[Bericht] Rennsteig Supermarathon - Die etwas andere Huldigung des Laufgotts
Autor: joergs spameater@t-online.de (Joerg Levermann) (2006-05-23 12:26:34)
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Name des Laufes: 34. GutsMuths-Rennsteiglauf
Datum: 20.5.2006 (Sat)
Ort: Eisenach / Neuhaus / Oberhof / Schmiedefeld
Postleitzahl: D9
Homepage (Veranstalter):
http://www.rennsteiglauf.de/index/rennsteiglauf/allgemeines/index.html
Ihr Name: Jörg Levermann
Ihre eMail-Adresse: joergs spameater at t-online de
Streckenlaengen: HM, M (43.5 km), SM (72.7km)
Beschaffenheit: Waldboden, Waldwege, teilweise sehr steinig, kaum
Asphalt
Profil: Sehr anspruchsvolle Strecke mit in der Summe ca. 1.800 m
Aufstieg und 1.300 m Abstieg
Wetter: Beim Start ca 8° C, sonnig, ab Mittag fallende Temp. auf ca. 3°
C, heftige Regenschauer
Teilnehmer: 1.633 gestarte, 1.541 im Ziel (Supermarathon)
Bericht:
Der erste "richtige" Ultramarathon
Die Entscheidung, den Supermarathon anzugehen fiel endgültig im Januar,
nachdem sich mein rechtes Schienbein wieder beruhigt hatte. Seit
September 2005 verlangte es nach einer längeren Laufpause und
unterstrich dieses Verlangen mit einem Schienbeinkanten-Syndrom (Shin
splints). Sehr unangenehm und langwierig. Daher konnte ich erste kurz
vor Weihnachten wieder ganz vorsichtig mit dem Training beginnen. Erst
Mitte Januar hatte ich das Gefühl, mit genügend Vorbereitung meinen
ersten "richtigen" Ultramarathon meistern zu können.
Übung macht den Meister
Aus der Erfahrung des vergangenen Jahres, die wöchentlichen
Kilometerumfänge nicht zu schnell zu steigern, hatte ich mir das Ziel
gesetzt, die Kilometerleistung langsam, aber kontinuierlich auf etwa
100 bis 120 Wochenkilometer hochzuschrauben. In den letzten beiden
Wochen vor dem Rennsteig-Supermarathon wollte ich das Training
reduzieren. Bis auf das Wochenende vor dem Lauf hat das auch prima
geklappt. Ich wollte auch nur noch 24 km laufen am Samstag davor
laufen. Aber irgendwie war das so schön, dass daraus doch wieder 31 km
in 2:45 wurden. Aber egal. Man lebt nur einmal! :-)
Auf zum Shangri-la der Läufer
Bereits am Freitag Morgen bin ich bei Gero Mensel (aka Slowy im
Kilometerspiel und im Berlin-Marathon-Forum) mitgefahren. Er hatte sich
die Route über Map24 heraus gesucht. So kamen wir in den Genuss das
andere Schmiedefeld wenigstens auf der Durchreise mal gesehen zu haben.
:-) So mussten wir also noch mal rund 40 bis 50 km durch den Thüringer
Wald fahren um dann doch noch das wahre, das echte Shangri-la der
Läufer zu erreichen. Ein Teil der Läufer-Gemeinde hatte sich bereits
versammelt und wie wir ihr Basislager im Ashram Schmiedefeld
aufgeschlagen und wartete darauf, dem Laufgott am folgenden Tag zu
huldigen. Nachdem auch wir unsere Zelte errichtet hatten, machten wir
uns bepackt mit dem Nötigsten auf den Weg nach Eisenach.
Mit der Pilger-Bahn nach Eisenach
Unterwegs trafen wir in Bus und Bahn weitere Jünger, deren verklärter
Gesichtsausdruck erahnen ließ, das mir etwas Besonderes bevor stand.
