[Bericht] Bottroper Herbstwaldlauf (50k) (Ingo Redeker)
Autor: Ingo Redeker (2006-11-07 11:02:20)
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[x] Ich habe den Bericht auf DRSL.de archiviert.
[x] Disclaimer: dieser Bericht ist ausschließlich für die
Usenetgruppen
de.rec.sport.laufen.* bestimmt und darf darüber hinaus unter drsl.de
und damit verwandten Seiten gespeichert werden. Einer (auch auszugs-
weisen) Veröffentlichung außerhalb des Usenets stimme ich nicht
zu.
Ausgenommen hiervon ist das Usenetarchiv groups.google.de.
[ ] Ich widerspreche der Archivierung auf DRSL.de.
Name des Laufes: Bottroper Herbstwaldlauf
Datum: 5.11.2006 (Sun)
Ort: Bottrop
Postleitzahl: D4
Homepage (Veranstalter): http://www.adler-langlauf.de/
Ihr Name: Ingo Redeker
Ihre eMail-Adresse: ingo.usenet at web de
Streckenlaengen: 6,8 k, 10 k, 25 k, 50 k
Beschaffenheit: befestigte Waldwege, minimal Asphalt
Profil: flach
Wetter: wolkig, 9 Grad, trocken
Teilnehmer: ca. 1000 in allen Läufen
Bericht:
[Vorgeschichte mit umfangreichem und zurückreichenden VWKGJ]
2005 gab es bei uns ein kleines drsl-Treffen mit anschliessendem Lauf
über 10km und 25km. Am Vorabend sassen Tanja, Edgar, Christian und ich
noch bis in die frühe Nacht beisammen. Dabei entsprang (wimre)
Christian die Idee, das wir zu zweit nächstes Jahr die 50km laufen
könnten. Ich sagte zu, mit dem kleinen Hinweis "wenn ich mit meinem
Training gut durchs Jahr komme".
Enige Monate später war es bald soweit. Mein Training lief wie üblich
nur extremer. Mal sehr gut (für meine Verhältnisse), dann aber wieder
katastrophal bis garnicht. Ich musste im Frühjahr das Treffen und den
HM in Bonn wegen deftiger Erkältung absagen. Mein Training für den
Duisburg Marathon war nicht wie gewünscht durchzuziehen. Aber es gab
noch die Deutschlandstaffel, die viel Spass un Motivation bot.
Nach der DS konnt ich auch recht gut weiter trainieren, bis meine linke
Leiblingswade mich zwang den Kölner Brückenlauf abzusagen und einige
Wochen später eine Bronchitits meinte der Köln-Marathon sei auch im
Fernsehen schön :-(. Kurzum, kurz vor Bottrop eigentlich alle Flaggen
in mir auf "wie komme ich da raus ohne mein Gesicht zu verlieren".
Einiger Wochen vor dem Start erreichte mich auch eine Mail von
Christian, die mitteilte, das er kaum trainieren konnte und daher
"nur"
duie 25km locker laufen wollte (was für ihn locker heisst, sagt sein
Bericht :-). Während ich meine Antowrt formulierte, schaute ich mir
meine langen Läufe der letzten Zeit an und kam auf insgesamt knapp 5
längere Läufe, einer davon über 40km (gut einer davon auch nur
knapp
20km, aber das gleicht sich ja aus :-)). Also wäre ein Versuch
möglich?
JA, ich wollte es versuchen, ja ich wollte diesem persönlichen
Seuchenjahr doch noch einen Glanzpunkt verleihen. Ich wollte.....aber 2
Wochen vorher wurde meine Lieblingswade nicht locker und am rechten Fuss
kam ein Zipperlein hinzu. Immer wieder lockere Läufe und anschliessendes
Dehnen brachten keine Besserung, aber es waren doch nur noch knapp 2
Wochen und ein langer Lauf wären gut und....
[STOP INGO]
Alte drsl-Weisheiten besagen: Training lässt sich nicht nachholen!
