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[Bericht] Frankfurt-Marathon


[Bericht] Frankfurt-Marathon
Autor: Elisabeth Mueller (2006-11-07 22:19:07)

Katrin Wicker schrieb:

>Name des Laufes: Frankfurt Marathon 2006

Ta-daaaa!

>Das war fuer mich ein untypischer Marathon ... fast ein bisschen
>"verkehrte Welt" ...

Also gar nicht unlocker, oder wie?

>Mein Gefuehl in den letzten Tagen vor dem Marathon war daher ziemlich
>zwiespaeltig. Wenn ich ganz tief in mein Inneres gehorcht habe, war da
>immer noch eine Art "Urvertrauen", dass ich die 4h knacken kann. Auf
>der "Oberflaeche" dagegen war ich mir fast sicher, dass nix daraus
>wird. ... Toll, schizophren bin ich auch noch geworden.

Beste Voraussetzungen. Schick die schnellere Haelfte auf die Strecke.

>Marathonprojekt-TeilnehmerInnen. Dann Kleiderbeutel abgeben, zweimal
>Toilette aufsuchen (es gibt da welche ohne Schlange, aber ich verrate
>nicht, wo :-p), mit anderen Projektteilnehmern plaudern ...

Du hast da eine Geheimtoilette nur fuer Dich? Das erklaert auch die
gute Zeit.

>Da ich als Zielzeit auf dem Anmeldezettel 3:59:59 angegeben hatte, bin
>ich dem drittletzten Startblock zugeordnet - was fuer ein Aufstieg
>direkt aus dem letzten, den ich gewoehnt bin! Ich quetsche mich also
>ganz hinten in den Startblock "Maritim".

Lustiger Name fuer einen Startblock, besonders angesichts:

>steht fast wie in einer Sardinenbuechse.


> In meiner Naehe steht auch gleich der
>3:59h-Hase.
>Schoen. Ich werde versuchen, ihn erstmal nach Moeglichkeit jedenfalls
>nicht nach vorne aus den Augen zu verlieren.

Deine Hasenerfahrung war ja nicht so schlecht letztens.

>gefallen: Statt den erhofften 152 waren da schon Werte um 158,
>stellenweise sogar 160 zu lesen. Oh je, das ist dafuer eigentlich viel
>zu frueh! Der Gedanke, den Hasen laufen zu lassen und das Tempo etwas
>rauszunehmen schiesst mir durch den Kopf, hat aber keine Chance. Nein,
>ich werde mein Ziel nicht schon auf den ersten 5km aufgeben. Soll der
>bloede Puls doch machen, was er will! Ich werde einfach nicht mehr
>hinschauen, basta. Das Tempo fuehlt sich eigentlich auch noch so an,
>als ob ich es ueber die 42km durchhalten koennte - ich bin nicht am
>Keuchen oder so. Allerdings ist es auch nicht ganz so locker-flockig
>wie letztes Jahr auf den ersten 15-20km, sondern irgendwie leicht
>gehetzt, immer mit Blick auf den roten Luftballon. Auf dem leichten
>Bergab-Abschnitt ab km 5 nehme ich die Chance wahr, lasse es rollen
>und hole dadurch den Hasen ein.

So besonders gut ist der Anfang ja nicht, klingt ja recht verkrampft
fuer Deine Verhaeltnisse.

>Mein linkes Knie faengt schon recht frueh an zu meckern - ich bin da
>nach einem Skiunfall vor 25 Jahren mal operiert worden, aber seit
>meinem ersten Marathon vor drei Jahren hat es sich nicht mehr
>gemuckst.
>Immerhin ist das Meckern nur recht zaghaft.

Das Knie soll ruhig sein, das hat jetzt nix zu sagen.

>Aber ich fuehle mich immer noch ein klein bisschen gehetzt, und das
>beunruhigt mich. Eigentlich sollten sich die ersten 15-20km beim
>Marathon wie von alleine laufen. Wenn das nicht so ist, muss doch
>hinten der Einbruch kommen, oder?

Du hast eigentlich genau so begonnen, wie man immer liest, dass man es
nicht soll.

>jetzt laeuft doch alles prima, bei km 15 stoppe ich 1:23:53 und habe
>damit ca. anderthalb Minuten Vorsprung auf 3:59:59. "Jetzt sei endlich
>zufrieden und geniesse den Lauf!" befehle ich mir.

Und recht hast Du.

>Das Knie hat das Meckern inzwischen wieder eingestellt, und in
>Goldstein, dem Wohngebiet, bin ich immerhin so entspannt, dass ich die
>fantasievollen Anfeuerungen der Anwohner geniessen kann. Rasseln,
>Blecheimer, Trommeln, Stereoanlagen - alles muss herhalten.

Das klingt jetzt wieder schoen.

>Fuer km 28 stoppe ich 6:01 Min. - ups, der erste km ueber 6 Minuten.
>Aber letztes Jahr hatte ich auch einen sehr langsamen km in dieser
>Gegend, kein Grund zur Aufregung. Es geht jetzt nach Hoechst leicht
>bergauf, und im Vergleich zu den vorigen Streckenabschnitten ist hier
>die Hoelle los. Ein bisschen kommt es mir vor wie eine Henkersmahlzeit
>- die letzte gute Stimmung vor der gefuerchteten langen Mainzer
>Landstrasse zurueck in die Innenstadt.

Diese elend langen gerade Strassen, die koennen sich ziiiiiiehen.

>Ungefaehr bei km 31 hoere ich einen Zuschauer sagen: "Da kommen die
>4h-Laeufer". Aha, der 4h-Hase muss jetzt also ganz dicht hinter mir
>sein. Ich weiss, dass es jetzt schwer werden wird, aber ich bin wild
>entschlossen zu kaempfen. Wenigstens versuche ich, mir das selbst
>einzureden. Ich nehme ein klein bisschen Tempo raus, um den Hasen
>herankommen zu lassen und um dann genug Kraft zu haben, an ihm
>dranzubleiben. Der Hase holt mich ein, und ich hoere ihn sagen: "Ein
>bisschen Tempo rausnehmen jetzt". Oh, das hoere ich gern!

