[Bericht] 27.Harzquerung
Autor: Udo kliche (2006-05-02 12:13:02)
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[ ] Ich widerspreche der Archivierung auf DRSL.de.
[X] Ich habe den Bericht auf DRSL.de archiviert.
Name des Laufes: 27.Harzquerung (VID3235)
Datum des Laufes: 29.4.2006 (Sat)
Ort: Wernigerode
Plz: D3
Homepage: www.harzquerung.de
Name des Berichtenden: <blade.runner de> (LID1676)
Datum eingegeben: 2.5.2006 (Tue)
Strecken: 25, 28, 51 KM
Beschaffenheit: Landschafts-Crosslauf
Profil: 51 K mit ~ 1200 Höhenmetern, also hügelig ;-)
Wetter: wenige Grad über 0, Schnee-/Hagel-schauer
Teilnehmer: ~ 450 Teilnehmer im Ziel
Bericht:
Tja, wenn man 2 Wochen vor seiner größten läuferischen
Herausforderung
eines ersten Ultras einen Hexenschuß bekommt, sollten man meinen,
daß
sei doch mal ein echter Grund zu Vorwettkampf-Gejammer. Aber meine
Behandlungen beim Dok und Heilpraktiker schlagen an und so kann ich
immerhin 1 Woche vor der Harzquerung rund 1:45 regenerativ und
schmerzfrei joggen. Der Rücken scheint mitzuspielen. Kann ich im Harz
doch "irgendwie" mitlaufen ?
Ich könnte die ebenfalls angebotene 30 KM Strecke über den Poppenberg
mitlaufen oder wie es von Anfang an geplant war, den langen Kanten mit
Handy am Mann laufen, um so eine Ausstiegsmöglichkeit zu haben, wenn es
nicht mehr geht.
In meinem persönlichen Umfeld glaubte sowieso jeder, daß die
Entscheidung längst fur den Ultraversuch gefallen ist... okay ;-)
Die Wetterprognosen fürs Wochenende waren nicht sehr einladend. Es war
am Samstag morgen mit 1 Grad bitterkalt, also mußten die
Winterlaufsachen nochmal rausgekramt werden. Am Start in Wernigerode war
es morgens wenigstens noch trocken und der Startbereich schnell
gefunden. Parken war kein Problem, es lief doch alles sehr entspannt ab.
Das Läuferfeld war ja doch recht übersichtlich, vornehmlich
"Insider".
In der Harz-Region kennt diesen Lauf aus der Bevölkerung kaum jemand.
Das Albert-Kuntz-Stadion in Nordhausen wurde von meinem Support auch nur
durch Zufall durch herumliegende Kleidersäcke beim vorbeifahren
entdeckt. Passanten vor Ort kannten weder Stadion noch Lauf.
Naja, zurück zum Start in Wernigerode. Der erfolgte pünklich,
Startschuß
habe ich keinen gehört und es geht recht schnell ordentlich hoch und ich
beginne auf diese Weise von Anfang an mit einem Wechsel aus Berg
hochgehen und wieder laufen, wenns flacher wird. Die Strecke wird
schnell crossig, erstmal nur leicht matchig, aber die Wege, sagte ich
Wege ?, waren stark verwurzelt. Man muß ständig drauf achten, wo man
hintritt und das wird auch bis zum Ziel so bleiben. ;-) Nach der
Einlaufphase fällt mir ein offensichtlicher Ultra-Veteran auf. Das
erkennt man daran, wie er sich seine Laufspur wählt und einen
Spurwechsel mit den Händen anzeigt. Ich hänge mich erstmal an Ihn
dran.
Etwas nach der 1.Verpflegungsstelle höre ich dann aber, daß er mit
"6:30
- 7:00 Stunden" im Ziel voll zufrieden wäre. Mmh, viel mehr als 6
Stunden wollte ich doch nicht unterwegs sein. Dann muß ich wohl doch
vorbei und etwas schneller werden.
Einen Pulser hatte ich nicht um, nur die Uhr. Mich beginnt der Pulsgurt
so nach 3 Stunden Laufen zu stören und bei dem Profil würde einen der
Puls sowieso nur beunruhigen. ;-)
So etwa nach 15 KM beginnen dann die ersten
Schnee-/Hagel-/Graupel-schauer, die die Läufer nun bis zum Ziel
begleiten werden. Bei KM 18 habe ich einen ersten Durchhänger, fühle
mich schlapp. Was kann das sein ? Habe ich mich so überschätzt ? Mein
Support wartete in diesem Moment an der Bundesstraße B 81 auf Höhe
KM 34
und das kam mir auf einmal sehr weit bis dahin vor. ;-)
Viel mehr als bei meinem mitgenommenen Proviant zuzugreifen, fiel mir
auch nicht ein. So stopfte ich 2 Stück Schokolade und 1 Gel rein und ich
schaffte es zur 2.Verpflegungsstelle, wo ich dann noch Schmalz- und
Butterstulle mit reichlich Flüssigkeit zu mir nahm und es ging mir
wieder gut. Das Tief war überwunden, ich fühlte mich nun richtig
stark
und zuversichtlich, daß ich dann wohl auch weitere Schwächeperioden
überwinden könnte. Das Naß von oben machte die Laufstrecke sehr
tief,
morastig und rutschig. Trailschuhe wären doch keine schlechte Wahl
gewesen, denke ich bei mir, naja, muß auch so gehen. Die
Landschaftskulisse ist einfach nur weltklasse, traumhaft schön. Man
sieht das aber mehr aus den Augenwinkeln, weil man doch vornehmlich
damit beschäftigt ist, sich einen einigermaßen standsicheren Laufweg
zu
bahnen. Die KM ziehen an einem vorbei. Man überquert provisorische
Holzstege über Wasser, man klettert über, unter und durch umgekippte
Baumstämme, die den Weg versperren. Der Lauf macht einen
Heiden-Spaß.