Na gut, also den Kopf zum umdenken gezwungen. Pause tut gut und
Tapering muss sein.
Der 04.11. wird ein schöner Tag, es gibt wieder ein nettes
drsl-Treffen, diesmal ohne langwierige Teegeschichten (für die Insider
des Vorjahres). Elke, Claudia, Klaus, Andreas, Christian und ich
verbirngen einen schönen Abend miteinander, kochen lecker und freuen
uns auf den nächsten Tag. Ich bin locker und null aufgeregt, lediglich
die Bekleidungsfrage sthet bei mit offen. Schliesslich will ich diesmal
nicht wieder alle meine Laufklamotten auf einmal an- und wieder
ausziehen, auf der Strecke wohlgemerkt. Gegen halb ein gehen die
letzten ins Bett. Ich bin müde und kann sofort ... nicht einschlafen.
Plötzlich werde ich nervös, was hast du da morgen vor, wie soll das
klappen, etc. Egal irgendwie trotze ich mir 2,5h Schalf ab und freue
mich überhaupt nicht über den Wecker der um 6:50 schellt.
Wir frühstücken alle gemeinsam und dann gehts los. Ein Parklplatz in
unmittelbarer Nähe zum Startbereich wird uns zugewiesen und nach 2
Pinkelpausen und kurzem Smalltalk in der Halle gehe ich zum Start.
Dort sehe ich einige in meinen Augen erfahrene Ultra und stelle mich
erfürchtig ganz hinten an, einer fällt mir auf, der komplett mit
Singlet und Rennshorts einige Stiegerungen druchführt. Der läuft
bestimmt um die vorderen Plätze mit.
[Der Lauf]
Der Starschuss fällt und ich laufe los. Ich sortiere mich nirgends ein,
sondern möchte meinen Rhytmus finden. Bei km2 fällt mir ein
Pärchen auf,
das mit lockeren kleinen Schritten an mir vorbei läuft. Er trägt ein
Shirt vom Röntgenlauf. Kurze Zeit später überhole ich sie bei
einer
Pinkelpause, werde aber bei km3 wieder eingeholt und wir kommen kurz
ins quatschen. Ich berichte von meinem Erstlingswerk und das mir das
überhotl werden nichts ausmacht. Sie wünschen mir viel Glück und
er
sagt noch, das ich mir keine Sorgen machen müsste, ich würde schon
noch
andere aufsammeln. Ich danke, bin aber nicht sicher.
Die beiden "tippeln" wieder davon. Ich schaue mir ihren Laufschritt
an
und muss plötzlich an einen alten Bericht aus drsl denken. Da wurde
einer (Matthias oder Wienfried) nach seinem Lauf für seinen
ökonomischen Laufstil gelobt und sein damaliger Gedanke war in Richtung
(Scheisse, kein Kniehub mehr, etc). Das kann für heute nicht schlecht
sein denke ich mir. Mein Vorhaben für die ersten 25km ist es mit Lust
auf eine 2te Runde ins den Zielbereich zu kommen. Also achte ich
darauf, das mein Puls nicht zu hoch kommt. Bei 80% setze ich mir meine
eigenes Grenze. Die km laufe ich einsam vorm ich hin, immer eine
grössere Gruppe in Sich, die sich aber zunehmens entfernt. Der
anfängliche Wind lässt nach und ich entferne die Ärmel von
meiner Jacke
und laufe kurzärmlich weiter (danke an Claudia für den Tipp).
Trotzdem
schwitze ich ab km12 recht stark und möchte einerseits an den
Verpflegungstellen viel trinken, habe aber andererseits Sorge die erste
Runde zu spät zu beenden und dann aus dem Zeitbereich von 6 Stunden zu
fallen. Das war mein Ziel, nicht über 6 Stunden, denn wenn ich es
schaffe, soll mein Name auch in der Ergbnisliste stehen!
Also von jetzt an den Puls im Auge halten und an den
Verpflegungsstellen gut trinken, die Weste habe ich mittlerweils
komplett geöffnet, das der Wind nicht mehr geht und die
Windstopperfunktion zu stark schwitzen lässt.