Klingt nach guter Einteilung.

>[km 35-42]
>An der Verpflegungsstelle bei km 35 macht der Hase eine Handbewegung,
>die sagt "langsam jetzt". Ich sehe dazu eigentlich keine Veranlassung,
>schnappe mir ein Wasser und eine Apfelschorle und laufe weiter.

Lass den langsamen Hasen doch einfach stehen. Du willst ja *sub* 4
laufen.

>3:45:17h bei km 40, immer noch mehr als zwei Minuten Vorsprung - das
>Ding ist sozusagen gegessen.

Mahlzeit. Sogar wenn Du auf allen vieren kriechen musst, die Sub 4
hast Du.

>Im Ziel stoppe ich 3:57:04, offiziell werden es 3:56:44 - keine
>Ahnung, wo mika diese 20 Sekunden noch gefunden hat.

Aber so schoen deutlich unter vier Stunden, daran gibt es nichts zu
ruetteln.

>[NWKGJ]
>Ich bin gluecklich und stolz - deutlich unter 4h gelaufen und damit
>alle meine Lauf-Lebensziele dieses Jahr erreicht. :-) Das war ein
>klasse Jahr mit einem tollen Abschluss!

Hurra! Hoch sollst Du leben!

>Heute, am Tag danach, habe ich etwas Muskelkater in den Beinen und
>Schultern, aber nichts Dramatisches. Treppen runtergehen ist
>problemlos vorwaerts und freihaendig moeglich :-)

Das ist irgendwie ... unverschaemt.

>Irgendwie war das ein seltsamer Marathon - die erste Haelfte war
>weniger locker-flockig als sonst, dafuer war die zweite Haelfte und
>insbesondere km 30-38 viel unproblematischer als ich das gewoehnt bin.
>Mit offiziell 1:57:46h auf der ersten und 1:58:58h auf der zweiten
>Haelfte bin ich auch so gleichmaessig gelaufen wie noch nie.

Freu Dich doch!

>So, Schluss jetzt - der Bericht ist mal wieder lang geworden, obwohl
>ich eigentlich dachte, dass ich gar nicht viel zu berichten habe.

Ach, so ein Bericht kann gar nicht lang genug sein.

>Herzlichen Dank an drsl fuers Daumendruecken, Mitfiebern und die
>moralische Unterstuetzung und die Ermutigungen im Vorfeld!

Aber gerne doch.

Nochmal mit Verspaetung ganz herzliche Glueckwuensche,
Elisabeth

[Bericht] Frankfurt-Marathon
Autor: Katrin Wicker (2006-11-08 20:20:03)

[Bericht] Frankfurt-Marathon
Autor: Katrin Wicker (2006-11-08 20:20:03)

Elisabeth Mueller wrote:
>Katrin Wicker schrieb:
>
>>Das war fuer mich ein untypischer Marathon ... fast ein bisschen
>>"verkehrte Welt" ...
>
>Also gar nicht unlocker, oder wie?

Nicht so wie erwartet, nein.

>>Marathonprojekt-TeilnehmerInnen. Dann Kleiderbeutel abgeben, zweimal
>>Toilette aufsuchen (es gibt da welche ohne Schlange, aber ich verrate
>>nicht, wo :-p), mit anderen Projektteilnehmern plaudern ...
>
>Du hast da eine Geheimtoilette nur fuer Dich? Das erklaert auch die
>gute Zeit.

;-)

>>Da ich als Zielzeit auf dem Anmeldezettel 3:59:59 angegeben hatte, bin
>>ich dem drittletzten Startblock zugeordnet - was fuer ein Aufstieg
>>direkt aus dem letzten, den ich gewoehnt bin! Ich quetsche mich also
>>ganz hinten in den Startblock "Maritim".
>
>Lustiger Name fuer einen Startblock,

Ist der Name des Hotels direkt an der Messe, und das Hotel ist einer
der Sponsoren. Die Startbloecke sind alle nach Sponsoren benannt.

>besonders angesichts:
>>steht fast wie in einer Sardinenbuechse.

LOL!

>>gefallen: Statt den erhofften 152 waren da schon Werte um 158,
>>stellenweise sogar 160 zu lesen. Oh je, das ist dafuer eigentlich viel
>>zu frueh! Der Gedanke, den Hasen laufen zu lassen und das Tempo etwas
>>rauszunehmen schiesst mir durch den Kopf, hat aber keine Chance. Nein,
>>ich werde mein Ziel nicht schon auf den ersten 5km aufgeben. Soll der
>>bloede Puls doch machen, was er will! Ich werde einfach nicht mehr
>>hinschauen, basta. Das Tempo fuehlt sich eigentlich auch noch so an,
>>als ob ich es ueber die 42km durchhalten koennte - ich bin nicht am
>>Keuchen oder so. Allerdings ist es auch nicht ganz so locker-flockig
>>wie letztes Jahr auf den ersten 15-20km, sondern irgendwie leicht
>>gehetzt, immer mit Blick auf den roten Luftballon. Auf dem leichten
>>Bergab-Abschnitt ab km 5 nehme ich die Chance wahr, lasse es rollen
>>und hole dadurch den Hasen ein.
>
>So besonders gut ist der Anfang ja nicht, klingt ja recht verkrampft
>fuer Deine Verhaeltnisse.

Ja, am Anfang war es unlockerer als sonst. Es rollte irgendwie nicht
"von alleine" in dem Tempo, das ich gern gehabt haette.

>>Aber ich fuehle mich immer noch ein klein bisschen gehetzt, und das
>>beunruhigt mich. Eigentlich sollten sich die ersten 15-20km beim
>>Marathon wie von alleine laufen. Wenn das nicht so ist, muss doch
>>hinten der Einbruch kommen, oder?
>
>Du hast eigentlich genau so begonnen, wie man immer liest, dass man es
>nicht soll.

Na ja, ich bin ja jetzt nicht den ersten Kilometer im 10km-Tempo
losgejagt. Das Tempo war ja schon noch irgendwie "kontrolliert", es
haette halt ein klein bisschen mehr "von alleine" gehen koennen.

