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20. Braunschweiger Nachtlauf (Bericht 2)


20. Braunschweiger Nachtlauf (Bericht 2)
Autor: Sebastian Hanelt (2006-06-17 21:57:32)

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[x] Ich habe den Bericht auf DRSL.de archiviert.
[x] Disclaimer: dieser Bericht ist ausschließlich für die Usenetgruppen
de.rec.sport.laufen.* bestimmt und darf darüber hinaus unter drsl.de
und damit verwandten Seiten gespeichert werden. Einer (auch auszugs-
weisen) Veröffentlichung außerhalb des Usenets stimme ich nicht zu.
Ausgenommen hiervon ist das Usenetarchiv groups.google.de.
[ ] Ich widerspreche der Archivierung auf DRSL.de.

Name des Laufes: 20. Braunschweiger Nachtlauf
Datum: 16.6.2006 (Fri)
Ort: Braunschweig
Postleitzahl: D3
Homepage (Veranstalter): http://www.nachtlauf-bs.de/
Ihr Name: Sebastian Hanelt
Ihre eMail-Adresse: usenet-sebastian at arcor de
Streckenlaengen: 3,2/6,2/12,2
Beschaffenheit: Innenstadtkurs, einige Bordsteine und teils
Kopfsteinpflaster
Profil: flach und kurvig
Wetter: 18 C dunkel
Teilnehmer: über 12,2 etwa 1500


Bericht:

Oh, was für eine wechselhafte Vorbereitung. Am Montag hatte ich morgens
noch gesagt, dass ich wohl ein Antibiotikum kriegen würde und mich nach
10 Tagen Husten auf eine weitere längere Pause eingestellt. Mittags
kamen dann die auf Bakterien negativen (und für mich daher sehr
positiven) Laborergebnisse und ich bekam die ärztliche Freigabe für den
Wiedereinstieg ins Training. Also gleich am Abend bei 30 Grad gelaufen
und fürchterlich gelitten. Der Puls raste, die Beine schmerzten.
Dienstag nicht besser. Mittwoch Pause und Donnerstag Prinzip Hoffnung
beim gut gemeinten Einlaufprogramm mit 2 Kilometern Tempotest, der sich
gar nicht so schlecht anfühlte. Freitag Mittag dann ein letzter kurzer
Test und trotz eines leichten Stechens in der Wade die Entscheidung,
tatsächlich in Braunschweif an den Start zu gehen. Was gibt es schon zu
verlieren, ein Formtest ist ein Formtest ist ein...

<Zeitsprung>
Um 22:35 stand ich an der Startlinie und wusste nicht so genau, was zu
erwarten war. Ich hatte Christian zugesehen, wie er über die 6,2
Kilometer Dritter geworden war und hatte mich dann locker eingelaufen.
Die Wade fühlte sich jetzt gut an. Aber ich war sehr unsicher, wie die
Form nach der Pause sein würde und vor allem, ob ich schon genug Luft
für einen langen Lauf haben würde. Als großer Favorit war Mario Burger
von der LG Braunschweig am Start, der vor einer Woche trotz sehr großer
Hitze in sub15 über 5000m Landesmeister wurde. Das war also die
unerreichbare Messlatte. Direkt in meinem Umfeld erwartete ich vor
allem Dominik Schrader, gegen den ich bei den
Bezirks-Crossmeisterschaften im Frühjahr verloren hatte und der dieses
Jahr auf der Straße schon unter 33 Minuten gelaufen ist (was ich auf
der Straße nicht bin). Einige unbekannte Gesichter waren ebenfalls da,
mit schnellen Triathleten aus der Bundesliga-Mannschaft von Wolfsburg
kann man in der Gegend sowieso immer rechnen.

Mit einem vorbildlichen Frühstart rannten gleich mal einige Wichtigtuer
vorne weg und machten den Start somit zu einer prima Stolperpartie
(sorry, aber ich habe für dieses Prinzip von "ich will mal ganz vorne
sein" tatsächlich sehr wenig Verständnis, so schön es für die Jungs
auch sein mag!). Hinter diesen Idioten übernahm, wie erwartet, Mario
sofort das Kommando. Ich ging erst einmal mit, vor allem in der
Hoffnung, dass er es etwas langsamer angehen lassen würde und ich
deshalb zunächst nicht in die Führungsarbeit müsste. Schon nach der
ersten Linkskurve nach etwa 300 Metern deutete sich allerdings an, dass
das nichts werden würde und Mario voll durchzog. Wir überholten den
letzten der frühgestarteten Klappsköppe und ich lief jetzt etwa 15
Meter hinter Mario auf Position zwei.

Die Streckenführung ist in Braunschweig typisch für einen Stadtlauf.
Mit vielen Kurven und durch die späte Startzeit im Dunkeln nicht immer
gut ausgeleuchtet. Während es im ersten Streckendrittel um Start-Ziel
herum noch hell und viel bevölkert war, war im zweiten und großteils
auch im dritten Streckendrittel überhaupt nix los, was die viermal zu
laufende 3-Kilometerrunde nicht spannender machte. Ich nehme es vorweg:
ich konnte eine Verletzung in der Dunkelheit zum Glück vermeiden, aber
an so mancher Bordsteinkante war es *sehr* knapp. Mario baute seinen
Vorsprung aus. Ich selbst hatte geschätzte 30 Meter Vorsprung auf
Dominik, das konnte ich vor allem immer dann hören, wenn für ihn der
Beifall hinter mir aufbrandete. An einer Straßenkreuzung hing das
Flatterband etwas schlecht und ich wollte geradeaus laufen, bevor mich
ein Polizist doch noch links schickte. Ich rief freundlich "komm mal
näher ran, man sieht Dich ganz schlecht" und er rief genauso freundlich
zurück "dafür bin ich aber nicht da!" Tolle Sache, warum steht er dann
da rum, die Straße war doch eh gesperrt...? Egal. Aber es macht
deutlich, dass man sich "hinten" in der Dunkelheit schon echt
Beschäftigungen suchen musste, weil es da so einsam war. Nur Laufen -
das kann ja jeder! ;-)