Die Strecke ist wie immer schön. Viel Wald, durch das Wetter wenig
Radfahrer und die Verpflegungposten sind klasse. Jeder Läufer wird
angefeuert, bekommt ein Lächeln und erstmalig werde ich hier mit den
Worten "Bis gleich" verabschiedet! Bis gleich... Ich höre in
mich
hinein, meine Beine laufen/tippeln wie ein Uhrwerk, bisher ging jeder
km in ca. 6:30 durch, keinerlei zwicken. So gut ging es mir seit Wochen
nicht. Ich grinse, ich freue mich, ich freue mich auf gleich. So beende
ich fast die erste Runde. Kurz hinter km 22 erblicke ich das
leiblichste Wesen in ganz Bottrop - Cordi - sie hat eine Tasche mit
frischen Laufklamotten dabei und ich wechsele meine Windstopperweste
gegen eine dünnere ein. Klasse, ein grosser Schluck Wasser und es geht
weiter. Jetzt gehts es wieder auf den Start/Zielbereich zu und es
kommen mir viele 50km Mitstreiter entgegen, einige sehen jetzt schon
sehr verzerrt aus, andere lächeln fröhlich und wünschen alles
Gute "Bis
gleich". Ich will zu den letzteren gehören und laufe weiter.
Letztes Jahr war ich hier, kurz vor dem Ziel, so fertig das ich es mir
nie und nimmer hätte vorstellen können noch eine Runde zu laufen.
Aber
mir gehts klasse, ich lächle, freue mich und laufe fröhlich ins Ziel
ein. Drehe um und gehe auf die 2te Runde. Ein alter Bekannter erkennt
mich und ruft "Schneller Ingo", ich erwidere "Nein Maik, ich bin
doch
auf der Runde für die Gemütlichen" kurzer Gelächter und
weiter gehts.
Ich tippel locker weiter, nasche hin und wieder an meinem
Powerbar-Wassergemisch und beschliesse dem Mann mit dem Hammer
möglichst lange zu trotzen.
Es kommt km30 und ich rechne kurz aus, das ich für die verbleibenden
20km noch 160 Minuten habe, also auf 8er Schnitt zurückfallen könnte
und trotzdem im Zeitfenster einlaufe. Ein unglaublich gutes Gefühl. Die
im nachhinein entgültige Gewissheit, das es klappt kommt bei km33. Hier
ist mein Gedanke "Hey klasse, nur noch 17km".
Ich biege um eine Ecke und sehe einige 100m vor mir einen Läufer gehen
und sich die Muskeln massieren, er schaut sich hektisch um und läuft
wieder. Ich denke was ein Schwachsinn, hier hinten sollte eigentlich
jder für sich und niocht gegen einen anderen laufen, aber egal. Er
läuft weiter, unbewusst werde ich schneller (Schlumpfgene, der Mann
will jagen), drossel mich aber bald wieder, denn ich weiss er entkommt
mir nicht. 5 Minuten später habe ich ihn, frage ob alles o.k. ist und
lauf weiter. Jetzt kommt für mich ein Riesenmotivationschub, sehe ich
doch da vorne ein Singlet und Rennshorts. Das Steigerungstier vom
Start. Auch er blockt sich hektisch um und beschleunigt. ein paar
Minuten später habe ich auch ihn und er geht mir gut. Bis auf eine
kurzes Ziwcken im Oberschenkel hatte ich bisher keine Probleme, das
macht mir Angst. Bei km37 steht Cordi wieder und des gibt Küsschen und
Wasser.
Weiter in Richtung Heidhofsee kommt mir ein Verpfelgunsposten mit dem
Rad entgegen. Entsetzt antworte ich "Ich bin nicht der Letzte", sie
lacht und entgegnet sie hätte sich gelangweilt und wollte schonmal
Getränkewünsche entgegen nehmen. Wie nett! Wir quatschen ein bisschen
und am so genannten "Bierstand" bekomme ich die bestellte Cola und
das
Malzbier, bedanke mich brav und sage "Tschüss".
