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[Bericht] Frankfurt-Marathon


[Bericht] Frankfurt-Marathon
Autor: Katrin Wicker (2006-10-30 18:54:43)

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[x] Ich habe den Bericht auf DRSL.de archiviert.
[x] Disclaimer: dieser Bericht ist ausschließlich für die
Usenetgruppen
de.rec.sport.laufen.* bestimmt und darf darüber hinaus unter
drsl.de
und damit verwandten Seiten gespeichert werden. Einer (auch
auszugs-
weisen) Veröffentlichung außerhalb des Usenets stimme ich nicht
zu.
Ausgenommen hiervon ist das Usenetarchiv groups.google.de.
[ ] Ich widerspreche der Archivierung auf DRSL.de.

Name des Laufes: Frankfurt Marathon 2006
Datum: 29.10.2006 (Sun)
Ort: Frankfurt / Main
Postleitzahl: D6
Homepage (Veranstalter): www.frankfurt-marathon.com
Ihr Name: Katrin Wicker
Ihre eMail-Adresse: katrin.wicker at gmx de
Streckenlaengen: MA
Beschaffenheit: Asphalt
Profil: fast ganz flach
Wetter: abwechselnd sonnig und bewölkt, etwas windig, 16-19 Grad
Teilnehmer: 11242 plus 3976 Staffellaeufer
Bericht:
Das war fuer mich ein untypischer Marathon ... fast ein bisschen
"verkehrte Welt" ...

[VWKGJ]
Gejammer kann ich reichlich bieten: Eine Erkaeltung am Wochenende vor
dem Marathon, die aber zum Glueck am Montag schon wieder voellig weg
war. Beim Laufen am Montag hat es aber ueberall gezwickt und gezwackt:
rechtes Knie aussen, linker Knoechel innen, linkes Knie innen, rechter
Knoechel ... nach dem Laufen dann noch das linke Schienbein. Dienstag,
Mittwoch und Donnerstag lag der Schwerpunkt auf der linken
Achillessehne, Donnerstag bis Samstag war die linke Wade hart. Am
Mittwoch nochmal fuer knapp 4km meinen "Marathonpuls fuer die erste
Haelfte" von ca. 152 ausprobiert: die ersten 2km kam ein Tempo von
5:33
Min./km raus, aber auf dem Rueckweg 5:42 Min./km. Fuer mein Traumziel,
eine Zeit unter 4h, braucht man aber ein Tempo von 5:41 Min./km, und
zwar 42,195km lang. Ich schaffe das nicht mal 4km, jedenfalls nicht
mit
dem angestrebten Puls, na klasse!

Mein Gefuehl in den letzten Tagen vor dem Marathon war daher ziemlich
zwiespaeltig. Wenn ich ganz tief in mein Inneres gehorcht habe, war da
immer noch eine Art "Urvertrauen", dass ich die 4h knacken kann. Auf
der "Oberflaeche" dagegen war ich mir fast sicher, dass nix daraus
wird. ... Toll, schizophren bin ich auch noch geworden.

[Wettkampftag]
Um halb acht Uhr morgens sagt der HR bewoelktes, regnerisches Wetter
voraus, und ich entschliesse mich zu "unten kurz, oben lang" ...
Aermel
aufkrempeln kann man ja immer noch. Tatsaechlich sollte dann teilweise
die Sonne knallen, teilweise bewoelkt sein - geregnet hat es
ueberhaupt
nicht.

Um zehn Uhr Treffen zum Gruppenfoto mit den anderen
Marathonprojekt-TeilnehmerInnen. Dann Kleiderbeutel abgeben, zweimal
Toilette aufsuchen (es gibt da welche ohne Schlange, aber ich verrate
nicht, wo :-p), mit anderen Projektteilnehmern plaudern ...
irgendwann
sagt jemand, dass man sich allmaehlich vielleicht in die Startbloecke
begeben sollte. Stimmt, es sind bloss noch 10 Minuten bis zum Start,
also los.

Da ich als Zielzeit auf dem Anmeldezettel 3:59:59 angegeben hatte, bin
ich dem drittletzten Startblock zugeordnet - was fuer ein Aufstieg
direkt aus dem letzten, den ich gewoehnt bin! Ich quetsche mich also
ganz hinten in den Startblock "Maritim". Hier ist es verdammt eng, man
steht fast wie in einer Sardinenbuechse. Im letzten Block ist da
bedeutend mehr Platz. In meiner Naehe steht auch gleich der
3:59h-Hase.
Schoen. Ich werde versuchen, ihn erstmal nach Moeglichkeit jedenfalls
nicht nach vorne aus den Augen zu verlieren.

