km 20 noch Fredmann wartet, der mich filmen wird, und läuft
> bis dorthin mit. Dort steht Jean-Marie (Luxemburger) mit dem rosa
> Luftballon, läuft mit mir mit auf die Kamera zu, von oben filmt
> Fredmann und ich winke fröhlich in die Kamera. Km 20 durchlaufe ich
> nach 2:30, und noch geht es mir gut.
>
> Auf dem Ring ist die Hölle los! Hier ist dann auch der Zielbereich,
> die schnellsten Marathonis sind schon im Ziel, aber die schnellen
> kommen gerade, und die Halbmarathonis haben es hier auch schon
> geschafft. Die Menge tobt und klatscht und feuert an. Eine geniale
> Stimmung.
>
> Nach dem Parlament wird es dann einsam auf der Strecke. Ich bin ja
> vorhin schon eher in einem aufgelockerten Feld gelaufen, aber jetzt
> kommen die Läufer nur mehr alle 20 Meter. Ich hab den mehrspurigen
> Ring ganz für mich allein, das fühlt sich gut an.
>
> Bei der km 22 (Universität) steht meine Schwester Cornelia, mein
> Schwager Stefan und meine neunjährige Nichte Paula. Stefan feuert mich
> noch mal an, und Conny und Paula laufen mit mir weiter. Wir biegen
> dann in die Liechtensteinstraße ein, laufen am Palais Liechtenstein
> vorbei, machen schön Sightseeing. Conny und Paula unterhalten mich und
> bauen mich auf. Es stehen nur vereinzelt Zuschauer, aber sie feuern
> uns alle an. Paula bekommt Sonderapplaus.
>
> Bei km 24 brauche ich dringend eine Toilette, aber weit und breit ist
> keine. Da muss eben ein Busch im Park daran glauben. Was Hunde dürfen,
> kann einem Menschen doch nicht verboten sein. ;-)
>
> Bei km 25 ist die nächste Labestation. Ich gönne mir Iso und Wasser
> (halb getrunken, halb über den Kopf) Plötzlich kommt ein Motorrad mit
> Kamera, ein riesiges Mikrophon wird mir unter die Nase gehalten. "Was
> ist Ihre Taktik für den Rest des Rennens?" "Durchhalten". Ich sehe
> meine Chance: "Ich möchte noch was sagen: Ich bin heute genau 42,195
> Jahre alt und deshalb muss ich 42,195 km laufen". "Ihr Name?" "Müller
> Elisabeth". Conny grinst breit, das Motorrad fährt weiter.
>
> Bei km 26 steht mein ehemaliger Chef Walter an der Stecke, mit
> Laufschuhen an den Füssen. Es begleitet mich einen Kilometer weit bis
> zur nächsten Brücke, fragt mich, wie es mir geht, muntert mich auf,
> sagt mir, dass ich gut aussehe.
>
> Bei km 27 kommen Susanne und Michael vorbei, die ihren Halbmarathon in
> phantastischen Zeiten absolviert haben. Sie feuern mich auch noch an.
>
> Bei km 28 steht mein lieber Mann und wartet sorgenvoll auf mich.
>
> So vergeht die lange Strecke Obere Donaustraße - Untere Donaustraße -
> Schüttelstraße, vor der ich soviel Angst gehabt hatte, wie im Flug und
> sehr abwechslungsreich, und plötzlich muss ich schon wieder in den
> Prater einbiegen.
>
> Hier es es dann das erste Mal richtig ruhig.
>
> Hier kommen wir bei "Kilometer 1000" vorbei, der tausendste
> VCM-Kilometer (wenn man alle 24 Jahre zusammenrechnet) Ein
> Verpflegungsstand lockt, bietet aber nur schwere Kost und nichts zu
> trinken an, also traben wir weiter.
>
> Bei km 30 bin ich noch unter vier Stunden unterwegs. Das gibt mir Mut.
> Hier steigt Margit ein, mit Stefan dem Bären dabei. Zu dritt geht es
> im Prater weiter. Eine Schleife beim Stadion, jetzt kann ich auch
> sehen, wer hinter mir ist: lauter müde und angeschlagen aussehende
> Gestalten, und der Schlusswagen, etwa ein Kilometer hinter mir. Und
> hier kommt es mir plötzlich: der Schlusswagen fährt ja mit der
> Schlusszeit von 5 Stunden 30 mit, aber mit der Brutto-Zeit, ich laufe
> ja netto und bin viel später gestartet. Doof, doof, doof. Matthias
> taucht mit Kamera und einem Fahrrad auf.
>
> Auf der Hauptallee wird gute Musik gespielt, die Stimmung macht. Wir
> singen den Refrain mit. Its raining men - "Halleluja!" und feuern die
> Entegenkommenden an. Crocodile Rock, Sex Bomb ....
>
> Dann die Wende ums Lusthaus. 33 Kilometer sind geschafft. Jetzt muss
> ich nur mehr eine einstellige Zahl schaffen, jetzt wird es absehbar.
> Plötzlich hört die Musik auf. Margit und Conny geben ihr Bestes, aber
> außer dem Refrain von "Keep on Running" fällt ihnen auch nichts mehr
> ein. Bei km 35 wieder eine Labestation. Ich brauche, Iso, Cola
> (endlich Cola! - bei jeder Labestation stand ein Cola-Lastwagen, und
> nie gab es Cola) und Wasser, ich schütte alles in mich hinein und