>>Das Knie hat das Meckern inzwischen wieder eingestellt, und in
>>Goldstein, dem Wohngebiet, bin ich immerhin so entspannt, dass ich die
>>fantasievollen Anfeuerungen der Anwohner geniessen kann. Rasseln,
>>Blecheimer, Trommeln, Stereoanlagen - alles muss herhalten.
>
>Das klingt jetzt wieder schoen.

Ja, da war ich dann endlich einigermassen entspannt :-)

>>[km 35-42]
>>An der Verpflegungsstelle bei km 35 macht der Hase eine Handbewegung,
>>die sagt "langsam jetzt". Ich sehe dazu eigentlich keine Veranlassung,
>>schnappe mir ein Wasser und eine Apfelschorle und laufe weiter.
>
>Lass den langsamen Hasen doch einfach stehen. Du willst ja *sub* 4
>laufen.

Wollte er ja auch. Auf seinem Ballon stand "3:59".

>>3:45:17h bei km 40, immer noch mehr als zwei Minuten Vorsprung - das
>>Ding ist sozusagen gegessen.
>
>Mahlzeit. Sogar wenn Du auf allen vieren kriechen musst, die Sub 4
>hast Du.

Ja, da war es klar - vor allem da es keine Anzeichen dafuer gab, dass
ich demnaechst kriechen muesste.

>>Heute, am Tag danach, habe ich etwas Muskelkater in den Beinen und
>>Schultern, aber nichts Dramatisches. Treppen runtergehen ist
>>problemlos vorwaerts und freihaendig moeglich :-)
>
>Das ist irgendwie ... unverschaemt.

Na, das hast Du doch bei Deinem Ultra auch schon festgestellt, dass
das Stiegen-Runtergehen am Tag danach ueberhaupt kein Problem ist.

>>Irgendwie war das ein seltsamer Marathon - die erste Haelfte war
>>weniger locker-flockig als sonst, dafuer war die zweite Haelfte und
>>insbesondere km 30-38 viel unproblematischer als ich das gewoehnt bin.
>>Mit offiziell 1:57:46h auf der ersten und 1:58:58h auf der zweiten
>>Haelfte bin ich auch so gleichmaessig gelaufen wie noch nie.
>
>Freu Dich doch!

Tu ich ja :-)

>Nochmal mit Verspaetung ganz herzliche Glueckwuensche,

Nochmal vielen Dank :-)

Gruss,
Katrin

[Bericht] Frankfurt-Marathon
Autor: Torsten Metzner (2006-11-09 13:33:23)

Katrin Wicker wrote:

>154-157, spaeter zeitweise sogar auf 152. Im Nachhinein verstaendlich,
>denn der Abschnitt zwischen km 10 und 15 war mit 28:46 langsamer als
>die beiden vorherigen 5km-Abschnitte (27:30 und 27:19).

Hi Katrin,
die 27er Zeiten sind ja auch um einiges schneller als dein geplanter
Schnitt, da wir aber ja alle wußten dass du es besser kannst :-) und du
mit deiner oberen Beschränkung von 85% immer sehr konservativ auf Nummer
sicher läufst, alles voll im grünen Bereich, was man ja auch am fallenden
Puls bemerkt. Läuft doch super.

>Eigentlich sollten sich die ersten 15-20km beim
>Marathon wie von alleine laufen.

Stimmt aber besser so und die Pulswerte passen, was bei mir dann
eigentlich auch bedeutet ich komme durch, als anders rum. Also mit
lockeren Beinen sehr schnell laufen und dabei zu hohe Pulswerte haben.
Da könnte man dann eher einbrechen, auch wenn sich die Beine so schön
locker anfühlen.

>Das Knie hat das Meckern inzwischen wieder eingestellt,

Siehst du, laufen ist gesund.

>Und schwer werden muss es jetzt
>doch bald, das war bisher immer so. Ich warte also. Und warte. Na ja,
>so richtig leicht ist es natuerlich nicht mehr jetzt, ich spuere schon
>meine Beine. Aber es wird auch nicht schwerer. Kein Problem, mit dem
>Hasen mitzuhalten auf km 34 und 35, und diese beiden km waren letztes
>Jahr richtig schwer.

Du bist einfach gut vorbereitet und einen Tuck :-) zu langsamm
unterwegs. Sorry ist nicht böse gemeint. So wie dir ging es mir in Essen
nämlich auch, die Beine waren nicht mehr locker, liefen aber einfach
weiter und ich dachte an meinen ersten M in Berlin und wegen meiner
geringen M-Erfahrung daran, dass es irgendwann noch richtig hart werden
müsste.

>dass ich es schaffen werde, diese letzte Schleife war noch nie ein
>Problem.

Freu dich darüber, gerade hinten kurz vor dem Ziel, tut es doch immer
irgendwie weh. Bei mir im letzten M ab KM39, da haute mir einen mit dem
Hämmerchen immer leicht auf die schmerzende Oberschenkel- und
Wadenmuskulatur.

>bringen. Die letzten 2,195 Marathon-km werden mit einem Schnitt
>von 5:22 Min./km mal wieder so ziemlich meine schnellsten

Du Glückliche so "entspannt" möchte ich auch mal ins Ziel kommen, obwohl
vielleicht doch nicht, dann hätte ich ja etwas verschenkt :-)

>Einen Becher Tee genommen und irgendwo auf den Boden gesetzt. Andere
>Sitzmoeglichkeiten im Bereich der Zielverpflegung sind leider nicht
>vorhanden, aber auch egal. Vorsichtig den Tee getrunken - oh oh, mein
>Magen rebelliert mal wieder.

Ich nehme alles zurück, du hast dich verausgabt. Hier habe ich
Glück, solche Magenprobleme habe ich "nie" nach dem Laufen. Hats du die
Probleme imemr nur nach dem Marathon oder nach jedem schnellen Lauf?

>Mit offiziell 1:57:46h auf der ersten und 1:58:58h auf der zweiten
>Haelfte bin ich auch so gleichmaessig gelaufen wie noch nie.

Sehr schöne Renneinteilung, ein schöner Bericht und eine für dich tolle
Zeit und keine Angst uns fällt hier für dich schon etwas für 2007 ein.
Wie wäre es mit einer zaghaften 3:50h? Im Training dafür wirst du dann
ja sehen, was sich wirklich ergibt.