Dann zaehlt eine aufgeregte Stimme Sekunden herunter, und irgendwo
weit
vorne steigen rote Luftballons gen Himmel - der Start ist erfolgt.
Hier
hinten tut sich erstmal gar nichts.

[Wettkampf]
[km 0-15]
Acht Minuten spaeter sind wir dann doch auch an der Startlinie
angekommen. Die Matten fiepen, alle starten ihre Uhr. Eine Tribuene
fuer Kameras versperrt mir den Weg, es dauert ein bisschen, bis ich
drum rum bin. Der Hase hatte mehr Glueck und ist schon 20 Meter
weiter.
Na, das macht nichts. Sein roter Luftballon ist weithin sichtbar, und
ich muss da jetzt nicht im Anfangsgedraengel hinter ihm herjagen.
Hauptsache, ich verliere ihn nicht aus den Augen. Fuer den ersten km
stoppe ich 5:50 Min. - voellig ok.

Die Kilometerschilder 2 und 3 habe ich nicht gesehen, ich war zu sehr
damit beschaeftigt, den Hasen im Blick zu behalten und den Abstand
moeglichst nicht groesser werden zu lassen. Auf die Pulsuhr habe ich
auch immer mal geschaut, und was ich da gesehen habe, hat mir gar
nicht
gefallen: Statt den erhofften 152 waren da schon Werte um 158,
stellenweise sogar 160 zu lesen. Oh je, das ist dafuer eigentlich viel
zu frueh! Der Gedanke, den Hasen laufen zu lassen und das Tempo etwas
rauszunehmen schiesst mir durch den Kopf, hat aber keine Chance. Nein,
ich werde mein Ziel nicht schon auf den ersten 5km aufgeben. Soll der
bloede Puls doch machen, was er will! Ich werde einfach nicht mehr
hinschauen, basta. Das Tempo fuehlt sich eigentlich auch noch so an,
als ob ich es ueber die 42km durchhalten koennte - ich bin nicht am
Keuchen oder so. Allerdings ist es auch nicht ganz so locker-flockig
wie letztes Jahr auf den ersten 15-20km, sondern irgendwie leicht
gehetzt, immer mit Blick auf den roten Luftballon. Auf dem leichten
Bergab-Abschnitt ab km 5 nehme ich die Chance wahr, lasse es rollen
und
hole dadurch den Hasen ein.

Mein linkes Knie faengt schon recht frueh an zu meckern - ich bin da
nach einem Skiunfall vor 25 Jahren mal operiert worden, aber seit
meinem ersten Marathon vor drei Jahren hat es sich nicht mehr
gemuckst.
Immerhin ist das Meckern nur recht zaghaft.

Die folgenden Kilometer verbringe ich relativ dicht hinter dem Hasen,
wo ein ziemliches Gedraengel herrscht. Der Puls "beruhigt" sich auf
nun
154-157, spaeter zeitweise sogar auf 152. Im Nachhinein verstaendlich,
denn der Abschnitt zwischen km 10 und 15 war mit 28:46 langsamer als
die beiden vorherigen 5km-Abschnitte (27:30 und 27:19).

Aber ich fuehle mich immer noch ein klein bisschen gehetzt, und das
beunruhigt mich. Eigentlich sollten sich die ersten 15-20km beim
Marathon wie von alleine laufen. Wenn das nicht so ist, muss doch
hinten der Einbruch kommen, oder? Gleichzeitig schimpfe ich mit mir:
Unser Marathonprojekt-Oberguru schaerft uns immer ein: "Keine
negativen
Gedanken zulassen! Nicht schon im Voraus irgendwas befuerchten, das
noch
gar nicht eingetreten ist." Und ich mache mir hier schon vor km 15
Gedanken ueber einen Einbruch jenseits von km 30 - was soll das? Bis
jetzt laeuft doch alles prima, bei km 15 stoppe ich 1:23:53 und habe
damit ca. anderthalb Minuten Vorsprung auf 3:59:59. "Jetzt sei endlich
zufrieden und geniesse den Lauf!" befehle ich mir.

[km 15-25]
Ein bisschen hat meine Ermahnung an mich selbst genutzt. Wohl so um km
15 hat es mich - eigentlich unbeabsichtigt - sogar an dem Hasen
vorbeigerollt. Kurz vor ihm ist es auch wesentlich angenehmer zu
laufen, weil nicht so voll. An der zweiten Staffel-Wechselzone feuert
mich einer aus dem Projekt an, der hier auf seinen Einsatz wartet. Er
ist letztes Jahr an den 4h gescheitert. "Mach es besser!" ruft er mir
zu ... ich werde es versuchen.