> brauche dann noch eine Gehpause, bis sich der Magen wieder beruhigt.
> Und dann ist plötzlich der Schlusswagen hinter mir und setzt zum
> Überholen an. Margit spricht mit dem Fahrer, erzählt ihm von meinem
> Marathongeburtstag und bittet ihn, mich möglichst nicht zu überholen.
> Ich finde wieder Kräfte und fange zu traben an.
>
> Bei km 36 geht es wieder aus dem Prater hinaus, da bin ich heute doch
> schon mal gelaufen. Aber wo kommt plötzlich der Berg her? Margit und
> Conny nehmen mich links und rechts und ziehen mich hinauf. Oben steht
> Markus, und ich hole mir ein Doping-Bussi ab. Im Nachhinein erzählt er
> mir, dass ich für km 30-35 so lange gebraucht hatte, dass er schon
> Angst gehabt hatte, dass ich zusammengebrochen war. Bei jeden
> Rettungswagen hatte er geglaubt, dass ich drin läge.
>
> Meine Zehen sind vom Schweiß inzwischen so schrumpelig, dass ich auf
> der rechten Ringzehe eine Blase bekomme. Die zwickt ein bisserl,
> beeinträchtigt mich aber nicht weiter, daher ignoriere ich sie. Das
> geht bei der netten Begleitung auch recht gut.
>
> Es geht wieder auf die Schüttelstrasse, die ich heute das dritte Mal
> durchlaufe. Die Trommler geben ihr bestes, ich kriege eine Welle, als
> ich vorbeilaufe. Ein paar Meter hinter mir das Schlussfahrzeug. Aber
> ich bin nicht allein.
>
> Bei km 40 komme ich wieder auf den Ring. Plötzlich sind Michael,
> Winfried (barfuss und mir Gwandsackerl), Horst und Ute neben mir.
> Jetzt begleiten mich sieben Leute auf den Ring, Markus steht auch noch
> mal da, und ein weiters Bussi beflügelt mich. Der Ring ist toll.
> Winfried läuft verkehrt, mir Sackerl und Kamera, und barfuß immer noch
> schneller als ich.
>
> Nach der Kurve am Schwarzenbergplatz (km41) geht es etwas berauf. Aber
> "Lieschen Müller wachsen Flügel" - auf dem letzen Kilometer krieg ich
> plötzlich ungeahnte Kräfte und laufe immer schneller, überhole noch
> ein paar Leute und lasse den Schlusswagen weit hinter mir. Ich habe
> fast das Gefühl dass das der schnellste Kilometer des ganzen Rennens
> war. Auf alle Fälle war es aber der schönste!
>
> Die Zuschauer klatschen und jubeln, sieben liebe Leute um mich herum,
> ich biege ein, laufe durchs Heldentor, mache einen lauten Schrei, mir
> kommen fast die Tränen. Ich laufe auch nicht mehr auf dem Boden, ich
> schwebe über den Heldenplatz die letzten 200 Meter ins Ziel. Mir
> kommen fast die Tränen vor lauter Glück. Ein Ordner klatscht mich ab,
> ich laufe über die rote Matte - "pieps - pieps" das schönste Geräusch
> der Welt. Ich reiße die Arme hoch - Ich bin ein Marathoni!
>
> Dann wird mir schwindlig, aber da sind schon alle, halten mich, damit
> ich nicht umfalle. Ich gehe langsam weiter, hole mir meine Medaille,
> mein Versorungssackerl (Wasser, Banane, Müsliriegel, Seife, Apfel,
> Taschentücher) und gehe langsam weiter. Da wartet mein lieber Mann,
> meine Knie zittern. Ich werde zu einem hübschen Stück Rasen geführt,
> auf dem ich mich mal hinschmeiße und die Beine ausstrecke.
>
> Da kommen dann auch noch Conny, Paula und Stefan, Fredmann filmt mich
> noch mal, ich weiß nicht mehr, wie ich meine Beine platzieren soll, in
> egal welcher Stellung, sie wollen immer wieder verkrampfen. Vom Boden
> geht es kühl weg, und mein Unterkörper fängt auch zu verkrampfen an.
> Jetzt wird mir kalt, ich zieh mir noch ein T-Shirt drüber, noch eines,
> aber mir wird nicht wärmer. Eine Toilette wäre jetzt auch recht fein.
> Meine Beine wissen auch nicht mehr, wie sie sich noch drehen sollen,
> und so langsam schreit die Badewanne und das Bett nach mir. Markus
> hilft mir auf, und auf ihn gestützt, wanke ich langsam Richtung U-Bahn
> und heimwärts, wo ich dann in der warmen Wanne entspanne und dann
> wegschlafe. Der Körper ist müde, aber die Seele jubelt. J
>
> Abends: Ich bin im Fernsehen! Zwar nicht im offiziellen VCM-Bericht,
> aber in der Lokalsendung "Wien heute" hier unter:
> http://your.orf.at/bheute/player.php?id=wie&day 07-04-29&offset=00:08:03
>
> Am Tag danach: ich bin nicht aufgescheuert, der Muskelkater hält sich
> in Grenzen (kann sogar die zwei Stockwerke hinuntergehen, komisch
> breitbeinig zwar, aber immerhin) und ich hab sogar ein kg weniger. :-)
>
> Das sind meine 5 km-Zwischenzeiten:
> 00:35:49 00:37:35 00:36:45 00:40:25 00:41:17 00:40:56
> 00:42:17 00:43:37 00:16:43
>
> Danke fürs Lesen!
>
> Elisabeth