Die Huldigung des Laufgottes wird in Eisenach auf ganz herausragende
Art und Weise zelebriert. Nach der Ausgabe der Startunterlagen - ich
glaube das war im Rathaus - versammelten sich die Pilger im Festzelt
zum rituellen Kloß-Essen, mit Rotkohl und Gulasch. Das Essen war
hervorragend. Obwohl ich nicht so häufig Fleisch esse, fand ich das
Gulasch wirklich sehr gut. Es war ganz mager, ohne Fett. Dazu gab es
aus gläsernen Halbliter-Kultgefäßen einen schwarzen,
schäumenden Saft
aus vergorener Gerste. Wohlwissend der Mahnung von Elisabeth, die sie
mir in der 18 KW in drslt
gab(), dem Bier etwas mehr
Zurückhaltung entgegen zu bringen, konnte ich nicht darauf verzichten,
da es ja zum Ritual der Huldigung des Laufgotts am Rennsteig gehört.
Mit dem Kultgetränk wird die Läuferschar auch mental auf die
kommenden
72.700 m lange Strecke mit etwa 1.800 Höhenmetern Aufstieg und 1.300 m
Abstieg eingestellt und darüber hinaus mit der notwendigen Bettschwere
versorgt. Aufkommende Angstgefühle werden somit im Keim erstickt.
Am Rande der Huldigungsfeierlichkeiten treffe ich viele Pilger aus dem
Forum des Berlin-Marathons, Sektenmitglieder der Deutschlandstaffel
2004 und natürlich drsl-Jünger wie Matthias Rosenkranz, Frank Polzius
und Günther Erhard. Es wird gefachsimpelt, und wir freuen uns auf den
nächsten Morgen, an dem die eigentliche Zeremonie beginnt. Nach zwei
weiteren Kult-Getränken und einem Schokoladeneis machen wir uns auf den
Weg in unsere Quartiere. Ein Kleinbus, der von den Messdienern des
Rennsteig-Ordens organisiert wurde, brachte uns in wenigen Minuten zu
einer Schule, in der wir in Klassenräumen übernachteten. Nachdem der
Schlafplatz eingerichtet war, trank ich noch mit Pilger Thomas
Radzuweit aus Hamburg ein, zwei weitere kultische Getränke - diesmal in
hell. Hach, Bier und Zigaretten - da bin ich doch schwach geworden....
Es waren aber nur drei oder vier am ganzen Abend. Endlich war ich müde
genug, um zu schlafen.
Die Nacht verging wie im Flug. Lange vor Sonnenaufgang packte ich wie
die übrigen Pilger mein Gepäck zusammen, nahmen ein karges
Frühstück
ein und fuhr mit dem Bus zum Startplatz. Es dauert auch nicht lange,
bis sich alle 1.633 Sektenmitglieder am Start versammelt haben.
Inzwischen war es hell geworden. Es herrschte eine entspannte
Atmosphäre, kaum zu glauben, dass in wenigen Minuten mit der
eigentlichen Huldigung des Laufgottes begonnen werden sollte. Thomas
nutzt die Gelegenheit und pafft sich noch schnell eine. Später hat er
wohl noch zwei "Rauchpausen" eingelegt, wie er mir gestern in einer
E-Mail offenbarte - unglaublich!
Laugott-Pilger im Laufschritt
Ich treffe noch Alex und Karsten aus Berlin und schieße noch ein
"Vorher-Foto". Etwa fünf Minuten vor dem Start werden die
Gläubigen
doch etwas unruhig und drängen zum Starttor. Der Tempelhüter
erzählt
das der Ober-Lauftempelmeister noch unterwegs sein soll und die
Zeremonie am Rennsteig einleiten wird. In der Zwischenzeit stimmt der
Tempelwächter die Hymne der Rennsteig-Jünger an: das Rennsteiglied.
Endlich ist es so weit, der Priester ist eingetroffen und schickt die
Pilgerschar ohne lange Predigt mit einem Revolverschuss auf die
Pilger-Reise nach Schmiedefeld.
Im gemütlichen Laufschritt geht es durch die Fußgängerzone,
vorbei am
Marktplatz, durch das Stadttor, danach rechts um die Ecke und
anschließend gleich bergan. Die ersten 25 km geht es nur bergauf und
das in unterschiedlicher Steigung. Das Wetter ist traumhaft. Genau
richtig. Die Strahlen der Morgensonne erwärmen hier und da den
Waldboden und die Wiesen. Dunst steigt auf und verleiht dem Wald das
magische Rennsteig-Flair. Um die gesamte Zeremonie der
Laufgott-Huldigung bis nach Schmiedefeld überhaupt durchhalten zu
können, habe ich mir eine Taktik überlegt. Nämlich gar keine.