Nach der ersten Runde (Ziel etwa 200 Meter hinterm Start, also 3200
Meter) hörte ich für Mario die Durchsage 9:55 und verschluckte mich
fast vor Schreck. Ich selbst lief unter dem Gröhlen der Massen (hier
waren sie wenigstens da und laut!) bei 10:11 zum ersten Mal unter dem
Zielbanner durch. 3:11/km - unter meinem Schnitt bei der
10.000-Bestzeit. Wenn das mal gut geht... Kurz danach hörte ich eine
Anfeuerung für mich. Da Christian im hinteren Bereich stand, war das
wohl Michael Hoeding, mit dem ich vorher nur über drsl Kontakt hatte.
Zum Gucken fehlte aber die Zeit. Auf in die zweite Runde, die
eigentlich genauso wie die erste Runde verlief. Aus den Menschenmassen
in die Einsamkeit, Marios Vorsprung wuchs, hinter mir Dominik konstant
mit 30 Meter Abstand (wurde mir von Christian reingerufen) -- und dann
wieder mein Polizistenfreund. Ich wollte wieder geradeaus (wer kann
sich in einer fremden Stadt schon 30 dunkle Kurven merken!). Er rief
"Mensch, hast dus noch nicht gelernt?" und ich hatte genug Luft für
ein "red halt nix, lauf mit, das ist bei dem Tempo nicht so einfach,
auch noch was zu lernen!" und bog, wie mir geheißen, links ab. ;-)
Irgendwo in die Dunkelheit hinein begann ein Feuerwerk im Norden der
Stadt und ich fragte mich ganz ernsthaft, warum ich eigentlich nicht da
hinten bei dem bunten Licht... dann kamen zum Glück die ersten
vereinzelten Überrundungen und ich lief wieder in die Zuschauerpassage
hinein. Für diese 3000 Meter jetzt 10:00 (3:20/km). Das war schon eher
mein Tempo, Mario war jetzt natürlich weg.

Auf der dritten Runde wurde es trotz der zunehmenden Überrundungen
nicht spannender, aber deutlich unübersichtlicher. Der eine oder andere
Weg wurde in der Außenkurve somit länger, der Rhythmus schlechter, die
Beine müder und ich war mehr als einmal nahe dran, über einen der
Bordsteine oder auf dem Kopfsteinpflaster umzuknicken. Allerdings
gelang es mir noch immer, Dominik auf Distanz zu halten, er wurde also
auch langsamer. Die Überrundungen machten sich sofort in der Zeit
deutlich, die mit 10:23 aber noch im Rahmen meiner Erwartungen lag.
Nach 9200 Metern hatte ich also 30:34 -- eine sehr gute Zeit, mit der
ich so nicht unbedingt schon wieder gerechnet hatte -- es lief! Als es
diesmal in die Dunkelheit hinausging, half mir der Gedanke, dass ich
zum letzten Mal hier lang müsste. Außerdem hatte ich jetzt alle
Ellenbogen voll zu tun, um mir einen Weg freizuräumen. In zwei oder
drei Fällen habe ich mich sogar dafür entschuldigt, wenn ich die Leute
zu hart traf. Bei so was zeigen sich einfach die Grenzen solcher
Stadtläufe -- Mario hatte vorne wegen des Führungsfahrrades keine
Probleme mit laufenden Slalomstangen. In diesem Jahr kein Problem, sein
Vorsprung war groß genug, aber so etwas kann auch mal Rennen entscheiden
-- und dann ist es sehr ärgerlich!

Als ich auf die Zielgerade und kurz danach in den extra abgesperrten
Zielkanal einbog, war ich mir meiner Sache sicher -- ich würde hier in
persönlicher Streckenbestzeit ein tolles Comeback hinlegen. Nach 40:41
(3:20/km, 10:07 für die letzten 3000) war ich als Zweiter im Ziel,
Dominik kam nach 41:09, Mario hatte in ganz starken 38:48 gewonnen.
Hinter der Absperrung des Zielkanals konnte ich nun endlich Michaels
Frau und ihn selbst finden -- vielen Dank Euch beiden für die
Anfeuerung, die in jeder Runde gut zu hören war und mir sehr gut
geholfen hat! Nach einem kurzen Plausch erst mit Dominik und dann mit
Mario konnte ich mich auf den Heimweg machen, denn aufs Podest kommen
beim Braunschweiger Nachtlauf nur die Sieger. Der zweite ist der erste
Verlierer. Also schnappte ich meinen Rucksack und joggte im hinteren
Feld gut getarnt mit bis zum Parkhaus, da musste ich bis Mitternacht
sowieso raus, es war jetzt schon 23:40.

Wie ein Verlierer fühle ich mich aber wirklich nicht -- eher wie Phönix
aus der... Bronchitis. Schön, wieder da zu sein, wo ich mich wohl fühle!

Danke fürs Lesen und alle aufbauenden Worte während meiner Auszeit, vor
allem einer gewissen Elisabeth! ;-)


# Vielen Dank fuer die Verwendung dieses Templates
# Ihr DRSL.de-Team

20. Braunschweiger Nachtlauf (Bericht 2)
Autor: Michael Hoeding (2006-06-18 12:21:57)

20. Braunschweiger Nachtlauf (Bericht 2)
Autor: Michael Hoeding (2006-06-18 12:21:57)

Sebastian Hanelt schrieb:
> # Begin Template
> [x] Ich habe den Bericht auf DRSL.de archiviert.
> [x] Disclaimer: dieser Bericht ist ausschließlich für die Usenetgruppen
> de.rec.sport.laufen.* bestimmt und darf darüber hinaus unter drsl.de
> und damit verwandten Seiten gespeichert werden. Einer (auch auszugs-
> weisen) Veröffentlichung außerhalb des Usenets stimme ich nicht zu.
> Ausgenommen hiervon ist das Usenetarchiv groups.google.de.
> [ ] Ich widerspreche der Archivierung auf DRSL.de.
>
> Name des Laufes: 20. Braunschweiger Nachtlauf
> Datum: 16.6.2006 (Fri)
> Ort: Braunschweig
> Postleitzahl: D3
> Homepage (Veranstalter): http://www.nachtlauf-bs.de/
> Ihr Name: Sebastian Hanelt
> Ihre eMail-Adresse: usenet-sebastian at arcor de
> Streckenlaengen: 3,2/6,2/12,2
> Beschaffenheit: Innenstadtkurs, einige Bordsteine und teils
> Kopfsteinpflaster
> Profil: flach und kurvig
> Wetter: 18 C dunkel
> Teilnehmer: über 12,2 etwa 1500
>
>
> Bericht:
>
> Mit einem vorbildlichen Frühstart rannten gleich mal einige Wichtigtuer
> vorne weg und machten den Start somit zu einer prima Stolperpartie
> (sorry, aber ich habe für dieses Prinzip von "ich will mal ganz vorne
> sein" tatsächlich sehr wenig Verständnis, so schön es für die Jungs
> auch sein mag!).
Das lag wohl daran, dass sie als erste durch den Zielbereich wollten,
der ja nach 200 m kam.