>Und der Puls? Ab km 31 lagen die Durchschnittswerte pro km teilweise
>bei 160 und mehr, aber es waren auch da noch einzelne km mit 158 oder
>159 dabei. Auf dem letzten km waren es 166. Insgesamt im Schnitt 157 =
>84% HFmax und damit "nur" zwei Schlaege hoeher als vor einem Jahr.

Siehst du solche Pulswerte gehen auch für dich total unproblematisch,
deine Grenze hast du hier bestimmt noch nicht erreicht.

Herzlichen Glückwunsch und danke für den Bericht,
ToM

[Bericht] Frankfurt-Marathon
Autor: Katrin Wicker (2006-11-09 20:50:44)

Torsten Metzner wrote:
>Katrin Wicker wrote:
>
>>154-157, spaeter zeitweise sogar auf 152. Im Nachhinein verstaendlich,
>>denn der Abschnitt zwischen km 10 und 15 war mit 28:46 langsamer als
>>die beiden vorherigen 5km-Abschnitte (27:30 und 27:19).
>
>die 27er Zeiten sind ja auch um einiges schneller als dein geplanter
>Schnitt,

Da vermutlich die 10km-Matte falsch lag, duerfte der Unterschied
zwischen den Abschnitten 10-15 und 15-20 wohl doch nicht ganz so gross
gewesen sein.

>da wir aber ja alle wußten dass du es besser kannst :-) und du
>mit deiner oberen Beschränkung von 85% immer sehr konservativ auf Nummer
>sicher läufst, alles voll im grünen Bereich, was man ja auch am fallenden
>Puls bemerkt. Läuft doch super.

>>Eigentlich sollten sich die ersten 15-20km beim
>>Marathon wie von alleine laufen.
>
>Stimmt aber besser so und die Pulswerte passen,

Genau das haben sie ja aber nicht getan am Anfang,

>was bei mir dann
>eigentlich auch bedeutet ich komme durch, als anders rum. Also mit
>lockeren Beinen sehr schnell laufen und dabei zu hohe Pulswerte haben.
>Da könnte man dann eher einbrechen, auch wenn sich die Beine so schön
>locker anfühlen.
>
>>Das Knie hat das Meckern inzwischen wieder eingestellt,
>
>Siehst du, laufen ist gesund.

Full Ack. Mein linkes Knie hat frueher (bevor ich mit laufen
angefangen habe) bei ungewohnten Belastungen (laengere Radtour oder
Wanderung) oefters heftig gemeckert, und (Brust)schwimmen konnte ich
sowieso nur 10 Minuten ohne Knie-Gemecker. Seit meinem ersten Marathon
ist da Ruhe - das Knie meldet sich jetzt fast ueberhaupt nicht mehr
:-)

>>Und schwer werden muss es jetzt
>>doch bald, das war bisher immer so. Ich warte also. Und warte. Na ja,
>>so richtig leicht ist es natuerlich nicht mehr jetzt, ich spuere schon
>>meine Beine. Aber es wird auch nicht schwerer. Kein Problem, mit dem
>>Hasen mitzuhalten auf km 34 und 35, und diese beiden km waren letztes
>>Jahr richtig schwer.
>
>Du bist einfach gut vorbereitet und einen Tuck :-) zu langsamm
>unterwegs. Sorry ist nicht böse gemeint.

Nee, sowas nehm ich doch nicht uebel. Und im Nachhinein betrachtet
bin ich ausnahmsweise fast geneigt, Dir recht zu geben - aber nachdem
es doch schon am Anfang irgendwie so leicht "gehetzt" war, konnte ich
ja nun nicht auch noch schneller laufen.

>So wie dir ging es mir in Essen
>nämlich auch, die Beine waren nicht mehr locker, liefen aber einfach
>weiter und ich dachte an meinen ersten M in Berlin und wegen meiner
>geringen M-Erfahrung daran, dass es irgendwann noch richtig hart werden
>müsste.
>
>>dass ich es schaffen werde, diese letzte Schleife war noch nie ein
>>Problem.
>
>Freu dich darüber, gerade hinten kurz vor dem Ziel, tut es doch immer
>irgendwie weh. Bei mir im letzten M ab KM39, da haute mir einen mit dem
>Hämmerchen immer leicht auf die schmerzende Oberschenkel- und
>Wadenmuskulatur.

Bei km 38 wusste ich bis jetzt irgendwie immer, dass es gut geht. Na
ja, tatsaechlich machte auf den letzten 3-4 Kilometern die linke Wade
leichte Anstalten sich zu verkrampfen, aber wirklich nur ansatzweise,
und mir war klar, dass ich die paar Kilometerchen noch durchbringe.

>>bringen. Die letzten 2,195 Marathon-km werden mit einem Schnitt
>>von 5:22 Min./km mal wieder so ziemlich meine schnellsten
>
>Du Glückliche so "entspannt" möchte ich auch mal ins Ziel kommen, obwohl
>vielleicht doch nicht, dann hätte ich ja etwas verschenkt :-)

Ach, das Geschenk habe ich gern gemacht :-)
Opfer an den Laufgott, der mir dieses Jahr ja wirklich sehr
wohlgesonnen war ;-)

>>Einen Becher Tee genommen und irgendwo auf den Boden gesetzt. Andere
>>Sitzmoeglichkeiten im Bereich der Zielverpflegung sind leider nicht
>>vorhanden, aber auch egal. Vorsichtig den Tee getrunken - oh oh, mein
>>Magen rebelliert mal wieder.
>
>Ich nehme alles zurück, du hast dich verausgabt. Hier habe ich
>Glück, solche Magenprobleme habe ich "nie" nach dem Laufen. Hats du die
>Probleme imemr nur nach dem Marathon oder nach jedem schnellen Lauf?