Das Knie hat das Meckern inzwischen wieder eingestellt, und in
Goldstein, dem Wohngebiet, bin ich immerhin so entspannt, dass ich die
fantasievollen Anfeuerungen der Anwohner geniessen kann. Rasseln,
Blecheimer, Trommeln, Stereoanlagen - alles muss herhalten.

An der Halbmarathonmarke habe ich etwa 2 Minuten Vorsprung auf mein
Zeitziel. Es ist also immer noch machbar, aber eine laengere Gehpause
und eine um 4 Minuten langsamere zweite Haelfte wie letztes Jahr darf
ich mir nicht erlauben. Ob ich das wohl schaffen werde? Ich bin immer
noch mehr als skeptisch, aber entschlossen zu kaempfen.

Irgendwie bin ich wohl so darauf fixiert, was ab km 30 passiert, dass
ich schon ab der HM-Marke auf die Schwanheimer Bruecke warte, auf der
es wieder auf die Nordseite des Mains geht. Die muss doch jetzt bald
kommen? Stimmt nicht, sagt der Streckenplan, zuerst geht es noch durch
Schwanheim, und die Bruecke faengt erst bei km 26 an. Also gut,
bringen
wir halt Schwanheim auch noch hinter uns. An der 25km-Marke bin ich
gerade mit Gel-Oeffnen beschaeftigt und damit ueberfordert,
gleichzeitig auch noch die Zwischenzeit abzulesen und mit der
Marschtabelle zu vergleichen. Aber der Hase hat mich noch nicht wieder
eingeholt, also liege ich bestimmt immer noch gut in der Zeit.

[km 25-30]
Auf der Schwanheimer Bruecke hole ich einen Bekannten ein und spreche
ihn an. "Immer an der gleichen Stelle", meint er - ich habe ihn wohl
letztes Jahr schon in der Gegend ueberholt, damals aber nicht gesehen.
Ein bisschen quatsche ich mit ihm, erzaehle, dass ich eigentlich unter
4h laufen wollte, aber nicht das Gefuehl habe, dass es klappt. "Ach,
das wird schon" meint er - nett von ihm. Dann gibt er mir zu
verstehen,
dass er das Reden jetzt lieber einstellen wuerde, und ich verabschiede
mich von ihm.

Fuer km 28 stoppe ich 6:01 Min. - ups, der erste km ueber 6 Minuten.
Aber letztes Jahr hatte ich auch einen sehr langsamen km in dieser
Gegend, kein Grund zur Aufregung. Es geht jetzt nach Hoechst leicht
bergauf, und im Vergleich zu den vorigen Streckenabschnitten ist hier
die Hoelle los. Ein bisschen kommt es mir vor wie eine Henkersmahlzeit
- die letzte gute Stimmung vor der gefuerchteten langen Mainzer
Landstrasse zurueck in die Innenstadt. Eine Freundin feuert mich hier
an - letztes Jahr wollte sie das auch tun, hatte sich aber bei der
Berechnung meiner Geschwindigkeit am Vorjahr orientiert und sass daher
noch bei McDonalds, als ich durch Hoechst lief ;-) ... Dieses Jahr hat
es geklappt :-)

2:48:52h bei km 30 - immer noch anderthalb bis zwei Minuten
"Vorsprung", aber der spannende Teil kommt jetzt erst.

[km 30-35]
Auf dem Weg aus Hoechst hinaus ist die Stelle, wo letztes Jahr zwei
Tage lang Szenen fuer den Marathon-Tatort nachgedreht wurden. Ueber
die
Niddabruecke vor der Kirche, von der im Film die Attentaeterin zielt,
sind wir damals unzaehlige Male gelaufen.

Ungefaehr bei km 31 hoere ich einen Zuschauer sagen: "Da kommen die
4h-Laeufer". Aha, der 4h-Hase muss jetzt also ganz dicht hinter mir
sein. Ich weiss, dass es jetzt schwer werden wird, aber ich bin wild
entschlossen zu kaempfen. Wenigstens versuche ich, mir das selbst
einzureden. Ich nehme ein klein bisschen Tempo raus, um den Hasen
herankommen zu lassen und um dann genug Kraft zu haben, an ihm
dranzubleiben. Der Hase holt mich ein, und ich hoere ihn sagen: "Ein
bisschen Tempo rausnehmen jetzt". Oh, das hoere ich gern!