> Hinter diesen Idioten übernahm, wie erwartet, Mario
> sofort das Kommando. Ich ging erst einmal mit, vor allem in der
> Hoffnung, dass er es etwas langsamer angehen lassen würde und ich
> deshalb zunächst nicht in die Führungsarbeit müsste. Schon nach der
> ersten Linkskurve nach etwa 300 Metern deutete sich allerdings an, dass
> das nichts werden würde und Mario voll durchzog. Wir überholten den
> letzten der frühgestarteten Klappsköppe und ich lief jetzt etwa 15
> Meter hinter Mario auf Position zwei.
>
> Die Streckenführung ist in Braunschweig typisch für einen Stadtlauf.
> Mit vielen Kurven und durch die späte Startzeit im Dunkeln nicht immer
> gut ausgeleuchtet. Während es im ersten Streckendrittel um Start-Ziel
> herum noch hell und viel bevölkert war, war im zweiten und großteils
> auch im dritten Streckendrittel überhaupt nix los, was die viermal zu
> laufende 3-Kilometerrunde nicht spannender machte.
Das war bei 12 km sicher noch schlimmer als bei den 6 km. Waren die
Trommler ca. 500 vorm Ende denn noch da?

> Ich nehme es vorweg:
> ich konnte eine Verletzung in der Dunkelheit zum Glück vermeiden, aber
> an so mancher Bordsteinkante war es *sehr* knapp.
Da gab es eine ganz schlimme Stelle nach ca 1,5 km. In der Masse hat es
da sicher einige entschärft. Aber bei der Dunkelheit (Braunwscheig kommt
mir doch recht duster vor) war das wirklich teilweise gefährlich.
>Mario baute seinen
> Vorsprung aus. Ich selbst hatte geschätzte 30 Meter Vorsprung auf
> Dominik, das konnte ich vor allem immer dann hören, wenn für ihn der
> Beifall hinter mir aufbrandete. An einer Straßenkreuzung hing das
> Flatterband etwas schlecht und ich wollte geradeaus laufen, bevor mich
> ein Polizist doch noch links schickte. Ich rief freundlich "komm mal
> näher ran, man sieht Dich ganz schlecht" und er rief genauso freundlich
> zurück "dafür bin ich aber nicht da!" Tolle Sache, warum steht er dann
> da rum, die Straße war doch eh gesperrt...? Egal. Aber es macht
> deutlich, dass man sich "hinten" in der Dunkelheit schon echt
> Beschäftigungen suchen musste, weil es da so einsam war. Nur Laufen -
> das kann ja jeder! ;-)
>
> Nach der ersten Runde (Ziel etwa 200 Meter hinterm Start, also 3200
> Meter) hörte ich für Mario die Durchsage 9:55 und verschluckte mich
> fast vor Schreck. Ich selbst lief unter dem Gröhlen der Massen (hier
> waren sie wenigstens da und laut!) bei 10:11 zum ersten Mal unter dem
> Zielbanner durch. 3:11/km - unter meinem Schnitt bei der
> 10.000-Bestzeit. Wenn das mal gut geht... Kurz danach hörte ich eine
> Anfeuerung für mich.
Ja der Abstand war schon beachtlich aber Dominik war auch ein Stück weg.
Aber es war auch alles so irre schnell.

> Da Christian im hinteren Bereich stand, war das
> wohl Michael Hoeding, mit dem ich vorher nur über drsl Kontakt hatte.
> Zum Gucken fehlte aber die Zeit. Auf in die zweite Runde, die
> eigentlich genauso wie die erste Runde verlief. Aus den Menschenmassen
> in die Einsamkeit, Marios Vorsprung wuchs, hinter mir Dominik konstant
> mit 30 Meter Abstand (wurde mir von Christian reingerufen) -- und dann
> wieder mein Polizistenfreund. Ich wollte wieder geradeaus (wer kann
> sich in einer fremden Stadt schon 30 dunkle Kurven merken!).
Das ist wirklich kniffelig. Irgendwie läüft man zweimal hintereinander
eine ähnlich Kurvenfolge.
> Er rief
> "Mensch, hast dus noch nicht gelernt?" und ich hatte genug Luft für
> ein "red halt nix, lauf mit, das ist bei dem Tempo nicht so einfach,
> auch noch was zu lernen!" und bog, wie mir geheißen, links ab. ;-)
> Irgendwo in die Dunkelheit hinein begann ein Feuerwerk im Norden der
> Stadt und ich fragte mich ganz ernsthaft, warum ich eigentlich nicht da
> hinten bei dem bunten Licht...
So ein Quatsch. Laufen ist doch viel schöner...
> dann kamen zum Glück die ersten
> vereinzelten Überrundungen und ich lief wieder in die Zuschauerpassage
> hinein. Für diese 3000 Meter jetzt 10:00 (3:20/km). Das war schon eher
> mein Tempo, Mario war jetzt natürlich weg.
> Auf der dritten Runde wurde es trotz der zunehmenden Überrundungen
> nicht spannender, aber deutlich unübersichtlicher. Der eine oder andere
> Weg wurde in der Außenkurve somit länger, der Rhythmus schlechter, die
> Beine müder und ich war mehr als einmal nahe dran, über einen der
> Bordsteine oder auf dem Kopfsteinpflaster umzuknicken. Allerdings
> gelang es mir noch immer, Dominik auf Distanz zu halten, er wurde also
> auch langsamer. Die Überrundungen machten sich sofort in der Zeit
> deutlich, die mit 10:23 aber noch im Rahmen meiner Erwartungen lag.
Ja das war gut zu beobachten. Je dichter das Feld wurde des so
slalomiger liefen die Schnellen.
> Nach 9200 Metern hatte ich also 30:34 -- eine sehr gute Zeit, mit der
> ich so nicht unbedingt schon wieder gerechnet hatte -- es lief! Als es
> diesmal in die Dunkelheit hinausging, half mir der Gedanke, dass ich
> zum letzten Mal hier lang müsste.
Im nächsten Jahr stellen wir uns strategisch in den Mittelteil. Da kann
man mit wenig Aufwand pro Runde zweimal anfeuern und da ist es wohl auch
notwendiger.

> Außerdem hatte ich jetzt alle
> Ellenbogen voll zu tun, um mir einen Weg freizuräumen. In zwei oder
> drei Fällen habe ich mich sogar dafür entschuldigt, wenn ich die Leute
> zu hart traf. Bei so was zeigen sich einfach die Grenzen solcher
> Stadtläufe -- Mario hatte vorne wegen des Führungsfahrrades keine
> Probleme mit laufenden Slalomstangen. In diesem Jahr kein Problem, sein
> Vorsprung war groß genug, aber so etwas kann auch mal Rennen entscheiden
> -- und dann ist es sehr ärgerlich!
>
Wir haben hinterher überlegt, ob das nicht eine Taktik ist. Zum Anfang
oder kurz vor den Überrundungen zu schnell am die Verfolger dann in
Verkehr stecken zu lassen.