Dann irgenwo zwischen km38 und 39 passiert es, ein Krampfen über dem
rechten Knöcheln, der Muskel beginnt zu ziehen. Scheixxe, bitte, bitte
nicht. Ich achte auf das korrekte Abrollen, es wird nicht schlimmer,
gut aber nicht optimal. Ich überlege zu dehnen, aber wie soll ich
diesen Muskeln dehnen. Da fällt es mir ein, ich wechsel auf die rechte
Wegseite, die leicht abfällt. Nach wenigen Metern ist alles o.k. die
nächsten km laufen locker weg, an Steigungen gehe ich brav um den Puls
nicht zu hoch gehen zu lassen. Der Heidesee wird umrundet, meine
Stimmung steigt, gleich noch links abbiegen, dann rechts in den Wald,
dann kommt schon der Feuerwehrturm. Geradeaus weiter und es sind nur
noch 3km. Die Streckenposten feuern auch uns letzte Läufer an und
lachen. Es geht auf die letzte Verpflegungstation zu und ich weiss ich
schaffe es. Ich schluchze vor Glück, Tränen füllen meine Augen
und
rinnen die Wangen herab. Ein letztes Mal etwas trinken, ein letztes
"Danke und Tschüss". Ich überquere die Hauptstrasse, ein
braves
frierendes Mädchen steht dort bei den Polizisten. Ich gebe ihr einen
Kuss und sage bis gleich Schatz. Die letzte Biegung wird genommen,
gemeinsam mit einem älteren Läufer gehe ich die letzte Steigung hoch
und wir laufen gemeinsam weiter Richtung Ziel, ich schuae auf die Uhr
und habe für die letzten 2km jeweils knapp 12min Zeit.
Auf dem letzten Kilometer kommt mir nach unser KandyKid Christian
entgegen, der sich erst sorgte ich wäre eingebrochen. Er ist aber
scheinbar forh mich gut erhalten zu sehen, hätte aber für den Notfall
ein Motivationslied auf dem Player gehabt. Danke dafür. Gemeinsam
biegen wir in die Zielkurve, wir werden vom Stadionsprecher namentlich
begrüsst und es stehen die anderen drsl-er Spalier. WOW, klasse Bild.
Auch Claudia und Klaus sind noch da, vielen Dank für den Empfang. Ich
nehem freudig die Medaille entgegen und bin jetzt ein Ultra.
Jetzt 2 Tage danach geht es mir gut, die Oberschenkel streuen den
verdienten Schmerz aus, der Rest ist erstaunlich gut erhalten. Ich
werde mir jetzt eine verdiente Laufpause gönnen und habe mich mit 2006
versöhnt.
Hier noch die harten Fakten des Laufen:
Zeit 5:52:34 (2:46:32 & 3:06:02) Hfavg. 79%
Jetzt ist der Bericht auch ultralang geworden, ich bitte um Nachsicht,
nach der Druchsicht.
Ciao
In-grinst immer noch-go
# Vielen Dank fuer die Verwendung dieses Templates
# Ihr DRSL.de-Team
Autor: "Frank Berger" (2006-11-07 02:56:52)
Autor: "Frank Berger" (2006-11-07 02:56:52)
Ingo Redeker schrieb:
> Name des Laufes: Bottroper Herbstwaldlauf
> Datum: 5.11.2006 (Sun)
Klasse Bericht, vielen Dank! - Grins ruhig noch ein bi
Autor: Georg Kurek (2006-11-07 12:26:01)
Hi Ingo,
On Tue, 7 Nov 2006 11:02:20 +0100, Ingo Redeker
wrote:
>Ich
>nehem freudig die Medaille entgegen und bin jetzt ein Ultra.
herzlichen Glückwunsch! Ein sehr schöner Bericht und ganz
offensichtlich ein super Lauf!