Weiter geht es neben oder dicht hinter dem Hasen, und ich rede mir in
dieser Phase zu, nicht gleich aufzugeben und bitteschoen zu kaempfen,
wenn es jetzt demnaechst schwer wird. Und schwer werden muss es jetzt
doch bald, das war bisher immer so. Ich warte also. Und warte. Na ja,
so richtig leicht ist es natuerlich nicht mehr jetzt, ich spuere schon
meine Beine. Aber es wird auch nicht schwerer. Kein Problem, mit dem
Hasen mitzuhalten auf km 34 und 35, und diese beiden km waren letztes
Jahr richtig schwer. 3:16:43h bei km 35 und damit mehr als 2 Minuten
"Vorsprung".

[km 35-42]
An der Verpflegungsstelle bei km 35 macht der Hase eine Handbewegung,
die sagt "langsam jetzt". Ich sehe dazu eigentlich keine Veranlassung,
schnappe mir ein Wasser und eine Apfelschorle und laufe weiter.
Letztes
Jahr habe ich hier meine ausfuehrliche Gehpause gemacht, und da ich
jetzt eigentlich keine Pause brauche, will ich lieber gleich gar nicht
anfangen mit Gehen. Ich rechne damit, dass der Hase bald wieder
herankommt, aber das tut er nicht. Meine Kilometerzeiten schwanken nun
zwischen 5:57 und 5:27, und das Laufen wird immer noch nicht wirklich
schwer. Es sind ja eigentlich auch nur noch ein paar Kilometer jetzt.
7, dann 6 - was sind schon 6km? Es ist eigenartig, die ungeliebten
Kilometer auf der Mainzer Landstrasse gehen dieses Mal rum wie im
Flug,
die erwartete Krise kommt einfach nicht. Vielleicht habe ich sie durch
meine Kampfansagen im Vorfeld verschreckt.

Ohne Probleme, nur leicht verwundert erreiche ich bald schon km 38,
die
Stelle, wo man schon ganz dicht am Ziel ist und nur nochmal eine
kleine
Schleife durch die Innenstadt drehen muss. Jetzt ist mir ziemlich
klar,
dass ich es schaffen werde, diese letzte Schleife war noch nie ein
Problem. Zwar geht es Richtung Goetheplatz nochmal etwas bergauf,
gleichzeitig mit einem boeigen Gegenwind - stellenweise habe ich das
Gefuehl zu stehen. Das wird den Top-Laeufern wohl eine Bestzeit
verhagelt haben, denke ich. Aber mich wird es jetzt nicht mehr
aufhalten, ich habe genug Vorsprung.

3:45:17h bei km 40, immer noch mehr als zwei Minuten Vorsprung - das
Ding ist sozusagen gegessen. Leider muessen die letzten 2,195km
trotzdem auch noch gelaufen werden, und die will ich jetzt rasch
hinter
mich bringen. Die letzten 2,195 Marathon-km werden mit einem Schnitt
von
5:22 Min./km mal wieder so ziemlich meine schnellsten (bis auf zwei in
der Anfangsphase, aber den 5:11 bei km 10 trau ich eh nicht).

Im Ziel stoppe ich 3:57:04, offiziell werden es 3:56:44 - keine
Ahnung,
wo mika diese 20 Sekunden noch gefunden hat.

[NWKGJ]
Ich bin gluecklich und stolz - deutlich unter 4h gelaufen und damit
alle meine Lauf-Lebensziele dieses Jahr erreicht. :-) Das war ein
klasse Jahr mit einem tollen Abschluss!

Als Kroenung eines tollen Laufes ist "mein" Medaillen-Umhaenger auch
noch ein Bekannter, der mir gleich ganz lieb persoenlich gratuliert.
Die rote Rose verpasse ich dieses Mal, dafuer gibt es eine Muetze und
Handschuhe von der Bank, die neuer Sponsor ist und wegen der die
"blaue
Linie" dieses Jahr gruen war.

Einen Becher Tee genommen und irgendwo auf den Boden gesetzt. Andere
Sitzmoeglichkeiten im Bereich der Zielverpflegung sind leider nicht
vorhanden, aber auch egal. Vorsichtig den Tee getrunken - oh oh, mein
Magen rebelliert mal wieder. Ein Dixi aufgesucht und den Tee wieder
ausgespuckt. ... Der zweite Becher hat leider den gleichen Weg
genommen, und auch zu Hause nach einem heissen Bad (das vielleicht in
der Situation zu anstrengend fuer Herz und Kreislauf war) habe ich
nochmal Apfelschorle wieder ausgespuckt. Na ja, ich bin das inzwischen
ja gewoehnt und habe heute gelesen, dass Ulrich Steidl, der beste
Deutsche, sich im Ziel am Absperrgitter uebergeben musste. Ich bin
also
in bester Gesellschaft. Und meinem Magen ehrlich dankbar, dass er
immer
erst im Ziel und nie schon vorher seine rebellischen Momente hat.