Einfach
nach Gefühl laufen und gesund ankommen. Denn schließlich will ich ja
den Höhepunkt, die abendliche Messe im Festzelt in Schmiedefeld noch
erleben. ;-)
Kilometer fünf erreiche ich nach knapp 39 Minuten, was mir sehr langsam
vor kommt. Wie sich später heraus stellt, war das Schild etwa bei km 5,7
aufgestellt. Die Steigungen nehme ich mühelos im Laufschritt, wobei mein
Herzfrequenzmesser zum Mond geht. Er zeigt 128 Schläge pro Minute an.
Ist aber auch egal. Am Verpflegungspunkt Glasbachwiese bei km 17,9
treffe ich Alex. Gut sieht er aus. Er wundert sich, dass ich vor ihm
bin. Ich mache mich bald weiter auf den Weg. Zwar begebenen wir uns
unterwegs noch öfter, aber irgendwann bin ich weit vor ihm.
Mit sich, der Landschaft und der Bewegung, der Auseinandersetzung am
Berg eins zu werden, den Zustand der Trance zu erlangen, vielleicht ist
es das, was die Pilgerschar hier sucht. Dazu hat die Strecke auch zwei
Hürden zu bieten: der Große Inselsberg mit etwa 916 m ü. N.N.,
der
Große Beerberg mit 974 m ü. N.N.. Weitere Hügeln würzen
die Strecke
zwischen diesen Spitzen, sie sind das Salz in der Suppe! Noch herrscht
aufgeschlossene Geschwätzigkeit, die aber in Stille wechselt, als wir
die letzten hundert Höhenmeter zum Inselsberg erklimmen. Ich versuche,
soweit es geht im Laufrhythmus zu bleiben, spüre aber bald wie die
Herzfrequenz deutlich zunimmt, beschließe deshalb nicht meine gesamte
Energie schon jetzt zu verpulvern und gehe das steilste Stück. Der
Waldweg führt nahezu senkrecht den Hang hinauf. Wurzeln bilden auf dem
Weg kleine Plateaus, die wie Treppenstufen anmuten. Schon bald wird der
Weg etwas flacher und ich kann wieder mit kleinen Trippelschritten in
den Laufschritt übergehen. Ich empfinde das als angenehmer, da ich dann
wieder schnell in meinen Rhythmus komme.
Kurz vor dem Gipfel treffe ich erneut Alex, der sich erst mal seinen
Schuh zubinden muss. Oben, auf dem Gipfel bietet sich ein
Atemberaubender Blick. Zwischen zwei Häusern blickt man in die Ferne
und sieht die Höhenzüge des Thüringer Waldes, an deren
Hängen
Wolkenbänke herauf kriechen. Ein Anblick, den ich im Foto festhalten
will. Dann geht es im Laufschritt wieder Abwärts. In der Kurve stehen
Zuschauer und applaudieren. Einer fragt mich, ob er mich mal
fotografieren solle. "Na klar", antworte ich, drücke ihm meine
Kamera
in die Hand. "Aber Moment, ich lauf noch mal ein Stück rauf, damit
das
Bild nicht so gestellt wirkt", sage ich noch und sprinte unter dem
Gelächter des Publikums noch einmal gut 15 bis 20 Meter zurück, den
Berg rauf. Es wird ein tolles Foto! :-)
Der Abstieg vom Inselsberg ist so ziemlich das fieseste, was ich bisher
gesehen habe. Laufen ging nicht. Ich habe Angst, mich auf die Nase zu
legen und gehe vorsichtig mit kleinen Schritten den Berg hinunter. Das
zieht gehörig in den Oberschenkeln. Nach wenigen Kilometern erreichen
wir den Verpflegungspunkt an der Grenzwiese. Eine gute Gelegenheit noch
einmal den berühmten Schleim zu genießen. Es ist kaum Vorstellbar,
dass
die Zeremonie ohne Schleim überhaupt machbar wäre. Er gehört
einfach
dazu! :-) An jedem Verpflegungstand gibt es andere
Geschmacksrichtungen. Die ist übrigens entlang der gesamten Strecke
vorbildlich. Als Getränke gab es gesüßten Tee, Mineralwasser,
Cola,
Bionade, ab km 50 Schwarzbier, zu Essen gab es Graubrot mit Schmalz,
Weißbrot mit Butter, Bananen, Äpfel, Wiener Würstchen,
Brühe und eben
den Schleim.