Vienna City Marathon [Elisabeth]
Autor: Hartmut Streppel (2007-05-01 18:48:09)

Liebe Elisabeth,
herzlichen Glückwunsch zu Deiner Leistung. Läuferisch war das ja ein
Klacks, wenn ich den Bericht richtig interpretiere. Locker und fast
gleichmäßig durchgelaufen. Jetzt bist Du bereit für den Marathon du
Medoc:-) Da ist die Zielzeit 6:30h. Und das Doping auf der Strecke ist
besser:-)

Und das mit Weltenburg erledigen wir in drei Wochen in Regensburg.

Bis dann - erhol Dich gut
Hartmut

Elisabeth Mueller schrieb:

> Danke fürs Lesen!
>
> Elisabeth

Vienna City Marathon [Elisabeth]
Autor: Katrin Wicker (2007-05-01 21:13:32)

Elisabeth Mueller wrote:

>Name des Laufes: 24. Vienn City Marathon

Ah, da isser ja, der Bericht :-)

>Datum: 29.4.2007 (Sun)
>Ort: Wien
>Postleitzahl: A
>Homepage (Veranstalter): http://www.vienna-marathon.com
>Ihr Name: Elisabeth Müller
>Ihre eMail-Adresse: maelmill@eunet.at
>Streckenlaengen: 42,195
>Beschaffenheit: Asphalt
>Profil: Eben.
>Wetter: heiß

Wie warm war es denn nun?

>Teilnehmer: insgesamt etwa 26000, beim Marathon 7800
>
>Vorgeschichte:
[kenn ich ;-) ]

>VWKGJ:
>Am Mittwoch vor dem WK erfuhren wir, dass dieser Kollege überraschend
>gestorben war. Das brachte mich emotional ziemlich durcheinander.

:-(

>In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hatte ich einen Krampf in der
>rechten Wade, und es blieb ein Knubbel zurück, der den ganzen Freitag
>lang schmerzte. Am Samstag spürte ich die Stelle immer noch.

Das reicht jetzt aber als VWKGJ.

>Freitag abends war Party bei Margit, mit Anita, Klaus, Susanne,
>Michael, Winfried und mir. Margit hatte ursprünglich vorgehabt, uns
>mit einer einzigen Breze abzuspeisen,

Hat sie denn noch nix von Carboloading gehoert?

>kochte dann aber doch Spaghetti.
>;-)

Die Gute!

>Anita brachte etwas ganz besonderes mit: Grazer Künstler hatten eine
>Wand mit rosa Notizzettel beklebt, auf denen verschiedene Sprüche
>standen. Jeder Passant sollte blind einen Spruch für sich
>herunterzupfen. Sie hatte "Lieschen Müller wachsen Flügel" gezogen und
>mir mitgebracht - genial!

:-) ... Noch ein Omen!

>Samstag gingen wir (Anita, Klaus, Margit und ich) auf die
>Marathonmesse, schnupperten das Flair des großen Laufes, verweigerten
>den Kauf des VCM-T-Shirts um 30 Euro und entdeckten zum Glück einen
>Stand mit einem Masseur, der sich hingebungsvoll meiner rechten Wade
>widmete und mich damit körperlich wie auch seelisch beruhigte.

Uff, den Masseur hat der Laufgott geschickt.

>Dann ging es in den Festsaal des Rathauses, wo es die traditionelle
>Kaiserschmarrnparty gab.

Mjam!

>Sonntag früh um 7 Uhr läutete der Wecker. Wohlgelaunt, aber nervös
>stand ich auf, um mir ein Frühstück zu gönnen.

Ja, das muss sein.