Heute, am Tag danach, habe ich etwas Muskelkater in den Beinen und
Schultern, aber nichts Dramatisches. Treppen runtergehen ist
problemlos
vorwaerts und freihaendig moeglich :-)

Irgendwie war das ein seltsamer Marathon - die erste Haelfte war
weniger locker-flockig als sonst, dafuer war die zweite Haelfte und
insbesondere km 30-38 viel unproblematischer als ich das gewoehnt bin.
Mit offiziell 1:57:46h auf der ersten und 1:58:58h auf der zweiten
Haelfte bin ich auch so gleichmaessig gelaufen wie noch nie.

Und der Puls? Ab km 31 lagen die Durchschnittswerte pro km teilweise
bei 160 und mehr, aber es waren auch da noch einzelne km mit 158 oder
159 dabei. Auf dem letzten km waren es 166. Insgesamt im Schnitt 157 =
84% HFmax und damit "nur" zwei Schlaege hoeher als vor einem Jahr.

So, Schluss jetzt - der Bericht ist mal wieder lang geworden, obwohl
ich eigentlich dachte, dass ich gar nicht viel zu berichten habe.

Herzlichen Dank an drsl fuers Daumendruecken, Mitfiebern und die
moralische Unterstuetzung und die Ermutigungen im Vorfeld!

Vielen Dank fuers Lesen,
Katrin

# Vielen Dank fuer die Verwendung dieses Templates
# Ihr DRSL.de-Team

[Bericht] Frankfurt-Marathon
Autor: "Robert W. Kuhn" (2006-10-30 19:16:44)

[Bericht] Frankfurt-Marathon
Autor: "Robert W. Kuhn" (2006-10-30 19:16:44)

Katrin Wicker:

> Katrin

Geiler Bericht, danke!

Tschau - Robert
--
vertrau
voraus voraus

[Bericht] Frankfurt-Marathon
Autor: Mahmut Kursun (2006-10-30 19:19:49)

Hallo,

Katrin Wicker schrieb:
> Heute, am Tag danach, habe ich etwas Muskelkater in den Beinen und
> Schultern, aber nichts Dramatisches. Treppen runtergehen ist
> problemlos
> vorwaerts und freihaendig moeglich :-)

super, Gratuliere auch zu der tollen Zeit.

Viele Grüsse

[Bericht] Frankfurt-Marathon
Autor: "Muriel Yvon" (2006-10-30 20:05:37)

"Katrin Wicker" schrieb im Newsbeitrag ...
> Name des Laufes: Frankfurt Marathon 2006

> Bericht:
> Das war fuer mich ein untypischer Marathon ... fast ein bisschen
> "verkehrte Welt" ...

ich ahne es schon, es war am Ende einfacher als du geglaubt hattest.

>
> [VWKGJ]
ein echtes VWKGJ
[..]
> Mein Gefuehl in den letzten Tagen vor dem Marathon war daher ziemlich
> zwiespaeltig. Wenn ich ganz tief in mein Inneres gehorcht habe, war da
> immer noch eine Art "Urvertrauen", dass ich die 4h knacken kann. Auf
> der "Oberflaeche" dagegen war ich mir fast sicher, dass nix daraus
> wird. ... Toll, schizophren bin ich auch noch geworden.

aber es gibt nur eine Katrin, die es so toll geschafft hat!

>
>
> [Wettkampf]
> [km 0-15]
[Start gesdnippt]
ein bisschen nervös warst du schon =:-)
>
>
> Die folgenden Kilometer verbringe ich relativ dicht hinter dem Hasen,
> wo ein ziemliches Gedraengel herrscht. Der Puls "beruhigt" sich auf
> nun
> 154-157, spaeter zeitweise sogar auf 152. Im Nachhinein verstaendlich,
> denn der Abschnitt zwischen km 10 und 15 war mit 28:46 langsamer als
> die beiden vorherigen 5km-Abschnitte (27:30 und 27:19).
mich beeindruckt wie du die Zahlen (Puls, Geschwindigkeit) beachten
kannst.

>
> Aber ich fuehle mich immer noch ein klein bisschen gehetzt, und das
> beunruhigt mich. Eigentlich sollten sich die ersten 15-20km beim
> Marathon wie von alleine laufen. Wenn das nicht so ist, muss doch
> hinten der Einbruch kommen, oder? Gleichzeitig schimpfe ich mit mir:
> Unser Marathonprojekt-Oberguru schaerft uns immer ein: "Keine
^^^^^^^^^^^^
ist das nicht ein gefähliches Wort ;-)
> negativen
> Gedanken zulassen! Nicht schon im Voraus irgendwas befuerchten, das
> noch
> gar nicht eingetreten ist".