Ciao
Georg
Autor: Ingo Redeker (2006-11-24 07:47:47)
Am Tue, 07 Nov 2006 12:26:01 +0100 schrieb Georg Kurek:
Hi Schorsch,
> herzlichen Glückwunsch! Ein sehr schöner Bericht und ganz
> offensichtlich ein super Lauf!
Ja, der Lauf und die Leute waren toll.
Ciao
In-und auch das Wetter, im Gegensatz zu dem jetzigen-go
Autor: Ingo Redeker (2006-11-24 07:49:14)
Am 7 Nov 2006 02:56:52 -0800 schrieb Frank Berger:
Hallo Frank,
> Klasse Bericht, vielen Dank! - Grins ruhig noch ein bißchen weiter,
Du
> hast es Dir verdient.
Gerne :-).
Jetzt freue ich mich auf meine Erinnerungstasse.
Ciao
In-schlürf-go
Autor: Ingo Redeker (2006-11-07 11:02:20)
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weisen) Veröffentlichung außerhalb des Usenets stimme ich nicht
zu.
Ausgenommen hiervon ist das Usenetarchiv groups.google.de.
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Name des Laufes: Bottroper Herbstwaldlauf
Datum: 5.11.2006 (Sun)
Ort: Bottrop
Postleitzahl: D4
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Ihr Name: Ingo Redeker
Ihre eMail-Adresse: ingo.usenet at web de
Streckenlaengen: 6,8 k, 10 k, 25 k, 50 k
Beschaffenheit: befestigte Waldwege, minimal Asphalt
Profil: flach
Wetter: wolkig, 9 Grad, trocken
Teilnehmer: ca. 1000 in allen Läufen
Bericht:
[Vorgeschichte mit umfangreichem und zurückreichenden VWKGJ]
2005 gab es bei uns ein kleines drsl-Treffen mit anschliessendem Lauf
über 10km und 25km. Am Vorabend sassen Tanja, Edgar, Christian und ich
noch bis in die frühe Nacht beisammen. Dabei entsprang (wimre)
Christian die Idee, das wir zu zweit nächstes Jahr die 50km laufen
könnten. Ich sagte zu, mit dem kleinen Hinweis "wenn ich mit meinem
Training gut durchs Jahr komme".
Enige Monate später war es bald soweit. Mein Training lief wie üblich
nur extremer. Mal sehr gut (für meine Verhältnisse), dann aber wieder
katastrophal bis garnicht. Ich musste im Frühjahr das Treffen und den
HM in Bonn wegen deftiger Erkältung absagen. Mein Training für den
Duisburg Marathon war nicht wie gewünscht durchzuziehen. Aber es gab
noch die Deutschlandstaffel, die viel Spass un Motivation bot.
Nach der DS konnt ich auch recht gut weiter trainieren, bis meine linke
Leiblingswade mich zwang den Kölner Brückenlauf abzusagen und einige
Wochen später eine Bronchitits meinte der Köln-Marathon sei auch im
Fernsehen schön :-(. Kurzum, kurz vor Bottrop eigentlich alle Flaggen
in mir auf "wie komme ich da raus ohne mein Gesicht zu verlieren".
Einiger Wochen vor dem Start erreichte mich auch eine Mail von
Christian, die mitteilte, das er kaum trainieren konnte und daher
"nur"
duie 25km locker laufen wollte (was für ihn locker heisst, sagt sein
Bericht :-). Während ich meine Antowrt formulierte, schaute ich mir
meine langen Läufe der letzten Zeit an und kam auf insgesamt knapp 5
längere Läufe, einer davon über 40km (gut einer davon auch nur
knapp
20km, aber das gleicht sich ja aus :-)). Also wäre ein Versuch
möglich?
JA, ich wollte es versuchen, ja ich wollte diesem persönlichen
Seuchenjahr doch noch einen Glanzpunkt verleihen. Ich wollte.....aber 2
Wochen vorher wurde meine Lieblingswade nicht locker und am rechten Fuss
kam ein Zipperlein hinzu. Immer wieder lockere Läufe und anschliessendes
Dehnen brachten keine Besserung, aber es waren doch nur noch knapp 2
Wochen und ein langer Lauf wären gut und....