Ich habe noch so ungefähr das Profil der Strecke in Erinnerung. Demnach
verläuft der Weg jenseits des großen Inselsberges nur noch über
kleinere
Hügel. Die haben es zum Teil aber dennoch in sich. Ich lasse mich
treiben, laufe mein Tempo und habe das Gefühl gut dabei voran zu
kommen, schätzungsweise mit 5:30 oder 6 Minuten pro Kilometer. Soweit
die Anstiege nicht zu steil sind tipple ich mit kleinen Schritten rauf
und überhole dabei die Geher. Gelegentlich quatsche ich mit anderen
Pilgerinnen und Pilgern, die allesamt einen glücklichen und zufriedenen
Eindruck machen. An jeder Verpflegungsstelle nehme ich auch Schleim zu
mir. Bis Kilometer 40 komme ich gut voran, spüre zwar schon die
Anstrengung, habe aber nie das Gefühl, überfordert zu sein.
Das Wetter verschlechtert sich nun zunehmend und es wir rasch kühler.
Erste Regentropfen fallen. Ich bin froh, dass ich am Morgen noch ein
T-Shirt in einen zweiten Bauchgurt gepackt habe, zusammen mit dem
MP3-Plärrer, der für alle Fälle mit musste. Ich streifte das
T-Shirt
über das Langarm-Shirt und befestigte wieder die Ärmel an der
dünnen
Laufjacke und glaubte damit für kommende Wetterkapriolen bestens
gewappnet zu sein. Der Wind hat inzwischen deutlich zugenommen und
treibt den Regen in den Böen waagerecht durch die Luft. So lange ich in
Bewegung bleibe, friere ich nicht, trotz kurzer Laufhose.
Laufen wie in Trance
Langsam werden die Beine schwerer und die Gespräche mit übrigen
Pilgern
einsilbiger, besonders bei männlichen Gesprächspartnern. Ich hefte
mich
an zwei paar Beine, die zu blonden Pilgerinnen gehören. Sie laufen
exakt mein Tempo am Berg. Wunderbar. Mein Blick ist wie in Trance an
den Waden dieser Wallfahrerinnen festgenagelt. Wie ein Gespann, es
fehlen nur noch die Zügel. Es zieht mich den Berg rauf. Das ist echt
irre! Doch bald wird der Weg flacher und ich werde schneller, ziehe mit
den beiden Mädels gleich und strahle sie an. "Ihr seht super aus! Der
wievielte Rennsteig ist das für Euch?" frage ich. Sie strahlen
zurück
und antworten, dass es ihr erster sei. Da ich nun meine Schritte aber
wieder etwas größer werden, ziehe ich vorbei. Wir begegnen uns
unterwegs noch öfter.
Ab Kilometer 55 wird es noch schwerer. Ich begegne immer wieder den
gleichen Läuferinnen und Läufern. An den Steigungen lasse ich mich
ein
Stück ziehen, bis sie anfangen zu gehen und ich im Trippelschritt an
ihnen vorbei trotte. Wenn es zu steil wird, funktioniert auch das nicht
mehr und ich muss in den normalen Gang wechseln. Aber mir gelingt es auf
diese Weise bis zum großen Beerberg, dem höchsten Punkt der Strecke,
etliche Läufer einzusammeln. Seit km 50 sind die Gespräche so
einsilbig
geworden, dass ich mich nun von Techno-Klängen und Hindi-Pop berieseln
lasse. Jenseits des Beerbergs wird geht es vorwiegend bergab und ich
laufe ein ziemlich flottes Tempo, zumindest habe ich das Gefühl, dass
es schnell ist. Harte Techno-Beats von 666 und den Warp Brothers
prügeln mich dem Ziel entgegen und psychedelische Beats der Indian
Vibes (Sitar Jam) aus den 60ern lassen meine schmerzenden Oberschenkel
in Vergessenheit geraten. "Es kann nicht mehr weit sein", denke ich.