>Ich ziehe mein weißes Bonn-Finisher-T-Shirt an, schmiere Vaseline
>zwischen die Beine und unter die Arme, Sonnecreme auf alle exponierten
>Stellen, nehme ein breites weißes Stirnband und fühle mich bereit.
>
>Zwanzig Minuten vor dem Start breche ich auf. Der Start ist nur 2,5
>Kilometer entfernt, ich trabe langsam hin.

Das verbluefft mich immer noch. Auf so eine Idee wuerde ich nie im
Leben kommen.

>Markus fährt mit dem Rad
>zum Start, um mich zu fotografieren.

Und? Wo gibts die Fotos zu sehen?

>Ich bin noch 500 Meter vom Start entfernt, als die Starthupe ertönt.

Keine Panik, bis der Start hinten ist, dauert es.

>Ich sehe aber die Menschenmassen vor mir und bleibe ruhig.

Gut so :-)

>Tatsächlich
>laufe ich noch auf stehende Starter auf, und bis ich dann über die
>Startlinie komme, dauert es fast eine Viertelstunde. Der Marathonwurm
>wälzt sich über die Reichsbrücke, ein erhebender Anblick. Plötzlich
>steht Margit neben mir, hat Stefan den Bären in der Hand (der mein
>persönlicher Fanclub ist)

Ich hab das Foto mit den Baeren-Fanclubs gesehen :-)

>Kurz darauf sehe ich Fredmann und ein paar Leute vom run42195-Forum,
>die den Start filmen. Ich fühle mich großartig!

Das hoert man gern.

>Über die Reichsbrücke geht es in die Lassallestrasse. Hier stehen
>viele Menschen und feuern uns an. Die Stimmung ist großartig. Margit
>begleitet mich bis zum Praterstern (km2) dann fährt sie mit der U-Bahn
>weiter. Hier biege ich allein in den Prater ab. Die Hauptallee ist im
>Schatten, den brauche ich jetzt schon.

Mit dem bedeckten Himmel ist es wohl doch nichts geworden? Schade.

> Die Kastanien blühen. Die
>Läufer sind gut gelaunt. Ich hänge mich an ein Paar an, deren T-Shirts
>für Weltenburger Bier wirbt. Das ist ein motivierender Anblick.

Bist Du da nicht noch durstiger geworden?

>Bei km 5 wird die erste Zwischenzeit genommen, es gibt die erste
>Getränkestation (ich nehme Wasser) und plötzlich steht hier Ulrich vom
>Forum und feuert mich an. Es geht mir gut, ich freue mich und bin
>guter Dinge.

So muss es sein auf den ersten Marathon-Kilometern.

>Bei km 6 geht es aus dem Prater hinaus. Hier ist eine kleine Steigung,
>die aber kaum zu spüren ist. Jetzt geht es hinein in die Stadt, die
>Schüttelstrasse entlang. Lautsprecher spielen Musik, die Leute
>klatschen und machen Krach. Eine Gruppe Trommler macht Stimmung. Es
>geht mir super. Bei km 9 biegen wir auf den Ring ab. Plötzlich von
>vorne Motorräder und das Führungsfahrzeug: die Führenden kommen mir
>entgegen, sie sind schon bei km 26. Die laufen wirklich ein anderes
>Rennen. ;-)
>
>Vor lauter Schauen wäre ich am Ring fast in die falsche Richtung
>weitergelaufen,

Nein!!

>aber ein netter Zuschauer schickt mich dann doch noch
>richtig weiter.

Uff.

>Bei km 10 ist eine große Labestation. Es riecht fruchtig nach
>verschüttetem Iso. Überall liegen Plastikbecher und Bananen, ich laufe
>vorsichtig, denn auf den Bananen rutsche ich, auf dem Iso klebe ich.

Gleicht sich ja wieder aus ;-)

>Am Ring herrscht wieder eine tolle Stimmung. Vor der Oper ist eine
>große Leinwand, auf der die Fernsehübertragung von den Führenden zu
>sehen ist. Plötzlich ist Margit wieder da. "Dein SMS geht nicht" -
>was, wieso, hab ich die falsche Nummer eingegeben? Was ist los?

Die hatten leider irgendwelche technischen Probleme ... ich bin hier
wie auf Nadeln gesessen ;-)

>Kurz darauf vor der Sezession steht Stefan. "Die SMS funktionieren
>nicht" "Kannst Du Markus und die anderen anrufen und sagen, dass es
>mir gut geht?" "Brauchst Du was?" "Momentan nicht, danke" Und ich bin
>unterwegs Richtung Wienzeile.
>
>Hier wird es richtig heiß, die Sonne brennt herunter, wir laufen genau
>auf sie zu, und kein Schatten weit und breit.

Oeffz - sowas schlaucht ganz schoen. Ich wollte keinen Marathon bei
Hitze laufen, nein danke.