Wieviel Zeit hast Du dadurch verloren? Sind das die 15 Sekunden?
> Als ich auf die Zielgerade und kurz danach in den extra abgesperrten
> Zielkanal einbog, war ich mir meiner Sache sicher -- ich würde hier in
> persönlicher Streckenbestzeit ein tolles Comeback hinlegen. Nach 40:41
Nicht mal doppelt so schnell wie ich... irre!
> (3:20/km, 10:07 für die letzten 3000) war ich als Zweiter im Ziel,
> Dominik kam nach 41:09, Mario hatte in ganz starken 38:48 gewonnen.
> Hinter der Absperrung des Zielkanals konnte ich nun endlich Michaels
> Frau und ihn selbst finden -- vielen Dank Euch beiden für die
> Anfeuerung, die in jeder Runde gut zu hören war und mir sehr gut
> geholfen hat!
Es war auch für uns sehr schön!
> Nach einem kurzen Plausch erst mit Dominik und dann mit
> Mario konnte ich mich auf den Heimweg machen, denn aufs Podest kommen
> beim Braunschweiger Nachtlauf nur die Sieger. Der zweite ist der erste
> Verlierer. Also schnappte ich meinen Rucksack und joggte im hinteren
> Feld gut getarnt mit bis zum Parkhaus, da musste ich bis Mitternacht
> sowieso raus, es war jetzt schon 23:40.
>
> Wie ein Verlierer fühle ich mich aber wirklich nicht -- eher wie Phönix
> aus der... Bronchitis. Schön, wieder da zu sein, wo ich mich wohl fühle!
>
Da sahst auch erstaunlich frisch aus.
> Danke fürs Lesen und alle aufbauenden Worte während meiner Auszeit, vor
> allem einer gewissen Elisabeth! ;-)
>
>
> # Vielen Dank fuer die Verwendung dieses Templates
> # Ihr DRSL.de-Team

Was mich beeindruckt hat, war wie kontrolliert die drei Spitzenläufer
gelaufen sind. Die Abstände waren/wuchsen etwa konstant.
Mario........... großer Abstand: Sebastian.... deutlicher Abstand: Dominik

Danke für den Bericht
Viele Grüße
Michael Hoeding

20. Braunschweiger Nachtlauf (Bericht 2)
Autor: Sebastian Hanelt (2006-06-18 16:31:37)

Am 18.06.2006 12:21 schrieb Michael Hoeding:
> Sebastian Hanelt schrieb:

>> Mit einem vorbildlichen Frühstart rannten gleich mal einige Wichtigtuer
>> vorne weg und machten den Start somit zu einer prima Stolperpartie
>> (sorry, aber ich habe für dieses Prinzip von "ich will mal ganz vorne
>> sein" tatsächlich sehr wenig Verständnis, so schön es für die Jungs
>> auch sein mag!).
> Das lag wohl daran, dass sie als erste durch den Zielbereich wollten,
> der ja nach 200 m kam.

Also ich vermute, dass sie vor allem an das Pressefoto beim Start und
vor allem an den tollen Eindruck bei Mama und Papa denken (wenn die denn
überhaupt irgendwas denken). Statt mit sportlicher Leistung zu
überzeugen, wollen sie es mit Aufschneiderei. Das hat - und da bin ich
vielleicht engstirnig - einfach nichts da zu suchen. Es kann sogar
gefährlich sein, weil sie eben statt geordnetem schnellen Start nach
vorne weg völlig durcheinander wie die Bescheuerten losrennen.

>> Während es im ersten Streckendrittel um Start-Ziel herum noch hell
>> und viel bevölkert war, war im zweiten und großteils auch im
>> dritten Streckendrittel überhaupt nix los, was die viermal zu
>> laufende 3-Kilometerrunde nicht spannender machte.
> Das war bei 12 km sicher noch schlimmer als bei den 6 km. Waren die
> Trommler ca. 500 vorm Ende denn noch da?

Kann gut sein, habe ich nicht drauf achten können.

>> Nach der ersten Runde (Ziel etwa 200 Meter hinterm Start, also 3200
>> Meter) hörte ich für Mario die Durchsage 9:55 und verschluckte mich
>> fast vor Schreck. Ich selbst lief unter dem Gröhlen der Massen (hier
>> waren sie wenigstens da und laut!) bei 10:11 zum ersten Mal unter dem
>> Zielbanner durch. 3:11/km - unter meinem Schnitt bei der
>> 10.000-Bestzeit. Wenn das mal gut geht... Kurz danach hörte ich eine
>> Anfeuerung für mich.
> Ja der Abstand war schon beachtlich aber Dominik war auch ein Stück weg.
> Aber es war auch alles so irre schnell.

Ja, eben zu schnell. Zum Glück konnte ich die Geschwindigkeit dann ja
geregelt zurückführen, statt einzubrechen. 3:11/km ist eine 31:50 über
10.000. Das ist vielleicht mein Traum für 2007 oder 2008 - aber absolut
unsicher, ob mir solche Zeiten möglich sind!

>> Außerdem hatte ich jetzt alle
>> Ellenbogen voll zu tun, um mir einen Weg freizuräumen. In zwei oder
>> drei Fällen habe ich mich sogar dafür entschuldigt, wenn ich die Leute
>> zu hart traf. Bei so was zeigen sich einfach die Grenzen solcher
>> Stadtläufe -- Mario hatte vorne wegen des Führungsfahrrades keine
>> Probleme mit laufenden Slalomstangen. In diesem Jahr kein Problem, sein
>> Vorsprung war groß genug, aber so etwas kann auch mal Rennen entscheiden
>> -- und dann ist es sehr ärgerlich!
>>
> Wir haben hinterher überlegt, ob das nicht eine Taktik ist. Zum Anfang
> oder kurz vor den Überrundungen zu schnell am die Verfolger dann in
> Verkehr stecken zu lassen.

Wenn es ein enges Rennen ist, ist das eindeutig Taktik, ja. So hat es
jedenfalls letztes Jahr Rolf Schwabe geschafft, zu siegen (siehe mein
Bericht letztes Jahr).

> Wieviel Zeit hast Du dadurch verloren? Sind das die 15 Sekunden?

Das lässt sich nicht wirklich aufschlüsseln, da ich in dem Abschnitt am
stärksten für den zu schnellen Beginn büßen musste.