[STOP INGO]
Alte drsl-Weisheiten besagen: Training lässt sich nicht nachholen!
Na gut, also den Kopf zum umdenken gezwungen. Pause tut gut und
Tapering muss sein.
Der 04.11. wird ein schöner Tag, es gibt wieder ein nettes
drsl-Treffen, diesmal ohne langwierige Teegeschichten (für die Insider
des Vorjahres). Elke, Claudia, Klaus, Andreas, Christian und ich
verbirngen einen schönen Abend miteinander, kochen lecker und freuen
uns auf den nächsten Tag. Ich bin locker und null aufgeregt, lediglich
die Bekleidungsfrage sthet bei mit offen. Schliesslich will ich diesmal
nicht wieder alle meine Laufklamotten auf einmal an- und wieder
ausziehen, auf der Strecke wohlgemerkt. Gegen halb ein gehen die
letzten ins Bett. Ich bin müde und kann sofort ... nicht einschlafen.
Plötzlich werde ich nervös, was hast du da morgen vor, wie soll das
klappen, etc. Egal irgendwie trotze ich mir 2,5h Schalf ab und freue
mich überhaupt nicht über den Wecker der um 6:50 schellt.
Wir frühstücken alle gemeinsam und dann gehts los. Ein Parklplatz in
unmittelbarer Nähe zum Startbereich wird uns zugewiesen und nach 2
Pinkelpausen und kurzem Smalltalk in der Halle gehe ich zum Start.
Dort sehe ich einige in meinen Augen erfahrene Ultra und stelle mich
erfürchtig ganz hinten an, einer fällt mir auf, der komplett mit
Singlet und Rennshorts einige Stiegerungen druchführt. Der läuft
bestimmt um die vorderen Plätze mit.
[Der Lauf]
Der Starschuss fällt und ich laufe los. Ich sortiere mich nirgends ein,
sondern möchte meinen Rhytmus finden. Bei km2 fällt mir ein
Pärchen auf,
das mit lockeren kleinen Schritten an mir vorbei läuft. Er trägt ein
Shirt vom Röntgenlauf. Kurze Zeit später überhole ich sie bei
einer
Pinkelpause, werde aber bei km3 wieder eingeholt und wir kommen kurz
ins quatschen. Ich berichte von meinem Erstlingswerk und das mir das
überhotl werden nichts ausmacht. Sie wünschen mir viel Glück und
er
sagt noch, das ich mir keine Sorgen machen müsste, ich würde schon
noch
andere aufsammeln. Ich danke, bin aber nicht sicher.
Die beiden "tippeln" wieder davon. Ich schaue mir ihren Laufschritt
an
und muss plötzlich an einen alten Bericht aus drsl denken. Da wurde
einer (Matthias oder Wienfried) nach seinem Lauf für seinen
ökonomischen Laufstil gelobt und sein damaliger Gedanke war in Richtung
(Scheisse, kein Kniehub mehr, etc). Das kann für heute nicht schlecht
sein denke ich mir. Mein Vorhaben für die ersten 25km ist es mit Lust
auf eine 2te Runde ins den Zielbereich zu kommen. Also achte ich
darauf, das mein Puls nicht zu hoch kommt. Bei 80% setze ich mir meine
eigenes Grenze. Die km laufe ich einsam vorm ich hin, immer eine
grössere Gruppe in Sich, die sich aber zunehmens entfernt. Der
anfängliche Wind lässt nach und ich entferne die Ärmel von
meiner Jacke
und laufe kurzärmlich weiter (danke an Claudia für den Tipp).
Trotzdem
schwitze ich ab km12 recht stark und möchte einerseits an den
Verpflegungstellen viel trinken, habe aber andererseits Sorge die erste
Runde zu spät zu beenden und dann aus dem Zeitbereich von 6 Stunden zu
fallen. Das war mein Ziel, nicht über 6 Stunden, denn wenn ich es
schaffe, soll mein Name auch in der Ergbnisliste stehen!