> Bei km 13 steht meine
>Freundin Susanne und mein Patenkind Leonie (3,5 Jahre alt) und jubeln
>mir zu. Ich freue mich total! Da ja das SMS-Service ausgefallen ist,
>wussten sie nicht, wann ich komme, ob ich überhaupt noch komme, und
>sie haben durchgehalten. Das gibt mir Berge, und ich laufe nach einer
>kurzen Umarmung wieder wohlgelaunt weiter.

Bis jetzt lese ich immer nur "gut gehen", "keine Probleme", "gute
Laune" :-)

>Bei km 14 steht Stefan wieder, diesmal brauche was: bitte ein
>feuchtes, kühles Handtuch! Ich wische mir den Schweiß mit einem
>Kinderhandtuch (Motiv Esel I-ha von Winnie Puh) von der Stirn. Das tut
>gut! Am Wendepunkt sollte Schloss Schönbrunn sein, ich verpasse es
>aber irgendwie, weil ich nur Augen habe für ein paar Läufer, die von
>der Rettung versorgt werden. Nichts ernsthaftes, zum Glück.

Zum Glueck, ja. Anscheinend sind die Wiener zaeher als die Rotterdamer
und es sind bei euch nicht so viele kollabiert, dass man den Marathon
abbrechen musste.

>Gleich danach die nächste Labestation, diesmal gönne ich mir ein Iso.
>Jetzt geht es wieder stadteinwärts, und noch dazu im Schatten. Das ist
>fein, abwärts geht es auch noch, jetzt rollt es richtig. Wieder
>zujubelnde Menschen, ich laufe entspannt und fröhlich.

Und immer noch gut drauf :-)

>Bei km 19 (Westbahnhof) steht wieder Stefan, noch mal das Handtuch
>fürs Gesicht und ein wenig Iso aus seiner Flasche. Es erinnert mich,
>dass bei km 20 noch Fredmann wartet, der mich filmen wird, und läuft
>bis dorthin mit. Dort steht Jean-Marie (Luxemburger) mit dem rosa
>Luftballon, läuft mit mir mit auf die Kamera zu, von oben filmt
>Fredmann und ich winke fröhlich in die Kamera. Km 20 durchlaufe ich
>nach 2:30, und noch geht es mir gut.
>
>Auf dem Ring ist die Hölle los! Hier ist dann auch der Zielbereich,
>die schnellsten Marathonis sind schon im Ziel, aber die schnellen
>kommen gerade, und die Halbmarathonis haben es hier auch schon
>geschafft. Die Menge tobt und klatscht und feuert an. Eine geniale
>Stimmung.
>
>Nach dem Parlament wird es dann einsam auf der Strecke. Ich bin ja
>vorhin schon eher in einem aufgelockerten Feld gelaufen, aber jetzt
>kommen die Läufer nur mehr alle 20 Meter. Ich hab den mehrspurigen
>Ring ganz für mich allein, das fühlt sich gut an.

Hat auch was fuer sich, wenn man hinten recht einsam unterwegs ist ;-)

>Bei der km 22 (Universität) steht meine Schwester Cornelia, mein
>Schwager Stefan und meine neunjährige Nichte Paula. Stefan feuert mich
>noch mal an, und Conny und Paula laufen mit mir weiter.

Dein Support war ja wirklich erstklassig.

> Wir biegen
>dann in die Liechtensteinstraße ein, laufen am Palais Liechtenstein
>vorbei, machen schön Sightseeing. Conny und Paula unterhalten mich und
>bauen mich auf.

Bisher hatte ich eigentlich nicht den Eindruck, dass Du das Aufbauen
noetig hattest.

> Es stehen nur vereinzelt Zuschauer, aber sie feuern
>uns alle an. Paula bekommt Sonderapplaus.
>
>Bei km 24 brauche ich dringend eine Toilette, aber weit und breit ist
>keine. Da muss eben ein Busch im Park daran glauben. Was Hunde dürfen,
>kann einem Menschen doch nicht verboten sein. ;-)

An so einem Tag schon gar nicht ;-)

>Bei km 25 ist die nächste Labestation. Ich gönne mir Iso und Wasser
>(halb getrunken, halb über den Kopf) Plötzlich kommt ein Motorrad mit
>Kamera, ein riesiges Mikrophon wird mir unter die Nase gehalten. "Was
>ist Ihre Taktik für den Rest des Rennens?"

Oh Schreck ;-)

> "Durchhalten". Ich sehe
>meine Chance: "Ich möchte noch was sagen: Ich bin heute genau 42,195
>Jahre alt und deshalb muss ich 42,195 km laufen". "Ihr Name?" "Müller
>Elisabeth". Conny grinst breit, das Motorrad fährt weiter.

Ich hab mir das Filmchen schon angeschaut :-)
An dieser Stelle warst Du jedenfalls noch total frisch, sonst haettest
Du keine Energie damit vergeudet, so mit der rechten Hand rumzuwedeln
;-)

>Bei km 26 steht mein ehemaliger Chef Walter an der Stecke, mit
>Laufschuhen an den Füssen. Es begleitet mich einen Kilometer weit bis
>zur nächsten Brücke, fragt mich, wie es mir geht, muntert mich auf,
>sagt mir, dass ich gut aussehe.