>> Wie ein Verlierer fühle ich mich aber wirklich nicht -- eher wie Phönix
>> aus der... Bronchitis. Schön, wieder da zu sein, wo ich mich wohl fühle!
>>
> Da sahst auch erstaunlich frisch aus.

Nach einem geilen Rennen ist das einfach, auch wenn man körperlich
fertig ist. Siehe die Grinsefotos von unserer Gruppenreferenz Magnus
nach seinem Marathon ;-)

> Was mich beeindruckt hat, war wie kontrolliert die drei Spitzenläufer
> gelaufen sind. Die Abstände waren/wuchsen etwa konstant.
> Mario........... großer Abstand: Sebastian.... deutlicher Abstand: Dominik

Gutes Tempogefühl (mal abgesehen von der Startrunde, aber der Start ist
ja immer zu schnell). Das predige ich ja immer, wenn es wieder um
"Pulsuhr statt Gefühl" geht! Nur so lassen sich Spitzenzeiten erzielen.
Obwohl ich mit Pulsuhr gelaufen bin, habe ich keinmal drauf gesehen,
lediglich die Rundenzeiten raus gestoppt beim Durchlauf.

Grüße,
Sebastian

20. Braunschweiger Nachtlauf (Bericht 2)
Autor: Elisabeth Mueller (2006-06-19 23:28:31)

Sebastian Hanelt schrieb:

>Oh, was für eine wechselhafte Vorbereitung. Am Montag hatte ich morgens
>noch gesagt, dass ich wohl ein Antibiotikum kriegen würde und mich nach
>10 Tagen Husten auf eine weitere längere Pause eingestellt.

Es sah ja gar nicht gut fuer Dich aus!

>Mittags
>kamen dann die auf Bakterien negativen (und für mich daher sehr
>positiven) Laborergebnisse und ich bekam die ärztliche Freigabe für den
>Wiedereinstieg ins Training.

Das hast Du hypsch formuliert.

>Also gleich am Abend bei 30 Grad gelaufen
>und fürchterlich gelitten. Der Puls raste, die Beine schmerzten.

Warum sollte Laufen auch Spass machen? ;-)

>Mit einem vorbildlichen Frühstart

Ein Fruehstart bei einem Nachtlauf? Ts ts ts.

>rannten gleich mal einige Wichtigtuer
>vorne weg und machten den Start somit zu einer prima Stolperpartie
>(sorry, aber ich habe für dieses Prinzip von "ich will mal ganz vorne
>sein" tatsächlich sehr wenig Verständnis, so schön es für die Jungs
>auch sein mag!).

Wenn es ganz junge sind: schlechte Einschaetzung.
Ansonsten fallen mir nur boese Gruende ein.

>Ich nehme es vorweg:
>ich konnte eine Verletzung in der Dunkelheit zum Glück vermeiden, aber
>an so mancher Bordsteinkante war es *sehr* knapp.

Da hast Du ja Glueck gehabt, dass Du nicht im Lazarett gelandet bist.

>An einer Straßenkreuzung hing das
>Flatterband etwas schlecht und ich wollte geradeaus laufen, bevor mich
>ein Polizist doch noch links schickte. Ich rief freundlich "komm mal
>näher ran, man sieht Dich ganz schlecht" und er rief genauso freundlich
>zurück "dafür bin ich aber nicht da!" Tolle Sache, warum steht er dann
>da rum, die Straße war doch eh gesperrt...? Egal. Aber es macht
>deutlich, dass man sich "hinten" in der Dunkelheit schon echt
>Beschäftigungen suchen musste, weil es da so einsam war. Nur Laufen -
>das kann ja jeder! ;-)

Toll.
Uebrigens: versuch mit einem oesterreichischen P. nie per du zu sein,
sonst kannst Du den Lauf vergessen.
>
>Nach der ersten Runde (Ziel etwa 200 Meter hinterm Start, also 3200
>Meter) hörte ich für Mario die Durchsage 9:55 und verschluckte mich
>fast vor Schreck. Ich selbst lief unter dem Gröhlen der Massen (hier
>waren sie wenigstens da und laut!) bei 10:11 zum ersten Mal unter dem
>Zielbanner durch. 3:11/km - unter meinem Schnitt bei der
>10.000-Bestzeit. Wenn das mal gut geht...

Klar, Du bist Sebastian.

> -- und dann
>wieder mein Polizistenfreund. Ich wollte wieder geradeaus (wer kann
>sich in einer fremden Stadt schon 30 dunkle Kurven merken!). Er rief
>"Mensch, hast dus noch nicht gelernt?" und ich hatte genug Luft für
>ein "red halt nix, lauf mit, das ist bei dem Tempo nicht so einfach,
>auch noch was zu lernen!" und bog, wie mir geheißen, links ab. ;-)

Der hat aber auch nix gelernt, der haette das Flatterband besser
binden koennen.

>Außerdem hatte ich jetzt alle
>Ellenbogen voll zu tun, um mir einen Weg freizuräumen. In zwei oder
>drei Fällen habe ich mich sogar dafür entschuldigt, wenn ich die Leute
>zu hart traf.

Huch, Du teilst ja richtig aus.

>Als ich auf die Zielgerade und kurz danach in den extra abgesperrten
>Zielkanal einbog, war ich mir meiner Sache sicher -- ich würde hier in
>persönlicher Streckenbestzeit ein tolles Comeback hinlegen. Nach 40:41
>(3:20/km, 10:07 für die letzten 3000) war ich als Zweiter im Ziel,
>Dominik kam nach 41:09, Mario hatte in ganz starken 38:48 gewonnen.

Herzlichen Glueckwunsch Euch dreien!

>Nach einem kurzen Plausch erst mit Dominik und dann mit
>Mario konnte ich mich auf den Heimweg machen, denn aufs Podest kommen
>beim Braunschweiger Nachtlauf nur die Sieger. Der zweite ist der erste
>Verlierer.

Da lob ich mir die Volkslaeufe, da ist der letzte noch ein Sieger.

>Wie ein Verlierer fühle ich mich aber wirklich nicht -- eher wie Phönix
>aus der... Bronchitis. Schön, wieder da zu sein, wo ich mich wohl fühle!

Ja!!
>
>Danke fürs Lesen und alle aufbauenden Worte während meiner Auszeit, vor
>allem einer gewissen Elisabeth! ;-)

Huch. Leute kennst Du.