Ich hab mich auch schon mal nach einem HM uebergeben, aber erst zu
Hause. Das Gefuehl, dass sich der Magen rumdreht, habe ich fast immer
nach Wettkaempfen, auch bei HM und 10km. Ich hab aber gelernt, dass
ich das tatsaechliche Uebertreten der IKS in der Regel dadurch
vermeiden kann, dass ich nicht stehen bleibe, sondern gleich zuegig
weitergehe, bis der Puls runter ist. Dabei beruhigt sich dann meistens
der Magen gleich wieder, und es ist ok. Das mit dem zuegigen Gehen
liess sich halt nach dem Marathon nicht so richtig realisieren, denn
erstens musste ich ja die Medaille und Muetze/Handschuhe in Empfang
nehmen, und dann war es auch zu eng fuer zuegiges Gehen.

>>Mit offiziell 1:57:46h auf der ersten und 1:58:58h auf der zweiten
>>Haelfte bin ich auch so gleichmaessig gelaufen wie noch nie.
>
>Sehr schöne Renneinteilung, ein schöner Bericht und eine für dich tolle
>Zeit

Danke!

>und keine Angst uns fällt hier für dich schon etwas für 2007 ein.
>Wie wäre es mit einer zaghaften 3:50h? Im Training dafür wirst du dann
>ja sehen, was sich wirklich ergibt.

Ich werde mich nicht straeuben, sowas zu laufen, wenn es sich ergibt
;-)
Aber als Ziel setzen will ich es mir nicht - einfach mal abwarten, wie
es ueber den Winter so weitergeht. Und ob ich ueberhaupt nochmal
Marathon laufen will.

>>Und der Puls? Ab km 31 lagen die Durchschnittswerte pro km teilweise
>>bei 160 und mehr, aber es waren auch da noch einzelne km mit 158 oder
>>159 dabei. Auf dem letzten km waren es 166. Insgesamt im Schnitt 157 =
>>84% HFmax und damit "nur" zwei Schlaege hoeher als vor einem Jahr.
>
>Siehst du solche Pulswerte gehen auch für dich total unproblematisch,
>deine Grenze hast du hier bestimmt noch nicht erreicht.

Auch hier neige ich zu einem vorsichtigen "vielleicht hast Du recht"
;-)
Der Mensch, fuer den ich im Fruehsommer Versuchskaninchen war, hat bei
seinen Laktattests ja einen "Marathon-Puls" von 159 bzw. 162 fuer mich
ermittelt - was mir aber wirklich zu hoch vorkommt, vor allem die 162
vom zweiten Test (schliesslich ist mein HM-Puls 165). Nun ist es ja
aber so, dass das Gefuehl bei einem bestimmten Pulswert nicht immer
das gleiche ist - die 158-160 auf den ersten Marathonkilometern haben
sich z.B. nicht so anstrengend angefuehlt wie sonst. Und ausserdem
haengt es ja eigentlich von der gelaufenen Zeit ab und nicht von den
Kilometern, wie hoch man sich belasten kann. Jemand der z.B. 3h fuer
die Strecke braucht, kann natuerlich mit hoeherer "Intensitaet" laufen
als jemand, der 4h braucht.

>Herzlichen Glückwunsch

Dankeschoen :-)
Katrin

[Bericht] Frankfurt-Marathon
Autor: Katrin Wicker (2006-11-09 21:19:33)

Katrin Wicker wrote:
>Torsten Metzner wrote:
>>Katrin Wicker wrote:
>>
>>>154-157, spaeter zeitweise sogar auf 152. Im Nachhinein verstaendlich,
>>>denn der Abschnitt zwischen km 10 und 15 war mit 28:46 langsamer als
>>>die beiden vorherigen 5km-Abschnitte (27:30 und 27:19).
>>
>>die 27er Zeiten sind ja auch um einiges schneller als dein geplanter
>>Schnitt,
>
>Da vermutlich die 10km-Matte falsch lag, duerfte der Unterschied
>zwischen den Abschnitten 10-15 und 15-20 wohl doch nicht ganz so gross
>gewesen sein.

Gemeint hab ich natuerlich die Abschnitte 5-10 und 10-15.

[Bericht] Frankfurt-Marathon
Autor: Katrin Wicker (2006-10-30 18:54:43)

# Begin Template
[x] Ich habe den Bericht auf DRSL.de archiviert.
[x] Disclaimer: dieser Bericht ist ausschließlich für die
Usenetgruppen
de.rec.sport.laufen.* bestimmt und darf darüber hinaus unter
drsl.de
und damit verwandten Seiten gespeichert werden. Einer (auch
auszugs-
weisen) Veröffentlichung außerhalb des Usenets stimme ich nicht
zu.
Ausgenommen hiervon ist das Usenetarchiv groups.google.de.
[ ] Ich widerspreche der Archivierung auf DRSL.de.

Name des Laufes: Frankfurt Marathon 2006
Datum: 29.10.2006 (Sun)
Ort: Frankfurt / Main
Postleitzahl: D6
Homepage (Veranstalter): www.frankfurt-marathon.com
Ihr Name: Katrin Wicker
Ihre eMail-Adresse: katrin.wicker at gmx de
Streckenlaengen: MA
Beschaffenheit: Asphalt
Profil: fast ganz flach
Wetter: abwechselnd sonnig und bewölkt, etwas windig, 16-19 Grad
Teilnehmer: 11242 plus 3976 Staffellaeufer
Bericht:
Das war fuer mich ein untypischer Marathon ... fast ein bisschen
"verkehrte Welt" ...

[VWKGJ]
Gejammer kann ich reichlich bieten: Eine Erkaeltung am Wochenende vor
dem Marathon, die aber zum Glueck am Montag schon wieder voellig weg
war. Beim Laufen am Montag hat es aber ueberall gezwickt und gezwackt:
rechtes Knie aussen, linker Knoechel innen, linkes Knie innen, rechter
Knoechel ... nach dem Laufen dann noch das linke Schienbein. Dienstag,
Mittwoch und Donnerstag lag der Schwerpunkt auf der linken
Achillessehne, Donnerstag bis Samstag war die linke Wade hart. Am
Mittwoch nochmal fuer knapp 4km meinen "Marathonpuls fuer die erste
Haelfte" von ca. 152 ausprobiert: die ersten 2km kam ein Tempo von
5:33
Min./km raus, aber auf dem Rueckweg 5:42 Min./km. Fuer mein Traumziel,
eine Zeit unter 4h, braucht man aber ein Tempo von 5:41 Min./km, und
zwar 42,195km lang. Ich schaffe das nicht mal 4km, jedenfalls nicht
mit
dem angestrebten Puls, na klasse!