Womit er recht hatte.

>Bei km 27 kommen Susanne und Michael vorbei, die ihren Halbmarathon in
>phantastischen Zeiten absolviert haben. Sie feuern mich auch noch an.
>
>Bei km 28 steht mein lieber Mann und wartet sorgenvoll auf mich.
>
>So vergeht die lange Strecke Obere Donaustraße - Untere Donaustraße -
>Schüttelstraße, vor der ich soviel Angst gehabt hatte, wie im Flug und
>sehr abwechslungsreich, und plötzlich muss ich schon wieder in den
>Prater einbiegen.
>
>Hier es es dann das erste Mal richtig ruhig.

... Du naeherst Dich km 30, und immer noch keine Andeutung von
irgendwelchen Problemen.

>Hier kommen wir bei "Kilometer 1000" vorbei, der tausendste
>VCM-Kilometer (wenn man alle 24 Jahre zusammenrechnet) Ein
>Verpflegungsstand lockt, bietet aber nur schwere Kost

Ich hab schon bei Anita von einem verspeisten Brot an der Stelle
gelesen. Sowas wuerde ich auch nicht runterkriegen beim Laufen.

>und nichts zu trinken an,

Doof.

> also traben wir weiter.

Wer sind da jetzt "wir"? Ich komm bei Deinen vielen BegleiterInnen
nicht mehr ganz mit.

>Bei km 30 bin ich noch unter vier Stunden unterwegs. Das gibt mir Mut.

Da hab ich auch wieder Mut geschoepft, da kam naemlich die zweite SMS
mit "3:52:48" und einem Schnitt von 7:45 Min./km. Nach der ersten,
offenbar falschen SMS von km 25 mit "3:24:51" und einem Schnitt von
8:11 Min./km hatte ich doch etwas Sorge, dass Du vom Besenwagen
zwangs-eingesammelt wirst.

>Hier steigt Margit ein, mit Stefan dem Bären dabei. Zu dritt geht es
>im Prater weiter. Eine Schleife beim Stadion, jetzt kann ich auch
>sehen, wer hinter mir ist: lauter müde und angeschlagen aussehende
>Gestalten, und der Schlusswagen, etwa ein Kilometer hinter mir.

Das ist beruhigend.

> Und
>hier kommt es mir plötzlich: der Schlusswagen fährt ja mit der
>Schlusszeit von 5 Stunden 30 mit, aber mit der Brutto-Zeit, ich laufe
>ja netto und bin viel später gestartet. Doof, doof, doof. Matthias
>taucht mit Kamera und einem Fahrrad auf.
>
>Auf der Hauptallee wird gute Musik gespielt, die Stimmung macht. Wir
>singen den Refrain mit. Its raining men - "Halleluja!" und feuern die
>Entegenkommenden an.

Du hattest nach km 30 noch Luft und Kraft zum Singen und andere
anfeuern? *Baukloetze staun*

>Crocodile Rock, Sex Bomb ....
>
>Dann die Wende ums Lusthaus. 33 Kilometer sind geschafft. Jetzt muss
>ich nur mehr eine einstellige Zahl schaffen, jetzt wird es absehbar.

Ja, schon - komischerweise fand ich den Gedanken "nur noch 10km" bei
km 32 meistens gar nicht so furchtbar aufbauend.

>Plötzlich hört die Musik auf. Margit und Conny geben ihr Bestes, aber
>außer dem Refrain von "Keep on Running" fällt ihnen auch nichts mehr
>ein. Bei km 35 wieder eine Labestation. Ich brauche, Iso, Cola
>(endlich Cola! - bei jeder Labestation stand ein Cola-Lastwagen, und
>nie gab es Cola)

;-) ... angeblich soll man das eh erst bei km 35 trinken, weil sonst
zuviel Insulin auf einmal ins Blut ausgeschuettet wird.

>und Wasser, ich schütte alles in mich hinein und
>brauche dann noch eine Gehpause, bis sich der Magen wieder beruhigt.

Das ist jetzt die erste Gehpause, von der ich lese.

>Und dann ist plötzlich der Schlusswagen hinter mir und setzt zum
>Überholen an.

He, der soll sich hueten!

> Margit spricht mit dem Fahrer, erzählt ihm von meinem
>Marathongeburtstag und bittet ihn, mich möglichst nicht zu überholen.

Margit ist Gold wert.

>Ich finde wieder Kräfte und fange zu traben an.