Danke fuer den interessanten Bericht aus der Nacht.
Elisabeth

20. Braunschweiger Nachtlauf (Bericht 2)
Autor: Sebastian Hanelt (2006-06-20 09:00:28)

Am 19.06.2006 23:28 schrieb Elisabeth Mueller:
> Sebastian Hanelt schrieb:
>
>> Also gleich am Abend bei 30 Grad gelaufen
>> und fürchterlich gelitten. Der Puls raste, die Beine schmerzten.
>
> Warum sollte Laufen auch Spass machen? ;-)

Keine Ahnung. Aber Du hast natürlich recht.

>> Mit einem vorbildlichen Frühstart
>
> Ein Fruehstart bei einem Nachtlauf? Ts ts ts.

Ja, aber ich hatte das Dunkelheitsgebot gerade nicht dabei. Diese
Läuferhosen haben einfach keine Taschen.

>> An einer Straßenkreuzung hing das
>> Flatterband etwas schlecht und ich wollte geradeaus laufen, bevor mich
>> ein Polizist doch noch links schickte. Ich rief freundlich "komm mal
>> näher ran, man sieht Dich ganz schlecht" und er rief genauso freundlich
>> zurück "dafür bin ich aber nicht da!" Tolle Sache, warum steht er dann
>> da rum, die Straße war doch eh gesperrt...? Egal. Aber es macht
>> deutlich, dass man sich "hinten" in der Dunkelheit schon echt
>> Beschäftigungen suchen musste, weil es da so einsam war. Nur Laufen -
>> das kann ja jeder! ;-)
>
> Toll.
> Uebrigens: versuch mit einem oesterreichischen P. nie per du zu sein,
> sonst kannst Du den Lauf vergessen.

Mit einem Deutschen außerhalb von so einem Lauf glaube ich auch ;-)

>> bei 10:11 zum ersten Mal unter dem Zielbanner durch. 3:11/km -
>> unter meinem Schnitt bei der 10.000-Bestzeit. Wenn das mal gut
>> geht...
>
> Klar, Du bist Sebastian.

:-D Und Papst. Und Deutschland. Und ein wenig bescheuert, so schnell
loszulaufen.

>> -- und dann
>> wieder mein Polizistenfreund. Ich wollte wieder geradeaus (wer kann
>> sich in einer fremden Stadt schon 30 dunkle Kurven merken!). Er rief
>> "Mensch, hast dus noch nicht gelernt?" und ich hatte genug Luft für
>> ein "red halt nix, lauf mit, das ist bei dem Tempo nicht so einfach,
>> auch noch was zu lernen!" und bog, wie mir geheißen, links ab. ;-)
>
> Der hat aber auch nix gelernt, der haette das Flatterband besser
> binden koennen.

Nein, dafür war er doch gar nicht da. Hat er doch gesagt! ;-)

>> Außerdem hatte ich jetzt alle
>> Ellenbogen voll zu tun, um mir einen Weg freizuräumen. In zwei oder
>> drei Fällen habe ich mich sogar dafür entschuldigt, wenn ich die Leute
>> zu hart traf.
>
> Huch, Du teilst ja richtig aus.

Hätte ich anhalten, vorsichtig auf die Schulter klopfen und fragen
sollen, ob ich mal durch darf? Fahr mal mit dem Fahrrad mit 18 km/h
durch die sonntägliche Mittagsfußgängerzone von Wien. Und versuch dabei
mal zärtlich zu den Leuten zu sein, wenn Du die Pace nicht aufgeben
kannst, weil Du da durch musst...

>> Als ich auf die Zielgerade und kurz danach in den extra abgesperrten
>> Zielkanal einbog, war ich mir meiner Sache sicher -- ich würde hier in
>> persönlicher Streckenbestzeit ein tolles Comeback hinlegen. Nach 40:41
>> (3:20/km, 10:07 für die letzten 3000) war ich als Zweiter im Ziel,
>> Dominik kam nach 41:09, Mario hatte in ganz starken 38:48 gewonnen.
>
> Herzlichen Glueckwunsch Euch dreien!

Danke.

>> Nach einem kurzen Plausch erst mit Dominik und dann mit
>> Mario konnte ich mich auf den Heimweg machen, denn aufs Podest kommen
>> beim Braunschweiger Nachtlauf nur die Sieger. Der zweite ist der erste
>> Verlierer.
>
> Da lob ich mir die Volkslaeufe, da ist der letzte noch ein Sieger.

Das ist ein Volkslauf...

Grüße,
Sebastian

20. Braunschweiger Nachtlauf (Bericht 2)
Autor: Elisabeth Mueller (2006-06-25 23:03:45)

Sebastian Hanelt schrieb:

>Am 19.06.2006 23:28 schrieb Elisabeth Mueller:
>> Sebastian Hanelt schrieb:

>>> Mit einem vorbildlichen Frühstart
>>
>> Ein Fruehstart bei einem Nachtlauf? Ts ts ts.
>
>Ja, aber ich hatte das Dunkelheitsgebot gerade nicht dabei. Diese
>Läuferhosen haben einfach keine Taschen.

Eine Marktluecke! Es sollte sie geben. Da koennte man z.B. Zettel mit
Durchgangszeiten hineinstecken.
>
>>> ein Polizist doch noch links schickte. Ich rief freundlich "komm mal
>>> näher ran, man sieht Dich ganz schlecht" und er rief genauso freundlich

>> Toll.
>> Uebrigens: versuch mit einem oesterreichischen P. nie per du zu sein,
>> sonst kannst Du den Lauf vergessen.
>
>Mit einem Deutschen außerhalb von so einem Lauf glaube ich auch ;-)

Mein Vertrauen in das deutsche Rechtssystem ist wieder hergestellt.
>
>>> bei 10:11 zum ersten Mal unter dem Zielbanner durch. 3:11/km -
>>> unter meinem Schnitt bei der 10.000-Bestzeit. Wenn das mal gut
>>> geht...
>>
>> Klar, Du bist Sebastian.
>
>:-D Und Papst. Und Deutschland.

Vielleicht demnaechst Fussball-Weltmeister.

>Und ein wenig bescheuert, so schnell loszulaufen.

Ach, das sagen sie alle.

>>> Außerdem hatte ich jetzt alle
>>> Ellenbogen voll zu tun, um mir einen Weg freizuräumen. In zwei oder
>>> drei Fällen habe ich mich sogar dafür entschuldigt, wenn ich die Leute
>>> zu hart traf.
>>
>> Huch, Du teilst ja richtig aus.
>
>Hätte ich anhalten, vorsichtig auf die Schulter klopfen und fragen
>sollen, ob ich mal durch darf? Fahr mal mit dem Fahrrad mit 18 km/h
>durch die sonntägliche Mittagsfußgängerzone von Wien.