Recht hat er!


>Und ich mache mir hier schon vor km 15
> Gedanken ueber einen Einbruch jenseits von km 30 - was soll das? Bis
> jetzt laeuft doch alles prima, bei km 15 stoppe ich 1:23:53 und habe
> damit ca. anderthalb Minuten Vorsprung auf 3:59:59. "Jetzt sei endlich
> zufrieden und geniesse den Lauf!" befehle ich mir.

musterhafte Schülerin

>
> [km 15-25]
> Ein bisschen hat meine Ermahnung an mich selbst genutzt. Wohl so um km
> 15 hat es mich - eigentlich unbeabsichtigt - sogar an dem Hasen
> vorbeigerollt. Kurz vor ihm ist es auch wesentlich angenehmer zu
> laufen, weil nicht so voll. An der zweiten Staffel-Wechselzone feuert
> mich einer aus dem Projekt an, der hier auf seinen Einsatz wartet. Er
> ist letztes Jahr an den 4h gescheitert. "Mach es besser!" ruft er mir
> zu ... ich werde es versuchen.

das schaffst du doch, das steht jetzt fest aber daran glaubten wir alle
vorher.
>
[Stimmung gesnippt]
> An der Halbmarathonmarke habe ich etwa 2 Minuten Vorsprung auf mein
> Zeitziel. Es ist also immer noch machbar, aber eine laengere Gehpause
> und eine um 4 Minuten langsamere zweite Haelfte wie letztes Jahr darf
> ich mir nicht erlauben. Ob ich das wohl schaffen werde? Ich bin immer
> noch mehr als skeptisch, aber entschlossen zu kaempfen.
>
jetzt lohnt es sich zu kämpfen, du hast das ganze Jahr über so toll,
fleissig und nach Plan trainiert.

> Irgendwie bin ich wohl so darauf fixiert, was ab km 30 passiert, dass
> ich schon ab der HM-Marke auf die Schwanheimer Bruecke warte, auf der
> es wieder auf die Nordseite des Mains geht. Die muss doch jetzt bald
> kommen? Stimmt nicht, sagt der Streckenplan, zuerst geht es noch durch
> Schwanheim, und die Bruecke faengt erst bei km 26 an. Also gut,
> bringen
> wir halt Schwanheim auch noch hinter uns. An der 25km-Marke bin ich
> gerade mit Gel-Oeffnen beschaeftigt und damit ueberfordert,
> gleichzeitig auch noch die Zwischenzeit abzulesen und mit der
> Marschtabelle zu vergleichen. Aber der Hase hat mich noch nicht wieder
> eingeholt, also liege ich bestimmt immer noch gut in der Zeit.

Klar doch und wir fieberten mit in der online-Kneipe
>
> [km 25-30]

[plaudern auf der Strecke]
>
> Fuer km 28 stoppe ich 6:01 Min. - ups, der erste km ueber 6 Minuten.
> Aber letztes Jahr hatte ich auch einen sehr langsamen km in dieser
> Gegend, kein Grund zur Aufregung. Es geht jetzt nach Hoechst leicht
> bergauf, und im Vergleich zu den vorigen Streckenabschnitten ist hier
> die Hoelle los. Ein bisschen kommt es mir vor wie eine Henkersmahlzeit
> - die letzte gute Stimmung vor der gefuerchteten langen Mainzer
> Landstrasse zurueck in die Innenstadt. Eine Freundin feuert mich hier
> an - letztes Jahr wollte sie das auch tun, hatte sich aber bei der
> Berechnung meiner Geschwindigkeit am Vorjahr orientiert und sass daher
> noch bei McDonalds, als ich durch Hoechst lief ;-) ... Dieses Jahr hat
> es geklappt :-)
wieder gut reagiert, keine Panik aufkommen lassen und dein Rennen
durchziehen.

>
> 2:48:52h bei km 30 - immer noch anderthalb bis zwei Minuten
> "Vorsprung", aber der spannende Teil kommt jetzt erst.