:-)

>Bei km 36 geht es wieder aus dem Prater hinaus, da bin ich heute doch
>schon mal gelaufen. Aber wo kommt plötzlich der Berg her? Margit und
>Conny nehmen mich links und rechts und ziehen mich hinauf. Oben steht
>Markus, und ich hole mir ein Doping-Bussi ab. Im Nachhinein erzählt er
>mir, dass ich für km 30-35 so lange gebraucht hatte, dass er schon
>Angst gehabt hatte, dass ich zusammengebrochen war. Bei jeden
>Rettungswagen hatte er geglaubt, dass ich drin läge.

So ab Kilometer 30 faengt ja dann auch der Marathon an ;-) ... hattest
Du ihm das nicht gesagt?

>Meine Zehen sind vom Schweiß inzwischen so schrumpelig, dass ich auf
>der rechten Ringzehe eine Blase bekomme. Die zwickt ein bisserl,
>beeinträchtigt mich aber nicht weiter, daher ignoriere ich sie.

Gut so. Und wenn die Blase Dein einziges Problem war, dann ist es Dir
immer noch gut gegangen.

> Das
>geht bei der netten Begleitung auch recht gut.
>
>Es geht wieder auf die Schüttelstrasse, die ich heute das dritte Mal
>durchlaufe. Die Trommler geben ihr bestes, ich kriege eine Welle, als
>ich vorbeilaufe. Ein paar Meter hinter mir das Schlussfahrzeug.

Mich wuerde das furchtbar nervoes machen.

> Aber ich bin nicht allein.
>
>Bei km 40 komme ich wieder auf den Ring. Plötzlich sind Michael,
>Winfried (barfuss

Dem taten wohl die Fuesse noch nicht genug weh?!

> und mir Gwandsackerl), Horst und Ute neben mir.
>Jetzt begleiten mich sieben Leute auf den Ring,

Eine richtige Elisabeth-Prozession :-)

> Markus steht auch noch
>mal da, und ein weiters Bussi beflügelt mich. Der Ring ist toll.
>Winfried läuft verkehrt, mir Sackerl und Kamera, und barfuß

... und nachdem er schliesslich auch schon einen Marathon gelaufen
war!

> immer noch schneller als ich.

>Nach der Kurve am Schwarzenbergplatz (km41) geht es etwas berauf. Aber
>"Lieschen Müller wachsen Flügel" - auf dem letzen Kilometer krieg ich
>plötzlich ungeahnte Kräfte und laufe immer schneller, überhole noch
>ein paar Leute und lasse den Schlusswagen weit hinter mir.

Davon hat Winfried ja schon berichtet. Du bist einfach klasse!

> Ich habe
>fast das Gefühl dass das der schnellste Kilometer des ganzen Rennens
>war. Auf alle Fälle war es aber der schönste!

Ich habe jetzt Deinen Bericht ungefaehr zum dritten Mal gelesen, und
bisher eine einzige Gehpause nach einem Verpflegungsstand gefunden.
Und ueberhaupt nichts von "schwer", oder "muehsam" oder "tut weh"
oder "nie wieder" oder sonstwas in der Richtung. Ich glaube
allmaehlich, Du hast Dich dabei gar nicht richtig angestrengt ;-)
... jedenfalls war das eine wirklich gelungene Premiere :-)

>Die Zuschauer klatschen und jubeln, sieben liebe Leute um mich herum,
>ich biege ein, laufe durchs Heldentor, mache einen lauten Schrei, mir
>kommen fast die Tränen. Ich laufe auch nicht mehr auf dem Boden, ich
>schwebe über den Heldenplatz die letzten 200 Meter ins Ziel.

Lieschen Mueller wachsen ... :-))

> Mir
>kommen fast die Tränen vor lauter Glück. Ein Ordner klatscht mich ab,
>ich laufe über die rote Matte - "pieps - pieps" das schönste Geräusch
>der Welt. Ich reiße die Arme hoch - Ich bin ein Marathoni!

Jaaa!! :-)))

>Dann wird mir schwindlig, aber da sind schon alle, halten mich, damit
>ich nicht umfalle. Ich gehe langsam weiter, hole mir meine Medaille,
>mein Versorungssackerl (Wasser, Banane, Müsliriegel, Seife, Apfel,
>Taschentücher) und gehe langsam weiter. Da wartet mein lieber Mann,
>meine Knie zittern. Ich werde zu einem hübschen Stück Rasen geführt,
>auf dem ich mich mal hinschmeiße und die Beine ausstrecke.

Das ist gefaehrlich nach einem Marathon ;-) ... aber Du hattest ja
genug Leute zum Wieder-Hochziehen bei Dir.

>Da kommen dann auch noch Conny, Paula und Stefan, Fredmann filmt mich
>noch mal, ich weiß nicht mehr, wie ich meine Beine platzieren soll, in
>egal welcher Stellung, sie wollen immer wieder verkrampfen.

Oh-oh - zum Glueck erst jetzt.

> Vom Boden
>geht es kühl weg, und mein Unterkörper fängt auch zu verkrampfen an.
>Jetzt wird mir kalt, ich zieh mir noch ein T-Shirt drüber, noch eines,
>aber mir wird nicht wärmer.