Das darf man hier nicht. Die Fussgaengerzone ist nur den Fussgaengern
und den Mercedesfahrern mit dunklen Scheiben vorbehalten.

>>> Nach einem kurzen Plausch erst mit Dominik und dann mit
>>> Mario konnte ich mich auf den Heimweg machen, denn aufs Podest kommen
>>> beim Braunschweiger Nachtlauf nur die Sieger. Der zweite ist der erste
>>> Verlierer.
>>
>> Da lob ich mir die Volkslaeufe, da ist der letzte noch ein Sieger.
>
>Das ist ein Volkslauf...

Auch wenn Du mitlaeufst? ;-)

Elisabeth

20. Braunschweiger Nachtlauf (Bericht 2)
Autor: Sebastian Hanelt (2006-06-25 23:29:18)

Am 25.06.2006 23:03 schrieb Elisabeth Mueller:
> Sebastian Hanelt schrieb:
>> Am 19.06.2006 23:28 schrieb Elisabeth Mueller:
>>> Sebastian Hanelt schrieb:

>> Hätte ich anhalten, vorsichtig auf die Schulter klopfen und fragen
>> sollen, ob ich mal durch darf? Fahr mal mit dem Fahrrad mit 18 km/h
>> durch die sonntägliche Mittagsfußgängerzone von Wien.
>
> Das darf man hier nicht. Die Fussgaengerzone ist nur den Fussgaengern
> und den Mercedesfahrern mit dunklen Scheiben vorbehalten.

Hier auch nicht, war ja auch nur ein Vergleich, dass es bei 18 km/h
nicht mehr so leicht ist, "nett" durch die Masse zu kommen.

>>>> Nach einem kurzen Plausch erst mit Dominik und dann mit
>>>> Mario konnte ich mich auf den Heimweg machen, denn aufs Podest kommen
>>>> beim Braunschweiger Nachtlauf nur die Sieger. Der zweite ist der erste
>>>> Verlierer.
>>> Da lob ich mir die Volkslaeufe, da ist der letzte noch ein Sieger.
>> Das ist ein Volkslauf...
>
> Auch wenn Du mitlaeufst? ;-)

Ja. Ein Straßenlauf war es nämlich per Definition nicht.

Grüße,
Sebastian

20. Braunschweiger Nachtlauf (Bericht 2)
Autor: Sebastian Hanelt (2006-06-17 21:57:32)

# Begin Template
[x] Ich habe den Bericht auf DRSL.de archiviert.
[x] Disclaimer: dieser Bericht ist ausschließlich für die Usenetgruppen
de.rec.sport.laufen.* bestimmt und darf darüber hinaus unter drsl.de
und damit verwandten Seiten gespeichert werden. Einer (auch auszugs-
weisen) Veröffentlichung außerhalb des Usenets stimme ich nicht zu.
Ausgenommen hiervon ist das Usenetarchiv groups.google.de.
[ ] Ich widerspreche der Archivierung auf DRSL.de.

Name des Laufes: 20. Braunschweiger Nachtlauf
Datum: 16.6.2006 (Fri)
Ort: Braunschweig
Postleitzahl: D3
Homepage (Veranstalter): http://www.nachtlauf-bs.de/
Ihr Name: Sebastian Hanelt
Ihre eMail-Adresse: usenet-sebastian at arcor de
Streckenlaengen: 3,2/6,2/12,2
Beschaffenheit: Innenstadtkurs, einige Bordsteine und teils
Kopfsteinpflaster
Profil: flach und kurvig
Wetter: 18 C dunkel
Teilnehmer: über 12,2 etwa 1500


Bericht:

Oh, was für eine wechselhafte Vorbereitung. Am Montag hatte ich morgens
noch gesagt, dass ich wohl ein Antibiotikum kriegen würde und mich nach
10 Tagen Husten auf eine weitere längere Pause eingestellt. Mittags
kamen dann die auf Bakterien negativen (und für mich daher sehr
positiven) Laborergebnisse und ich bekam die ärztliche Freigabe für den
Wiedereinstieg ins Training. Also gleich am Abend bei 30 Grad gelaufen
und fürchterlich gelitten. Der Puls raste, die Beine schmerzten.
Dienstag nicht besser. Mittwoch Pause und Donnerstag Prinzip Hoffnung
beim gut gemeinten Einlaufprogramm mit 2 Kilometern Tempotest, der sich
gar nicht so schlecht anfühlte. Freitag Mittag dann ein letzter kurzer
Test und trotz eines leichten Stechens in der Wade die Entscheidung,
tatsächlich in Braunschweif an den Start zu gehen. Was gibt es schon zu
verlieren, ein Formtest ist ein Formtest ist ein...

<Zeitsprung>
Um 22:35 stand ich an der Startlinie und wusste nicht so genau, was zu
erwarten war. Ich hatte Christian zugesehen, wie er über die 6,2
Kilometer Dritter geworden war und hatte mich dann locker eingelaufen.
Die Wade fühlte sich jetzt gut an. Aber ich war sehr unsicher, wie die
Form nach der Pause sein würde und vor allem, ob ich schon genug Luft
für einen langen Lauf haben würde. Als großer Favorit war Mario Burger
von der LG Braunschweig am Start, der vor einer Woche trotz sehr großer
Hitze in sub15 über 5000m Landesmeister wurde. Das war also die
unerreichbare Messlatte. Direkt in meinem Umfeld erwartete ich vor
allem Dominik Schrader, gegen den ich bei den
Bezirks-Crossmeisterschaften im Frühjahr verloren hatte und der dieses
Jahr auf der Straße schon unter 33 Minuten gelaufen ist (was ich auf
der Straße nicht bin). Einige unbekannte Gesichter waren ebenfalls da,
mit schnellen Triathleten aus der Bundesliga-Mannschaft von Wolfsburg
kann man in der Gegend sowieso immer rechnen.

Mit einem vorbildlichen Frühstart rannten gleich mal einige Wichtigtuer
vorne weg und machten den Start somit zu einer prima Stolperpartie
(sorry, aber ich habe für dieses Prinzip von "ich will mal ganz vorne
sein" tatsächlich sehr wenig Verständnis, so schön es für die Jungs
auch sein mag!). Hinter diesen Idioten übernahm, wie erwartet, Mario
sofort das Kommando. Ich ging erst einmal mit, vor allem in der
Hoffnung, dass er es etwas langsamer angehen lassen würde und ich
deshalb zunächst nicht in die Führungsarbeit müsste. Schon nach der
ersten Linkskurve nach etwa 300 Metern deutete sich allerdings an, dass
das nichts werden würde und Mario voll durchzog. Wir überholten den
letzten der frühgestarteten Klappsköppe und ich lief jetzt etwa 15
Meter hinter Mario auf Position zwei.