Mir ist unangenehm kalt, will nur noch ins Ziel kommen, freue mich
schon auf die warme Dusche, auf das Laufgott-Ritual im Festzelt. Doch
es zieht sich. Die Kilometer dehnen sich in die Länge, aber ich komme
dennoch voran. Bald führt die Strecke nur noch bergab, endlich weg von
den zugigen Höhen. Im Wald und in Tallage geschützt vor dem Wind
geht
es jetzt in flottem Schritt Schmiedefeld entgegen. Ich ziehe die
Stöpsel des Plärrers aus den Ohren. Ich brauche sie nicht mehr und
will
die echte Stimmung im Ziel genießen. Bald höre ich schon den
Stadionsprecher, der die laufenden Pilgerinnen und Pilger mit Namen am
Ziel begrüßt. Als ich um die letzte Kurve vor dem Ziel biege und das
Tor sehe, bin ich außer mir, lasse es laufen. Nein, nicht genug, ich
beschleunige, gebe noch mal alles, was da ist. Reiße mir mein Käppi
vom
Kopf, die Arme in die Luft und renne mit dem Käppi um mich schleudernd,
wild johlend über die Matten im Ziel. Ich kann kaum bremsen, renne fast
an den Mädels vorbei, die die Medaillen an die Finisher überreichen.
Ich
bin überglücklich und kann es kaum fassen im Ashram Schmiedefeld
angekommen zu sein. Nach und nach erreichen auch alle, die ich überholt
habe das Ziel und ich bedanke mich bei meinem blonden "Gespann".
Unglaublich: 72,7 Kilometer liegen hinter mir! Noch im Finisher-Taumel
laufe ich orientierungslos im Zielbereich umher, trinke etwas, quatsche
mit selig dreinblickenden Menschen. Doch bald wird mir wahnsinnig kalt
und ich muss mir meinen Rucksack holen. Der liegt auf der
"Taschenwiese", was eigentlich schon alles sagt. Er liegt im Regen.
Hoffentlich sind wenigstens ein Teil meiner Sachen trocken geblieben.
Doch zwischen meinen Sachen und mir haben sich die Veranstalter noch
etwas ganz besonderes einfallen lassen: Eine Treppe, die zur Wiese
hinunter führt. Auaha! :-) Aber auch diese "Hürde" habe ich
genommen.
Nach der Dusche und dem Finisher-Bier ging es mir schon wieder prächtig
und ich freute mich schon auf die abendliche Laufgott-Messe im Festzelt.
Dort traf ich auch bald Frank und Günther. Wir tranken noch zusammen von
diesem schwarzen Kult-Getränk und waren allesamt zufrieden. Schade, dass
die beiden schon so früh mit dem Bus nach Eisenach zurück mussten.
Denn
Volksmusiker Hans "Dingenskirchen" und die Tanzband Hess brachten die
Pilgerschar zu rituellen Tänzen auf die Tische. Fast ekstatisch kam mir
das vor. Die Masse war rasend. Klasse! (O.K. vielleicht ein wenig
übertrieben beschrieben - oder doch nicht?)
Später traf ich Tim, der ja noch ein Quartier bei mir im Zelt bekommen
sollte. Irgendwie hatten wir uns telefonisch immer verpasst. Er hat das
Zelt aber doch noch gefunden. Nach einem weiteren schwarzen
Ritual-Getränk befanden wir, dass wir für heute dem Laufgott genug
gehuldigt hätten und krochen ins Zelt.
Ooops, so viel wollte ich gar nicht schreiben, aber ich war so
irgendwie drin....
Nachwort:
Nachdem wir unser Camp abgebrochen hatten trafen wir und mit Tim und
Sylvia an einer Autobahngaststätte, um zu frühstücken. Ich
hätte bei
der Gelegenheit eine Behindertentoilette benutzen sollen. Ich wusste
nämlich nicht, wie ich ohne Haltegriffe sooo tief auf die Brille runter
kommen sollte. :-)
Beste Grüße
Jörg
# Vielen Dank fuer die Verwendung dieses Templates
# Ihr DRSL.de-Team
--
Joerg Levermann
http://www.rund-berlin.de - Der Etappenlauf rund um die
Hauptstadt
Autor: joergs spameater@t-online.de (Joerg Levermann) (2006-05-23 18:27:11)
Autor: joergs spameater@t-online.de (Joerg Levermann) (2006-05-23 18:27:11)
Das hatte ich ganz vergessen zu erwähnen: Für die Strecke habe ich
8:39:56 gebraucht. Ich bin sehr zufrieden damit, denn ich wollte bei
meinem Debüt am Rennsteig deutlich unter zehn Stunden bleiben.