Mein Gefuehl in den letzten Tagen vor dem Marathon war daher ziemlich
zwiespaeltig. Wenn ich ganz tief in mein Inneres gehorcht habe, war da
immer noch eine Art "Urvertrauen", dass ich die 4h knacken kann. Auf
der "Oberflaeche" dagegen war ich mir fast sicher, dass nix daraus
wird. ... Toll, schizophren bin ich auch noch geworden.

[Wettkampftag]
Um halb acht Uhr morgens sagt der HR bewoelktes, regnerisches Wetter
voraus, und ich entschliesse mich zu "unten kurz, oben lang" ...
Aermel
aufkrempeln kann man ja immer noch. Tatsaechlich sollte dann teilweise
die Sonne knallen, teilweise bewoelkt sein - geregnet hat es
ueberhaupt
nicht.

Um zehn Uhr Treffen zum Gruppenfoto mit den anderen
Marathonprojekt-TeilnehmerInnen. Dann Kleiderbeutel abgeben, zweimal
Toilette aufsuchen (es gibt da welche ohne Schlange, aber ich verrate
nicht, wo :-p), mit anderen Projektteilnehmern plaudern ...
irgendwann
sagt jemand, dass man sich allmaehlich vielleicht in die Startbloecke
begeben sollte. Stimmt, es sind bloss noch 10 Minuten bis zum Start,
also los.

Da ich als Zielzeit auf dem Anmeldezettel 3:59:59 angegeben hatte, bin
ich dem drittletzten Startblock zugeordnet - was fuer ein Aufstieg
direkt aus dem letzten, den ich gewoehnt bin! Ich quetsche mich also
ganz hinten in den Startblock "Maritim". Hier ist es verdammt eng, man
steht fast wie in einer Sardinenbuechse. Im letzten Block ist da
bedeutend mehr Platz. In meiner Naehe steht auch gleich der
3:59h-Hase.
Schoen. Ich werde versuchen, ihn erstmal nach Moeglichkeit jedenfalls
nicht nach vorne aus den Augen zu verlieren.

Dann zaehlt eine aufgeregte Stimme Sekunden herunter, und irgendwo
weit
vorne steigen rote Luftballons gen Himmel - der Start ist erfolgt.
Hier
hinten tut sich erstmal gar nichts.

[Wettkampf]
[km 0-15]
Acht Minuten spaeter sind wir dann doch auch an der Startlinie
angekommen. Die Matten fiepen, alle starten ihre Uhr. Eine Tribuene
fuer Kameras versperrt mir den Weg, es dauert ein bisschen, bis ich
drum rum bin. Der Hase hatte mehr Glueck und ist schon 20 Meter
weiter.
Na, das macht nichts. Sein roter Luftballon ist weithin sichtbar, und
ich muss da jetzt nicht im Anfangsgedraengel hinter ihm herjagen.
Hauptsache, ich verliere ihn nicht aus den Augen. Fuer den ersten km
stoppe ich 5:50 Min. - voellig ok.

Die Kilometerschilder 2 und 3 habe ich nicht gesehen, ich war zu sehr
damit beschaeftigt, den Hasen im Blick zu behalten und den Abstand
moeglichst nicht groesser werden zu lassen. Auf die Pulsuhr habe ich
auch immer mal geschaut, und was ich da gesehen habe, hat mir gar
nicht
gefallen: Statt den erhofften 152 waren da schon Werte um 158,
stellenweise sogar 160 zu lesen. Oh je, das ist dafuer eigentlich viel
zu frueh! Der Gedanke, den Hasen laufen zu lassen und das Tempo etwas
rauszunehmen schiesst mir durch den Kopf, hat aber keine Chance. Nein,
ich werde mein Ziel nicht schon auf den ersten 5km aufgeben. Soll der
bloede Puls doch machen, was er will! Ich werde einfach nicht mehr
hinschauen, basta. Das Tempo fuehlt sich eigentlich auch noch so an,
als ob ich es ueber die 42km durchhalten koennte - ich bin nicht am
Keuchen oder so. Allerdings ist es auch nicht ganz so locker-flockig
wie letztes Jahr auf den ersten 15-20km, sondern irgendwie leicht
gehetzt, immer mit Blick auf den roten Luftballon. Auf dem leichten
Bergab-Abschnitt ab km 5 nehme ich die Chance wahr, lasse es rollen
und
hole dadurch den Hasen ein.

Mein linkes Knie faengt schon recht frueh an zu meckern - ich bin da
nach einem Skiunfall vor 25 Jahren mal operiert worden, aber seit
meinem ersten Marathon vor drei Jahren hat es sich nicht mehr
gemuckst.
Immerhin ist das Meckern nur recht zaghaft.

Die folgenden Kilometer verbringe ich relativ dicht hinter dem Hasen,
wo ein ziemliches Gedraengel herrscht. Der Puls "beruhigt" sich auf
nun
154-157, spaeter zeitweise sogar auf 152. Im Nachhinein verstaendlich,
denn der Abschnitt zwischen km 10 und 15 war mit 28:46 langsamer als
die beiden vorherigen 5km-Abschnitte (27:30 und 27:19).

Aber ich fuehle mich immer noch ein klein bisschen gehetzt, und das
beunruhigt mich. Eigentlich sollten sich die ersten 15-20km beim
Marathon wie von alleine laufen. Wenn das nicht so ist, muss doch
hinten der Einbruch kommen, oder? Gleichzeitig schimpfe ich mit mir:
Unser Marathonprojekt-Oberguru schaerft uns immer ein: "Keine
negativen
Gedanken zulassen! Nicht schon im Voraus irgendwas befuerchten, das
noch
gar nicht eingetreten ist." Und ich mache mir hier schon vor km 15
Gedanken ueber einen Einbruch jenseits von km 30 - was soll das? Bis
jetzt laeuft doch alles prima, bei km 15 stoppe ich 1:23:53 und habe
damit ca. anderthalb Minuten Vorsprung auf 3:59:59. "Jetzt sei endlich
zufrieden und geniesse den Lauf!" befehle ich mir.