YEAH, Katrin fliegt Richtung Ziel :-)
>
> [km 30-35]
> Auf dem Weg aus Hoechst hinaus ist die Stelle, wo letztes Jahr zwei
> Tage lang Szenen fuer den Marathon-Tatort nachgedreht wurden. Ueber
> die
> Niddabruecke vor der Kirche, von der im Film die Attentaeterin zielt,
> sind wir damals unzaehlige Male gelaufen.

beim Tatort habe ich die ganze Zeit versucht dich zu finden, das war
spannend, mehr als die Geschichte. David (mein Sohn 14) hatte sehr früh
heraus gefunden, dass die Putzfrau "damit was zu tun hat" und der DDRler
bestimmt das Opfer sein müsste und nicht Dellwo. Ehemalige DDRler sind
entweder Stasi-Täter oder -Opfer und sind dann in den Handlungen immer
abwechslend Täter oder Opfer mit umgekehrtem Vorzeichen zu ihrer früheren
Rolle in der DDR: O-Ton mein Sohn. Ich fragte mich dann wieviel Krimi wir
schon zusammen gesehen oder gelesen haben, damit er dies so locker
analysieren konnte. aber ich schweife ab
>
> Ungefaehr bei km 31 hoere ich einen Zuschauer sagen: "Da kommen die
> 4h-Laeufer". Aha, der 4h-Hase muss jetzt also ganz dicht hinter mir
> sein. Ich weiss, dass es jetzt schwer werden wird, aber ich bin wild
> entschlossen zu kaempfen. Wenigstens versuche ich, mir das selbst

in dieser Zeit haben wir ständig an dich gedacht bzw uns gefragt, wie es
dir in dieser Zeit ginge.
ich habe noch meinem liebster dein Trainingspensum gezeigt und wir waren
uns einig, dass du es schaffst.

> einzureden. Ich nehme ein klein bisschen Tempo raus, um den Hasen
> herankommen zu lassen und um dann genug Kraft zu haben, an ihm
> dranzubleiben. Der Hase holt mich ein, und ich hoere ihn sagen: "Ein

taktisch sehr klug.

> bisschen Tempo rausnehmen jetzt". Oh, das hoere ich gern!
>
> Weiter geht es neben oder dicht hinter dem Hasen, und ich rede mir in
> dieser Phase zu, nicht gleich aufzugeben und bitteschoen zu kaempfen,
> wenn es jetzt demnaechst schwer wird. Und schwer werden muss es jetzt
> doch bald, das war bisher immer so. Ich warte also. Und warte. Na ja,
> so richtig leicht ist es natuerlich nicht mehr jetzt, ich spuere schon
> meine Beine. Aber es wird auch nicht schwerer. Kein Problem, mit dem
> Hasen mitzuhalten auf km 34 und 35, und diese beiden km waren letztes
> Jahr richtig schwer. 3:16:43h bei km 35 und damit mehr als 2 Minuten
> "Vorsprung".

oh ja, diese Zeit, 3:16 haben wir ausgiebig kommentiert zu Hause,
"sie ist ein bisschen langsamer geworden" : mein Liebster
"ja aber noch richtig gut in der Zeit, sie spart ihre Kräfte auf für die
letzen 7km, sie sind immer ein bisschen schwerer": ich
>
> [km 35-42]
> An der Verpflegungsstelle bei km 35 macht der Hase eine Handbewegung,
> die sagt "langsam jetzt". Ich sehe dazu eigentlich keine Veranlassung,
> schnappe mir ein Wasser und eine Apfelschorle und laufe weiter.
> Letztes
> Jahr habe ich hier meine ausfuehrliche Gehpause gemacht, und da ich
> jetzt eigentlich keine Pause brauche, will ich lieber gleich gar nicht
> anfangen mit Gehen. Ich rechne damit, dass der Hase bald wieder
> herankommt, aber das tut er nicht. Meine Kilometerzeiten schwanken nun
> zwischen 5:57 und 5:27, und das Laufen wird immer noch nicht wirklich
> schwer. Es sind ja eigentlich auch nur noch ein paar Kilometer jetzt.
> 7, dann 6 - was sind schon 6km? Es ist eigenartig, die ungeliebten
> Kilometer auf der Mainzer Landstrasse gehen dieses Mal rum wie im
> Flug,
> die erwartete Krise kommt einfach nicht. Vielleicht habe ich sie durch
> meine Kampfansagen im Vorfeld verschreckt.

JA JA JA, jetzt geht´s los, Attacke, die letzten Kilometer wirst du mit
einer Supertempo hinkriegen!

>
> Ohne Probleme, nur leicht verwundert erreiche ich bald schon km 38,
> die
> Stelle, wo man schon ganz dicht am Ziel ist und nur nochmal eine
> kleine
> Schleife durch die Innenstadt drehen muss. Jetzt ist mir ziemlich
> klar,
> dass ich es schaffen werde, diese letzte Schleife war noch nie ein
> Problem. Zwar geht es Richtung Goetheplatz nochmal etwas bergauf,
> gleichzeitig mit einem boeigen Gegenwind - stellenweise habe ich das
> Gefuehl zu stehen. Das wird den Top-Laeufern wohl eine Bestzeit
> verhagelt haben, denke ich. Aber mich wird es jetzt nicht mehr
> aufhalten, ich habe genug Vorsprung.