Also von jetzt an den Puls im Auge halten und an den
Verpflegungsstellen gut trinken, die Weste habe ich mittlerweils
komplett geöffnet, das der Wind nicht mehr geht und die
Windstopperfunktion zu stark schwitzen lässt.
Die Strecke ist wie immer schön. Viel Wald, durch das Wetter wenig
Radfahrer und die Verpflegungposten sind klasse. Jeder Läufer wird
angefeuert, bekommt ein Lächeln und erstmalig werde ich hier mit den
Worten "Bis gleich" verabschiedet! Bis gleich... Ich höre in
mich
hinein, meine Beine laufen/tippeln wie ein Uhrwerk, bisher ging jeder
km in ca. 6:30 durch, keinerlei zwicken. So gut ging es mir seit Wochen
nicht. Ich grinse, ich freue mich, ich freue mich auf gleich. So beende
ich fast die erste Runde. Kurz hinter km 22 erblicke ich das
leiblichste Wesen in ganz Bottrop - Cordi - sie hat eine Tasche mit
frischen Laufklamotten dabei und ich wechsele meine Windstopperweste
gegen eine dünnere ein. Klasse, ein grosser Schluck Wasser und es geht
weiter. Jetzt gehts es wieder auf den Start/Zielbereich zu und es
kommen mir viele 50km Mitstreiter entgegen, einige sehen jetzt schon
sehr verzerrt aus, andere lächeln fröhlich und wünschen alles
Gute "Bis
gleich". Ich will zu den letzteren gehören und laufe weiter.
Letztes Jahr war ich hier, kurz vor dem Ziel, so fertig das ich es mir
nie und nimmer hätte vorstellen können noch eine Runde zu laufen.
Aber
mir gehts klasse, ich lächle, freue mich und laufe fröhlich ins Ziel
ein. Drehe um und gehe auf die 2te Runde. Ein alter Bekannter erkennt
mich und ruft "Schneller Ingo", ich erwidere "Nein Maik, ich bin
doch
auf der Runde für die Gemütlichen" kurzer Gelächter und
weiter gehts.
Ich tippel locker weiter, nasche hin und wieder an meinem
Powerbar-Wassergemisch und beschliesse dem Mann mit dem Hammer
möglichst lange zu trotzen.
Es kommt km30 und ich rechne kurz aus, das ich für die verbleibenden
20km noch 160 Minuten habe, also auf 8er Schnitt zurückfallen könnte
und trotzdem im Zeitfenster einlaufe. Ein unglaublich gutes Gefühl. Die
im nachhinein entgültige Gewissheit, das es klappt kommt bei km33. Hier
ist mein Gedanke "Hey klasse, nur noch 17km".
Ich biege um eine Ecke und sehe einige 100m vor mir einen Läufer gehen
und sich die Muskeln massieren, er schaut sich hektisch um und läuft
wieder. Ich denke was ein Schwachsinn, hier hinten sollte eigentlich
jder für sich und niocht gegen einen anderen laufen, aber egal. Er
läuft weiter, unbewusst werde ich schneller (Schlumpfgene, der Mann
will jagen), drossel mich aber bald wieder, denn ich weiss er entkommt
mir nicht. 5 Minuten später habe ich ihn, frage ob alles o.k. ist und
lauf weiter. Jetzt kommt für mich ein Riesenmotivationschub, sehe ich
doch da vorne ein Singlet und Rennshorts. Das Steigerungstier vom
Start. Auch er blockt sich hektisch um und beschleunigt. ein paar
Minuten später habe ich auch ihn und er geht mir gut. Bis auf eine
kurzes Ziwcken im Oberschenkel hatte ich bisher keine Probleme, das
macht mir Angst. Bei km37 steht Cordi wieder und des gibt Küsschen und
Wasser.