[km 15-25]
Ein bisschen hat meine Ermahnung an mich selbst genutzt. Wohl so um km
15 hat es mich - eigentlich unbeabsichtigt - sogar an dem Hasen
vorbeigerollt. Kurz vor ihm ist es auch wesentlich angenehmer zu
laufen, weil nicht so voll. An der zweiten Staffel-Wechselzone feuert
mich einer aus dem Projekt an, der hier auf seinen Einsatz wartet. Er
ist letztes Jahr an den 4h gescheitert. "Mach es besser!" ruft er mir
zu ... ich werde es versuchen.

Das Knie hat das Meckern inzwischen wieder eingestellt, und in
Goldstein, dem Wohngebiet, bin ich immerhin so entspannt, dass ich die
fantasievollen Anfeuerungen der Anwohner geniessen kann. Rasseln,
Blecheimer, Trommeln, Stereoanlagen - alles muss herhalten.

An der Halbmarathonmarke habe ich etwa 2 Minuten Vorsprung auf mein
Zeitziel. Es ist also immer noch machbar, aber eine laengere Gehpause
und eine um 4 Minuten langsamere zweite Haelfte wie letztes Jahr darf
ich mir nicht erlauben. Ob ich das wohl schaffen werde? Ich bin immer
noch mehr als skeptisch, aber entschlossen zu kaempfen.

Irgendwie bin ich wohl so darauf fixiert, was ab km 30 passiert, dass
ich schon ab der HM-Marke auf die Schwanheimer Bruecke warte, auf der
es wieder auf die Nordseite des Mains geht. Die muss doch jetzt bald
kommen? Stimmt nicht, sagt der Streckenplan, zuerst geht es noch durch
Schwanheim, und die Bruecke faengt erst bei km 26 an. Also gut,
bringen
wir halt Schwanheim auch noch hinter uns. An der 25km-Marke bin ich
gerade mit Gel-Oeffnen beschaeftigt und damit ueberfordert,
gleichzeitig auch noch die Zwischenzeit abzulesen und mit der
Marschtabelle zu vergleichen. Aber der Hase hat mich noch nicht wieder
eingeholt, also liege ich bestimmt immer noch gut in der Zeit.

[km 25-30]
Auf der Schwanheimer Bruecke hole ich einen Bekannten ein und spreche
ihn an. "Immer an der gleichen Stelle", meint er - ich habe ihn wohl
letztes Jahr schon in der Gegend ueberholt, damals aber nicht gesehen.
Ein bisschen quatsche ich mit ihm, erzaehle, dass ich eigentlich unter
4h laufen wollte, aber nicht das Gefuehl habe, dass es klappt. "Ach,
das wird schon" meint er - nett von ihm. Dann gibt er mir zu
verstehen,
dass er das Reden jetzt lieber einstellen wuerde, und ich verabschiede
mich von ihm.

Fuer km 28 stoppe ich 6:01 Min. - ups, der erste km ueber 6 Minuten.
Aber letztes Jahr hatte ich auch einen sehr langsamen km in dieser
Gegend, kein Grund zur Aufregung. Es geht jetzt nach Hoechst leicht
bergauf, und im Vergleich zu den vorigen Streckenabschnitten ist hier
die Hoelle los. Ein bisschen kommt es mir vor wie eine Henkersmahlzeit
- die letzte gute Stimmung vor der gefuerchteten langen Mainzer
Landstrasse zurueck in die Innenstadt. Eine Freundin feuert mich hier
an - letztes Jahr wollte sie das auch tun, hatte sich aber bei der
Berechnung meiner Geschwindigkeit am Vorjahr orientiert und sass daher
noch bei McDonalds, als ich durch Hoechst lief ;-) ... Dieses Jahr hat
es geklappt :-)

2:48:52h bei km 30 - immer noch anderthalb bis zwei Minuten
"Vorsprung", aber der spannende Teil kommt jetzt erst.

[km 30-35]
Auf dem Weg aus Hoechst hinaus ist die Stelle, wo letztes Jahr zwei
Tage lang Szenen fuer den Marathon-Tatort nachgedreht wurden. Ueber
die
Niddabruecke vor der Kirche, von der im Film die Attentaeterin zielt,
sind wir damals unzaehlige Male gelaufen.

Ungefaehr bei km 31 hoere ich einen Zuschauer sagen: "Da kommen die
4h-Laeufer". Aha, der 4h-Hase muss jetzt also ganz dicht hinter mir
sein. Ich weiss, dass es jetzt schwer werden wird, aber ich bin wild
entschlossen zu kaempfen. Wenigstens versuche ich, mir das selbst
einzureden. Ich nehme ein klein bisschen Tempo raus, um den Hasen
herankommen zu lassen und um dann genug Kraft zu haben, an ihm
dranzubleiben. Der Hase holt mich ein, und ich hoere ihn sagen: "Ein
bisschen Tempo rausnehmen jetzt". Oh, das hoere ich gern!

Weiter geht es neben oder dicht hinter dem Hasen, und ich rede mir in
dieser Phase zu, nicht gleich aufzugeben und bitteschoen zu kaempfen,
wenn es jetzt demnaechst schwer wird. Und schwer werden muss es jetzt
doch bald, das war bisher immer so. Ich warte also. Und warte. Na ja,
so richtig leicht ist es natuerlich nicht mehr jetzt, ich spuere schon
meine Beine. Aber es wird auch nicht schwerer. Kein Problem, mit dem
Hasen mitzuhalten auf km 34 und 35, und diese beiden km waren letztes
Jahr richtig schwer. 3:16:43h bei km 35 und damit mehr als 2 Minuten
"Vorsprung".