Freude macht sich schon breit

>
> 3:45:17h bei km 40, immer noch mehr als zwei Minuten Vorsprung - das
> Ding ist sozusagen gegessen. Leider muessen die letzten 2,195km
> trotzdem auch noch gelaufen werden, und die will ich jetzt rasch
> hinter
> mich bringen. Die letzten 2,195 Marathon-km werden mit einem Schnitt
> von
> 5:22 Min./km mal wieder so ziemlich meine schnellsten (bis auf zwei in
> der Anfangsphase, aber den 5:11 bei km 10 trau ich eh nicht).

Boh ey!! noch so viel REserve, Dieses Rennen hast sehr klug geführt
>
> Im Ziel stoppe ich 3:57:04, offiziell werden es 3:56:44 - keine
> Ahnung,
> wo mika diese 20 Sekunden noch gefunden hat.

PRUST
ja ja ein bisschen zu bescheiden.

3:56:44 TARAH TARAH!!!
Herzlichen Glückwunsch, du hast es richtig verdient.

>
> [NWKGJ]
> Ich bin gluecklich und stolz - deutlich unter 4h gelaufen und damit
> alle meine Lauf-Lebensziele dieses Jahr erreicht. :-) Das war ein
> klasse Jahr mit einem tollen Abschluss!

Das kann man wohl sagen

[snipp Magenprobleme]
>
>
> Heute, am Tag danach, habe ich etwas Muskelkater in den Beinen und
> Schultern, aber nichts Dramatisches. Treppen runtergehen ist
> problemlos
> vorwaerts und freihaendig moeglich :-)

DAs zeigt wie gut du trainierst hattest, du kannst richtig stolz auf dich
sein!

>
> So, Schluss jetzt - der Bericht ist mal wieder lang geworden, obwohl
> ich eigentlich dachte, dass ich gar nicht viel zu berichten habe.

nein nur ein beispielhaft umgesetztes TRaining zur persönlichen Bestzeit,
ein Rennen mit Kopf und Herz, ein Vorbild für alle, die auch träumen
irgendwann den Marathon unter 4Std zu laufen.
>
> Herzlichen Dank an drsl fuers Daumendruecken, Mitfiebern und die
> moralische Unterstuetzung und die Ermutigungen im Vorfeld!
>
> Vielen Dank fuers Lesen,
> Katrin

Vielen Dank für Bericht
Salut, Muriel
> # Vielen Dank fuer die Verwendung dieses Templates
> # Ihr DRSL.de-Team

[Bericht] Frankfurt-Marathon
Autor: "Frank Berger" (2006-10-30 13:08:26)

Katrin Wicker schrieb:

> Herzlichen Dank an drsl fuers Daumendruecken, Mitfiebern und die
> moralische Unterstuetzung und die Ermutigungen im Vorfeld!
>
> Vielen Dank fuers Lesen,
> Katrin

Von mir einen gro

[Bericht] Frankfurt-Marathon
Autor: Ina Reichel (2006-10-30 17:00:50)

Katrin Wicker wrote:
>Im Ziel stoppe ich 3:57:04, offiziell werden es 3:56:44 - keine
>Ahnung,
>wo mika diese 20 Sekunden noch gefunden hat.

Glückwunsch.

>[NWKGJ]
>Ich bin gluecklich und stolz - deutlich unter 4h gelaufen und damit
>alle meine Lauf-Lebensziele dieses Jahr erreicht. :-) Das war ein
>klasse Jahr mit einem tollen Abschluss!

Dazu auch nochmal Glückwunsch.

Cheers

Ina
--
Ina Reichel ireichel@lbl.gov

"In the quiet of the night let our candle always burn
let us never lose the lessons we have learned." B.M. 1976

[Bericht] Frankfurt-Marathon
Autor: "Peter Schuette" (2006-10-30 23:28:03)

Hallo Katrin!

Katrin Wicker schrieb:
> Name des Laufes: Frankfurt Marathon 2006
[...]
> Im Ziel stoppe ich 3:57:04, offiziell werden es 3:56:44 - keine
> Ahnung,
> wo mika diese 20 Sekunden noch gefunden hat.

Habe Deinen Bericht mit einer kleinen Tr

[Bericht] Frankfurt-Marathon
Autor: "Andre Ma@ss" (2006-10-31 08:30:33)

Hallo Katrin,

genialer Bericht zu einem genialen Wettkampf. Es hat Spass gemacht, ihn
zu lesen.

Meinen allerherzlichsten Glückwunsch auch zu Deinem ganzen erfolgreichen
Jahr. Super!

Gruß
Andre