Weiter in Richtung Heidhofsee kommt mir ein Verpfelgunsposten mit dem
Rad entgegen. Entsetzt antworte ich "Ich bin nicht der Letzte", sie
lacht und entgegnet sie hätte sich gelangweilt und wollte schonmal
Getränkewünsche entgegen nehmen. Wie nett! Wir quatschen ein bisschen
und am so genannten "Bierstand" bekomme ich die bestellte Cola und
das
Malzbier, bedanke mich brav und sage "Tschüss".
Dann irgenwo zwischen km38 und 39 passiert es, ein Krampfen über dem
rechten Knöcheln, der Muskel beginnt zu ziehen. Scheixxe, bitte, bitte
nicht. Ich achte auf das korrekte Abrollen, es wird nicht schlimmer,
gut aber nicht optimal. Ich überlege zu dehnen, aber wie soll ich
diesen Muskeln dehnen. Da fällt es mir ein, ich wechsel auf die rechte
Wegseite, die leicht abfällt. Nach wenigen Metern ist alles o.k. die
nächsten km laufen locker weg, an Steigungen gehe ich brav um den Puls
nicht zu hoch gehen zu lassen. Der Heidesee wird umrundet, meine
Stimmung steigt, gleich noch links abbiegen, dann rechts in den Wald,
dann kommt schon der Feuerwehrturm. Geradeaus weiter und es sind nur
noch 3km. Die Streckenposten feuern auch uns letzte Läufer an und
lachen. Es geht auf die letzte Verpflegungstation zu und ich weiss ich
schaffe es. Ich schluchze vor Glück, Tränen füllen meine Augen
und
rinnen die Wangen herab. Ein letztes Mal etwas trinken, ein letztes
"Danke und Tschüss". Ich überquere die Hauptstrasse, ein
braves
frierendes Mädchen steht dort bei den Polizisten. Ich gebe ihr einen
Kuss und sage bis gleich Schatz. Die letzte Biegung wird genommen,
gemeinsam mit einem älteren Läufer gehe ich die letzte Steigung hoch
und wir laufen gemeinsam weiter Richtung Ziel, ich schuae auf die Uhr
und habe für die letzten 2km jeweils knapp 12min Zeit.
Auf dem letzten Kilometer kommt mir nach unser KandyKid Christian
entgegen, der sich erst sorgte ich wäre eingebrochen. Er ist aber
scheinbar forh mich gut erhalten zu sehen, hätte aber für den Notfall
ein Motivationslied auf dem Player gehabt. Danke dafür. Gemeinsam
biegen wir in die Zielkurve, wir werden vom Stadionsprecher namentlich
begrüsst und es stehen die anderen drsl-er Spalier. WOW, klasse Bild.
Auch Claudia und Klaus sind noch da, vielen Dank für den Empfang. Ich
nehem freudig die Medaille entgegen und bin jetzt ein Ultra.
Jetzt 2 Tage danach geht es mir gut, die Oberschenkel streuen den
verdienten Schmerz aus, der Rest ist erstaunlich gut erhalten. Ich
werde mir jetzt eine verdiente Laufpause gönnen und habe mich mit 2006
versöhnt.
Hier noch die harten Fakten des Laufen:
Zeit 5:52:34 (2:46:32 & 3:06:02) Hfavg. 79%
Jetzt ist der Bericht auch ultralang geworden, ich bitte um Nachsicht,
nach der Druchsicht.
Ciao
In-grinst immer noch-go
# Vielen Dank fuer die Verwendung dieses Templates
# Ihr DRSL.de-Team
Autor: "Frank Berger" (2006-11-07 02:56:52)
Ingo Redeker schrieb:
> Name des Laufes: Bottroper Herbstwaldlauf
> Datum: 5.11.2006 (Sun)
Klasse Bericht, vielen Dank! - Grins ruhig noch ein bi
Autor: Georg Kurek (2006-11-07 12:26:01)
Hi Ingo,
On Tue, 7 Nov 2006 11:02:20 +0100, Ingo Redeker
wrote:
>Ich
>nehem freudig die Medaille entgegen und bin jetzt ein Ultra.
herzlichen Glückwunsch! Ein sehr schöner Bericht und ganz
offensichtlich ein super Lauf!
Ciao
Georg