... Du hast Dich doch ein bisschen angestrengt.

> Eine Toilette wäre jetzt auch recht fein.
>Meine Beine wissen auch nicht mehr, wie sie sich noch drehen sollen,
>und so langsam schreit die Badewanne und das Bett nach mir. Markus
>hilft mir auf, und auf ihn gestützt, wanke ich langsam Richtung U-Bahn
>und heimwärts, wo ich dann in der warmen Wanne entspanne und dann
>wegschlafe.

So eine warme Badewanne nach einem Marathon ist was Feines :-)

> Der Körper ist müde, aber die Seele jubelt. J

Trotz allem ein schoenes Gefuehl :-))

>Abends: Ich bin im Fernsehen! Zwar nicht im offiziellen VCM-Bericht,
>aber in der Lokalsendung "Wien heute" hier unter:
>http://your.orf.at/bheute/player.php?id=wie&day 07-04-29&offset=00:08:03

Das war wirklich Dein Tag, Dein 42,195-ter Geburtstag.

>Am Tag danach: ich bin nicht aufgescheuert, der Muskelkater hält sich
>in Grenzen (kann sogar die zwei Stockwerke hinuntergehen, komisch
>breitbeinig zwar, aber immerhin)

Sehr schoen. Nicht das breitbeinig, sondern der Rest.

>und ich hab sogar ein kg weniger. :-)

Na ja, freu Dich nicht zu frueh. Diese Kilos kommen meistens ziemlich
schnell wieder.

>Das sind meine 5 km-Zwischenzeiten:
>00:35:49 00:37:35 00:36:45 00:40:25 00:41:17 00:40:56
>00:42:17 00:43:37 00:16:43

Ein bisschen langsamer bist Du kontinuierlich geworden, aber von einem
richtigen Einbruch ist nix zu sehen. Ich hab gerade noch die zwei
Haelften nachgeschaut, erster HM 2:38:24, zweiter 2:57:03, das ist ein
Unterschied von 18:39. Fuer Winfried oder Matthias waere sowas
natuerlich eine Katastrophe, aber bei einer Gesamtzeit von
fuenfeinhalb Stunden ist es prozentual ja viel weniger, und fuer eine
Premiere sowieso klasse. Ein Einbruch sieht definitiv anders aus.

Du hast Deine Sache klasse gemacht, nochmal ganz herzlichen
Glueckwunsch! Schwebe ruhig noch ein bisschen weiter :-)

Viele Gruesse,
Katrin

Vienna City Marathon [Elisabeth]
Autor: spamhalde@fastmail.fm (Robert W. Kuhn) (2007-05-01 21:13:12)

Elisabeth Mueller wrote:

> http://your.orf.at/bheute/player.php?id=wie&day 07-04-29&offset=00:08:03

"So sehn Sieger aus, Heilaheilahei."

Btw., was war das für eine Sprache ;-)

Tschau - Robert
--
vertrau
voraus voraus

Vienna City Marathon [Elisabeth]
Autor: "Thomas R@ck" (2007-05-01 21:31:29)

Elisabeth Mueller schrieb:


> Ich reiße die Arme hoch - Ich bin ein Marathoni!

kurz und knackig, mein Glückwunsch.

>Danke fürs Lesen!

danke fürs schreiben.



Gruß Thomas

--
Zuerst hatten wir kein Glück,
und dann kam auch noch Pech dazu.
http://www.drsl.de/?lidA50

Vienna City Marathon [Elisabeth]
Autor: Alex Dummer (2007-05-02 07:59:09)

Elisabeth Mueller wrote:
> Name des Laufes: 24. Vienn City Marathon

Glückwunsch Elisabeth,

zum Marathon und dem dazugehörigen Geburtstag.
Hast aber auch einen tollen Support auf der Strecke gehabt.

> http://your.orf.at/bheute/player.php?id=wie&day 07-04-29&offset=00:08:03

Ja, so kennen wir Dich ;-).

> Danke fürs Lesen!

Keine Ursache, war unterhaltsam.

Gruß Alex

Vienna City Marathon [Elisabeth]
Autor: Matthias Rosenkranz (2007-05-02 17:51:02)

Elisabeth Mueller schrieb:

Hallo Elisabeth,

herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Marathon-Finish. War ja
anscheinend gar nicht so schwer ;-)

> Zwanzig Minuten vor dem Start breche ich auf. Der Start ist nur 2,5
> Kilometer entfernt, ich trabe langsam hin. Markus fährt mit dem Rad
> zum Start, um mich zu fotografieren.
>
> Ich bin noch 500 Meter vom Start entfernt, als die Starthupe ertönt.

Also dafür, dass das dein erster Marathon war, hast du ja echt die Ruhe
weg gehabt.

Gruß Matt"Schöner Bericht vom anderen Ende des Feldes"hias