[km 35-42]
An der Verpflegungsstelle bei km 35 macht der Hase eine Handbewegung,
die sagt "langsam jetzt". Ich sehe dazu eigentlich keine Veranlassung,
schnappe mir ein Wasser und eine Apfelschorle und laufe weiter.
Letztes
Jahr habe ich hier meine ausfuehrliche Gehpause gemacht, und da ich
jetzt eigentlich keine Pause brauche, will ich lieber gleich gar nicht
anfangen mit Gehen. Ich rechne damit, dass der Hase bald wieder
herankommt, aber das tut er nicht. Meine Kilometerzeiten schwanken nun
zwischen 5:57 und 5:27, und das Laufen wird immer noch nicht wirklich
schwer. Es sind ja eigentlich auch nur noch ein paar Kilometer jetzt.
7, dann 6 - was sind schon 6km? Es ist eigenartig, die ungeliebten
Kilometer auf der Mainzer Landstrasse gehen dieses Mal rum wie im
Flug,
die erwartete Krise kommt einfach nicht. Vielleicht habe ich sie durch
meine Kampfansagen im Vorfeld verschreckt.

Ohne Probleme, nur leicht verwundert erreiche ich bald schon km 38,
die
Stelle, wo man schon ganz dicht am Ziel ist und nur nochmal eine
kleine
Schleife durch die Innenstadt drehen muss. Jetzt ist mir ziemlich
klar,
dass ich es schaffen werde, diese letzte Schleife war noch nie ein
Problem. Zwar geht es Richtung Goetheplatz nochmal etwas bergauf,
gleichzeitig mit einem boeigen Gegenwind - stellenweise habe ich das
Gefuehl zu stehen. Das wird den Top-Laeufern wohl eine Bestzeit
verhagelt haben, denke ich. Aber mich wird es jetzt nicht mehr
aufhalten, ich habe genug Vorsprung.

3:45:17h bei km 40, immer noch mehr als zwei Minuten Vorsprung - das
Ding ist sozusagen gegessen. Leider muessen die letzten 2,195km
trotzdem auch noch gelaufen werden, und die will ich jetzt rasch
hinter
mich bringen. Die letzten 2,195 Marathon-km werden mit einem Schnitt
von
5:22 Min./km mal wieder so ziemlich meine schnellsten (bis auf zwei in
der Anfangsphase, aber den 5:11 bei km 10 trau ich eh nicht).

Im Ziel stoppe ich 3:57:04, offiziell werden es 3:56:44 - keine
Ahnung,
wo mika diese 20 Sekunden noch gefunden hat.

[NWKGJ]
Ich bin gluecklich und stolz - deutlich unter 4h gelaufen und damit
alle meine Lauf-Lebensziele dieses Jahr erreicht. :-) Das war ein
klasse Jahr mit einem tollen Abschluss!

Als Kroenung eines tollen Laufes ist "mein" Medaillen-Umhaenger auch
noch ein Bekannter, der mir gleich ganz lieb persoenlich gratuliert.
Die rote Rose verpasse ich dieses Mal, dafuer gibt es eine Muetze und
Handschuhe von der Bank, die neuer Sponsor ist und wegen der die
"blaue
Linie" dieses Jahr gruen war.

Einen Becher Tee genommen und irgendwo auf den Boden gesetzt. Andere
Sitzmoeglichkeiten im Bereich der Zielverpflegung sind leider nicht
vorhanden, aber auch egal. Vorsichtig den Tee getrunken - oh oh, mein
Magen rebelliert mal wieder. Ein Dixi aufgesucht und den Tee wieder
ausgespuckt. ... Der zweite Becher hat leider den gleichen Weg
genommen, und auch zu Hause nach einem heissen Bad (das vielleicht in
der Situation zu anstrengend fuer Herz und Kreislauf war) habe ich
nochmal Apfelschorle wieder ausgespuckt. Na ja, ich bin das inzwischen
ja gewoehnt und habe heute gelesen, dass Ulrich Steidl, der beste
Deutsche, sich im Ziel am Absperrgitter uebergeben musste. Ich bin
also
in bester Gesellschaft. Und meinem Magen ehrlich dankbar, dass er
immer
erst im Ziel und nie schon vorher seine rebellischen Momente hat.

Heute, am Tag danach, habe ich etwas Muskelkater in den Beinen und
Schultern, aber nichts Dramatisches. Treppen runtergehen ist
problemlos
vorwaerts und freihaendig moeglich :-)

Irgendwie war das ein seltsamer Marathon - die erste Haelfte war
weniger locker-flockig als sonst, dafuer war die zweite Haelfte und
insbesondere km 30-38 viel unproblematischer als ich das gewoehnt bin.
Mit offiziell 1:57:46h auf der ersten und 1:58:58h auf der zweiten
Haelfte bin ich auch so gleichmaessig gelaufen wie noch nie.

Und der Puls? Ab km 31 lagen die Durchschnittswerte pro km teilweise
bei 160 und mehr, aber es waren auch da noch einzelne km mit 158 oder
159 dabei. Auf dem letzten km waren es 166. Insgesamt im Schnitt 157 =
84% HFmax und damit "nur" zwei Schlaege hoeher als vor einem Jahr.

So, Schluss jetzt - der Bericht ist mal wieder lang geworden, obwohl
ich eigentlich dachte, dass ich gar nicht viel zu berichten habe.

Herzlichen Dank an drsl fuers Daumendruecken, Mitfiebern und die
moralische Unterstuetzung und die Ermutigungen im Vorfeld!

Vielen Dank fuers Lesen,
Katrin

# Vielen Dank fuer die Verwendung dieses Templates
# Ihr DRSL.de-Team

[Bericht] Frankfurt-Marathon
Autor: "Robert W. Kuhn" (2006-10-30 19:16:44)

Katrin Wicker:

> Katrin

Geiler Bericht, danke!

Tschau - Robert
--
vertrau
voraus voraus

[Bericht] Frankfurt-Marathon
Autor: Mahmut Kursun (2006-10-30 19:19:49)

Hallo,

Katrin Wicker schrieb:
> Heute, am Tag danach, habe ich etwas Muskelkater in den Beinen und
> Schultern, aber nichts Dramatisches. Treppen runtergehen ist
> problemlos
> vorwaerts und freihaendig moeglich :-)

super, Gratuliere auch zu der tollen Zeit.

Viele Grüsse