Beste Grüße
Jörg
--
Joerg Levermann
http://www.rund-berlin.de - Der Etappenlauf rund um die
Hauptstadt
Autor: Frank Polzius (2006-05-23 19:23:25)
Joerg Levermann schrieb:
> Die Entscheidung, den Supermarathon anzugehen fiel endgültig im
Januar,
Gute Entscheidung!
> Er hatte sich
> die Route über Map24 heraus gesucht. So kamen wir in den Genuss das
> andere Schmiedefeld wenigstens auf der Durchreise mal gesehen zu haben.
Oops
> Mit dem Kultgetränk wird die Läuferschar auch mental auf die
kommenden
> 72.700 m lange Strecke mit etwa 1.800 Höhenmetern Aufstieg und 1.300
m
Offiziell sinds rauf knapp 1500m und runter knapp 1000m. Meine Uhr hat
rauf knapp 1800m gemessen, wegen des stetig schlechter werdenden Wetters
und dem Luftruckabfall ist die Messung wohl aber nicht sehr genau.
[Diverse Biere gesnippt]
> Die Nacht verging wie im Flug. Lange vor Sonnenaufgang packte ich wie
> die übrigen Pilger mein Gepäck zusammen, nahmen ein karges
Frühstück
> ein und fuhr mit dem Bus zum Startplatz.
Du hast vergessen, Deine Teezeremonie zu erwähnen.
> Das Wetter ist traumhaft.
Noch...
> Mit sich, der Landschaft und der Bewegung, der Auseinandersetzung am
> Berg eins zu werden, den Zustand der Trance zu erlangen, vielleicht ist
> es das, was die Pilgerschar hier sucht.
http://www.drsl.de?sig%2
> Der Abstieg vom Inselsberg ist so ziemlich das fieseste, was ich bisher
> gesehen habe. Laufen ging nicht. Ich habe Angst, mich auf die Nase zu
> legen und gehe vorsichtig mit kleinen Schritten den Berg hinunter. Das
> zieht gehörig in den Oberschenkeln.
Im letzten Jahr hat mit jemand empfohlen, das steilste Stück hier
rückwärts
zu laufen. Habe ich auch probiert, aber schnell wieder sein gelassen. Das
will erst mal geübt werden...
> Es ist kaum Vorstellbar, dass
> die Zeremonie ohne Schleim überhaupt machbar wäre. Er
gehört einfach
> dazu! :-)
Absolut
> Bis Kilometer 40 komme ich gut voran, spüre zwar schon die
> Anstrengung, habe aber nie das Gefühl, überfordert zu sein.
So muss das sein.
> Das Wetter verschlechtert sich nun zunehmend und es wir rasch kühler.
> Erste Regentropfen fallen. Ich bin froh, dass ich am Morgen noch ein
> T-Shirt in einen zweiten Bauchgurt gepackt habe, zusammen mit dem
> MP3-Plärrer, der für alle Fälle mit musste. Ich streifte
das T-Shirt
> über das Langarm-Shirt und befestigte wieder die Ärmel an der
dünnen
> Laufjacke und glaubte damit für kommende Wetterkapriolen bestens
> gewappnet zu sein.
Bei der Ausrüstung musst du dir im nächsten Jahr unbedingt einen
Sherpa
mieten. SCNR
> Bald höre ich schon den
> Stadionsprecher, der die laufenden Pilgerinnen und Pilger mit Namen am
> Ziel begrüßt.
Besonders nett fand ich den, der dort stand wo die Skipiste den Weg kreuzt
und jedem zurief: "Jetzt die letzten zweieinhalb zum geniessen".
Dabei
hatte ich die ersten 70 auch schon genossen. Aber ab dort bis ins Ziel war
dann wirklich nur noch "Schaulaufen und Dauergrinsen" angesagt.
> Tor sehe, bin ich außer mir, lasse es laufen. Nein, nicht genug, ich
> beschleunige, gebe noch mal alles, was da ist. Reiße mir mein
Käppi vom
> Kopf, die Arme in die Luft und renne mit dem Käppi um mich
schleudernd,
> wild johlend über die Matten im Ziel.
Ist das Finisher-Video schon online?