Die Streckenführung ist in Braunschweig typisch für einen Stadtlauf.
Mit vielen Kurven und durch die späte Startzeit im Dunkeln nicht immer
gut ausgeleuchtet. Während es im ersten Streckendrittel um Start-Ziel
herum noch hell und viel bevölkert war, war im zweiten und großteils
auch im dritten Streckendrittel überhaupt nix los, was die viermal zu
laufende 3-Kilometerrunde nicht spannender machte. Ich nehme es vorweg:
ich konnte eine Verletzung in der Dunkelheit zum Glück vermeiden, aber
an so mancher Bordsteinkante war es *sehr* knapp. Mario baute seinen
Vorsprung aus. Ich selbst hatte geschätzte 30 Meter Vorsprung auf
Dominik, das konnte ich vor allem immer dann hören, wenn für ihn der
Beifall hinter mir aufbrandete. An einer Straßenkreuzung hing das
Flatterband etwas schlecht und ich wollte geradeaus laufen, bevor mich
ein Polizist doch noch links schickte. Ich rief freundlich "komm mal
näher ran, man sieht Dich ganz schlecht" und er rief genauso freundlich
zurück "dafür bin ich aber nicht da!" Tolle Sache, warum steht er dann
da rum, die Straße war doch eh gesperrt...? Egal. Aber es macht
deutlich, dass man sich "hinten" in der Dunkelheit schon echt
Beschäftigungen suchen musste, weil es da so einsam war. Nur Laufen -
das kann ja jeder! ;-)

Nach der ersten Runde (Ziel etwa 200 Meter hinterm Start, also 3200
Meter) hörte ich für Mario die Durchsage 9:55 und verschluckte mich
fast vor Schreck. Ich selbst lief unter dem Gröhlen der Massen (hier
waren sie wenigstens da und laut!) bei 10:11 zum ersten Mal unter dem
Zielbanner durch. 3:11/km - unter meinem Schnitt bei der
10.000-Bestzeit. Wenn das mal gut geht... Kurz danach hörte ich eine
Anfeuerung für mich. Da Christian im hinteren Bereich stand, war das
wohl Michael Hoeding, mit dem ich vorher nur über drsl Kontakt hatte.
Zum Gucken fehlte aber die Zeit. Auf in die zweite Runde, die
eigentlich genauso wie die erste Runde verlief. Aus den Menschenmassen
in die Einsamkeit, Marios Vorsprung wuchs, hinter mir Dominik konstant
mit 30 Meter Abstand (wurde mir von Christian reingerufen) -- und dann
wieder mein Polizistenfreund. Ich wollte wieder geradeaus (wer kann
sich in einer fremden Stadt schon 30 dunkle Kurven merken!). Er rief
"Mensch, hast dus noch nicht gelernt?" und ich hatte genug Luft für
ein "red halt nix, lauf mit, das ist bei dem Tempo nicht so einfach,
auch noch was zu lernen!" und bog, wie mir geheißen, links ab. ;-)
Irgendwo in die Dunkelheit hinein begann ein Feuerwerk im Norden der
Stadt und ich fragte mich ganz ernsthaft, warum ich eigentlich nicht da
hinten bei dem bunten Licht... dann kamen zum Glück die ersten
vereinzelten Überrundungen und ich lief wieder in die Zuschauerpassage
hinein. Für diese 3000 Meter jetzt 10:00 (3:20/km). Das war schon eher
mein Tempo, Mario war jetzt natürlich weg.

Auf der dritten Runde wurde es trotz der zunehmenden Überrundungen
nicht spannender, aber deutlich unübersichtlicher. Der eine oder andere
Weg wurde in der Außenkurve somit länger, der Rhythmus schlechter, die
Beine müder und ich war mehr als einmal nahe dran, über einen der
Bordsteine oder auf dem Kopfsteinpflaster umzuknicken. Allerdings
gelang es mir noch immer, Dominik auf Distanz zu halten, er wurde also
auch langsamer. Die Überrundungen machten sich sofort in der Zeit
deutlich, die mit 10:23 aber noch im Rahmen meiner Erwartungen lag.
Nach 9200 Metern hatte ich also 30:34 -- eine sehr gute Zeit, mit der
ich so nicht unbedingt schon wieder gerechnet hatte -- es lief! Als es
diesmal in die Dunkelheit hinausging, half mir der Gedanke, dass ich
zum letzten Mal hier lang müsste. Außerdem hatte ich jetzt alle
Ellenbogen voll zu tun, um mir einen Weg freizuräumen. In zwei oder
drei Fällen habe ich mich sogar dafür entschuldigt, wenn ich die Leute
zu hart traf. Bei so was zeigen sich einfach die Grenzen solcher
Stadtläufe -- Mario hatte vorne wegen des Führungsfahrrades keine
Probleme mit laufenden Slalomstangen. In diesem Jahr kein Problem, sein
Vorsprung war groß genug, aber so etwas kann auch mal Rennen entscheiden
-- und dann ist es sehr ärgerlich!

Als ich auf die Zielgerade und kurz danach in den extra abgesperrten
Zielkanal einbog, war ich mir meiner Sache sicher -- ich würde hier in
persönlicher Streckenbestzeit ein tolles Comeback hinlegen. Nach 40:41
(3:20/km, 10:07 für die letzten 3000) war ich als Zweiter im Ziel,
Dominik kam nach 41:09, Mario hatte in ganz starken 38:48 gewonnen.
Hinter der Absperrung des Zielkanals konnte ich nun endlich Michaels
Frau und ihn selbst finden -- vielen Dank Euch beiden für die
Anfeuerung, die in jeder Runde gut zu hören war und mir sehr gut
geholfen hat! Nach einem kurzen Plausch erst mit Dominik und dann mit
Mario konnte ich mich auf den Heimweg machen, denn aufs Podest kommen
beim Braunschweiger Nachtlauf nur die Sieger. Der zweite ist der erste
Verlierer. Also schnappte ich meinen Rucksack und joggte im hinteren
Feld gut getarnt mit bis zum Parkhaus, da musste ich bis Mitternacht
sowieso raus, es war jetzt schon 23:40.

Wie ein Verlierer fühle ich mich aber wirklich nicht -- eher wie Phönix
aus der... Bronchitis. Schön, wieder da zu sein, wo ich mich wohl fühle!

Danke fürs Lesen und alle aufbauenden Worte während meiner Auszeit, vor
allem einer gewissen Elisabeth! ;-)


# Vielen Dank fuer die Verwendung dieses Templates
# Ihr DRSL.de-Team