> Nach der Dusche und dem Finisher-Bier ging es mir schon wieder
prächtig
> und ich freute mich schon auf die abendliche Laufgott-Messe im Festzelt.
> Dort traf ich auch bald Frank und Günther. Wir tranken noch zusammen
von
> diesem schwarzen Kult-Getränk und waren allesamt zufrieden.
Sehr zufrieden!
>
> Beste Grüße
>
>
> Jörg
Gruß, Frank
Autor: joergs spameater@t-online.de (Joerg Levermann) (2006-05-23 20:29:02)
Frank Polzius wrote:
> Ist das Finisher-Video schon online?
Nee, aber die Fotos sind schon online.
Beste Grüße
Jörg
(Startnummer 933)
--
Joerg Levermann
http://www.rund-berlin.de - Der Etappenlauf rund um die
Hauptstadt
Autor: Matthias Rosenkranz (2006-05-24 12:45:30)
Joerg Levermann schrieb:
> Bereits am Freitag Morgen bin ich bei Gero Mensel (aka Slowy im
> Kilometerspiel und im Berlin-Marathon-Forum) mitgefahren. Er hatte sich
> die Route über Map24 heraus gesucht. So kamen wir in den Genuss das
> andere Schmiedefeld wenigstens auf der Durchreise mal gesehen zu haben.
Bei wetteronline.de ist mir aufgefallen, dass es noch ein Schmiedefeld
in Thüringen gibt. Ihr seid da echt hingefahren? Lol.
> Nach der Ausgabe der Startunterlagen - ich
> glaube das war im Rathaus - versammelten sich die Pilger im Festzelt
> zum rituellen Kloß-Essen, mit Rotkohl und Gulasch. Das Essen war
> hervorragend. Obwohl ich nicht so häufig Fleisch esse, fand ich das
> Gulasch wirklich sehr gut. Es war ganz mager, ohne Fett.
Ja, war echt okay. Normalerweise versuche ich Fleisch vor Wettkämpfen
zu vermeiden um Verdauungsproblemen vorzubeugen - das war aber kein
Problem.
> Schlafplatz eingerichtet war, trank ich noch mit Pilger Thomas
> Radzuweit aus Hamburg ein, zwei weitere kultische Getränke - diesmal
in
> hell. Hach, Bier und Zigaretten - da bin ich doch schwach geworden....
> Es waren aber nur drei oder vier am ganzen Abend.
Also ca. ein halbes Dutzend Biere und dann auch noch geraucht - unglaublich.
> In der Zwischenzeit stimmt der
> Tempelwächter die Hymne der Rennsteig-Jünger an: das
Rennsteiglied.
Ich hasse Volksmusik. Die Musik beim Start und gelegentlich unterwegs war
wirklich grauenhaft. Ich überlege, beim nächsten Mal den MP3-Player
mitzunehmen, obwohl ich das bei Wettkämpfen eigentlich ablehne.
> Kilometer fünf erreiche ich nach knapp 39 Minuten, was mir sehr
langsam
> vor kommt. Wie sich später heraus stellt, war das Schild etwa bei km
5,7
> aufgestellt.
Ich hätte eher auf km 6,0 oder 6,1 getippt. Ich bin mit 30:48 durch, bei
km 10 mit 49:55.
> Der Abstieg vom Inselsberg ist so ziemlich das fieseste, was ich bisher
> gesehen habe.
Das war wirklich ätzend. Sausteil und komplett asphaltiert. Auf Treppen
oder (zum Teil) im Gelände kann man wenigstens den Fuß flach
aufsetzen,
aber hier musste man den Fuß immer weit nach vorne klappen. Und laufen
lassen ging nicht, viel zu steil.
[snip ganz viel]
> Unglaublich: 72,7 Kilometer liegen hinter mir!
Super. Bei dir hatte ich ehrlich gesagt Bedenken, ob du das schaffst. Und
dann warst du sogar noch schneller als Günther.
> etwas ganz besonderes einfallen lassen: Eine Treppe, die zur Wiese
> hinunter führt. Auaha! :-)
Da bin ich auch böse runtergeeiert.
Gruß Matthias
Autor: joergs spameater@t-online.de (Joerg Levermann) (2006-05-25 08:10:43)
Matthias Rosenkranz wrote:
> Bei wetteronline.de ist mir aufgefallen, dass es noch ein Schmiedefeld
> in Thüringen gibt. Ihr seid da echt hingefahren? Lol.
Jau, genau da sind wir hin.
> Also ca. ein halbes Dutzend Biere und dann auch noch geraucht -
unglaublich.
Na, jetzt übertreibst Du aber. So viel kann das gar nicht gewesen sein,
sonst hätte ich am nächsten Morgen gar nicht an den Start gehen
können.
Außerdem hat mich ja Elisabeth ermahnt, mich zurückzuhalten. :-)
> Ich hasse Volksmusik. Die Musik beim Start und gelegentlich unterwegs war
> wirklich grauenhaft.
Ach, so schlimm finde ich das gar nicht, obwohl ich auch nicht so auf
Musik á la Mutantenstadel stehe. Aber schließlich ist der
Rennsteiglauf
ja auch eine Art Volksfest. Das passt das schon.
> Ich überlege, beim nächsten Mal den MP3-Player
> mitzunehmen, obwohl ich das bei Wettkämpfen eigentlich ablehne.
Ich nutze ihn hauptsächlich im Training und beim Rennsteiglauf hatte ich
ihn als "Schrittmacher" mit. Ich bilde mir ein damit schneller laufen
zu
können. :-)
> Ich hätte eher auf km 6,0 oder 6,1 getippt.
Frank Polzius hatte mit seinem GPS wohl 6,7 gemessen, glaube ich.
> km 10 mit 49:55.
Ui, das ist aber fix. Das bin ich vorletztes Jahr beim Silvesterlauf auf
ebener Strecke gelaufen und habe dabei aus dem letzen Loch gepfiffen.
> Super. Bei dir hatte ich ehrlich gesagt Bedenken, ob du das schaffst.
Wie kommst Du darauf? Ich hatte da nie einen Zweifel dran, dass ich das
schaffe! :-)
Im Nachhinein glaube ich, dass ich sogar noch hätte deutlich schneller
laufen können, wenn ich noch die Zeit gefunden hätte in der
Vorbereitung
Bergsprints und Treppenläufe zu machen. Macht aber nix, da für mich
sowieso die Priorität auf dem Ankomen lag.
> Und
> dann warst du sogar noch schneller als Günther.
Was mich besonders freut, ist, das ich deutlich schneller war, als mein
Kumpel Alex. Der ist doch vergangenes Jahr den Berlin-Marathon in 3:30
gelaufen - es war sein zweiter Marathon überhaupt. Auf die Frage, wie er
das geschafft hat, meinte er: "Ach, Jörg, du musst das einfach
durchlaufen." Genauso habe ich ihm das auch nach de Rennsteig gesagt, er
müsse das einfach durchlaufen! ;-)
Beste Grüße von
Jörg,
der schon wieder laufen will. Aber die Oberschenkel wollen noch nicht.
--
Joerg Levermann
http://www.rund-berlin.de - Der Etappenlauf rund um die
Hauptstadt
Autor: Frank Polzius (2006-05-25 12:34:29)
Joerg Levermann schrieb:
>> Ich hätte eher auf km 6,0 oder 6,1 getippt.
>
> Frank Polzius hatte mit seinem GPS wohl 6,7 gemessen, glaube ich.
>
5,7-5,8 (kein GPS sondern Polar S625X)
Gruß, Frank
Autor: Frank Polzius (2006-05-25 12:40:49)
Frank Polzius schrieb:
> Joerg Levermann schrieb:
>
>>> Ich hätte eher auf km 6,0 oder 6,1 getippt.
>>
>> Frank Polzius hatte mit seinem GPS wohl 6,7 gemessen, glaube ich.
>>
> 5,7-5,8 (kein GPS sondern Polar S625X)
>
> Gruß, Frank
Hab gerade nochmal in die Aufzeichung geschaut:
5,866km bei der erste Zwischenzeit am 5km Schild.
Im Ziel zeigte die Uhr übrigens 73,4km an. 700m Abweichung auf über
70km
finde ich zimlich genau. Nach Übertragung in die Software - die immer
etwas
andere Sreckenlängen ausweist (da wird wohl anders gerundet und
aufsummiert) - sind es exakt 72,7km. Da soll nochmal einer sagen, die S625X
wäre nicht genau genug...
Frank