Die Strecke ist ganz gut markiert. Nur einmal ging es eine kleine Anhöhe
hoch und ich stand alleine auf Eisenbahnschienen !? Huch, wohin jetzt ?
Im letzten Moment erkenne ich weiter vorne Läuferfüße im
Gestrüpp
verschwinden, also bin ich noch auf Kurs.
Am Familien Checkkpoint KM 34 bescheinigt man mir "ich sehe noch richtig
frisch" aus und nach Auffüllen meiner Wasserflasche geht es weiter
zum
Anstieg an den Poppenberg, der von mir im Vorfeld erwartete Höhepunkt
der Anstrengungen. Jetzt war ich aber sehr zuversichtlich, erwartete
keine Probleme beim Anstieg und daß ich überhaupt den Langen Kanten
schaffe werde. ;-)
Den Poppenberg mußte man dann größenteils hochgehen. Nicht nur
wegen des
heftigen Anstiegs, sondern weil der komplett aufgeweichte Weg jeden
Laufversuch zur Schlitterpartie macht. Das wäre eine reine
Kraftverschwendung. Naja, die Spitze des 30 KM Laufs schiebt sich dann
doch mühsam laufend an mir vorbei und eine der Führenden bei den
Frauen
macht sich vor mir lang und nimmt laut "Iiih" rufend eine
Schlammpackung. 400 Meter vor der Kuppel komme ich mit einem Mitläufer
ins Gespräch, daß "unter 6 Stunden geil wäre, aber das
wird eng". Das
müßte ab jetzt ein 6er Schnitt folgen. Der Abstieg auf dem Boden,
der
Schmierseife gleicht, ist grenzwertig. Ich schaffe es aber ohne Sturz
und sammle weiter Läufer ein. Ich wundere mich über mich selbst
über
meine nicht enden wollenden Reserven. Der Lauf ist so kurzweilig, daß
ich zu keiner Minute darüber nachdenke, daß ich ja nun schon
über 5
Stunden unterwegs bin. Die letzten Kilometer Richtung Nordhausen geht es
im wahrsten Sinne des Wortes über einen Acker querfeldein. Ein Weg kann
ich nicht erkennen, aber die Läufer vorher haben natürlich Ihre
Spuren
hinterlassen. Bloß in dem Matsch findet sich kein Halt, also immer
schön
seine eigene Spur im Acker laufen. Von hinten kommt ein Läufer
angeschnaubt, der mich überholt und über die Bedingungen flucht:
"Die
unter 6 kann er sich wohl abschreiben". Ach ? denke ich mir, ich hatte
das eigentlich schon noch vor und ich beschloß, Ihm einfach nicht zu
glauben. ;-) Nach weiteren wenigen hundert Metern hatte ich Ihn auch
zurück überholt und bis ins Ziel auch nicht mehr gesehen. Dann
rutscht
vor mir der nächste Läufer weg und bleibt liegen. Ich bleibe stehen:
"Kann ich helfen ?", "Ich habe einen Krampf. Kennst Du Dich
Damit aus ?"
"Oh, ne" Also kaputt machen will ich auch nichts bei Ihm, also
erstmal
aufhelfen. Gehts ? Gut, weiter. Das Feld habe ich sturzfrei passiert,
aber leider war die kommende Asphaltpassage auch nicht dazu geeignet, es
mal in Ruhe laufen zu lassen. Es hagelte nun mächtig und der Aspahlt
wurde durch den Hagel und Schneematsch ebenfals glitschig.
Dann gab es einen letzten Verpflegungstand 4 KM vor dem Ziel. Die Cola
stand passenderweise an Rand der LKW Ladefläche im Hagelschauer und so
nehme ich halt eine "Cola mit Eis". Ich hatte noch 24 Minuten
für "Unter
6" und vor mir tut sich die nächste heftige Steigung auf !
"Mist, dann
klappt das mit dem Zeitziel doch nicht", aber nach kurzem Überlegen
wollte ich den Lauf bis ins Ziel einfach nur noch genießen, scheiß
auf
die Zeit. Also, weiter gehts. Ich schaue erst wieder auf die Uhr als ein
Streckenposten meint "Noch 400 Meter" Wie ? Ehrlich ? Die Uhr zeigt
um
die 5:50. Ich kann es nicht fassen, gleich im Ziel zu sein. Ich ringe
tatsächlich mit mir um Fassung, damit ich nicht heulend ins Ziel komme
und mich so beim Anhang blamiere. Zieleinlauf: 5:53 Uhr ! Suuper ! Mir
geht es einfach nur gut ! Ich war schon nach einem Marathon schon
fertiger gewesen.
Man drückt mir Harzquerung Souveniers in die Hand: Einen Filzstift und
einen Aufnäher ! Na, mal was anderes. Warmen Tee gibt es auch noch,
ansonsten nur gegen Bares Eintopf oder Bierchen, das war auch schon
alles an Angebot. Nagut, dann halt schnell zurück in die Ferienwohnung
gefahren, um erstmal mit Sekt auf die Heldentat anzustossen. Im
nachinein muß ich sagen, daß ich immer noch nicht glauben kann, ein
für
mich so perfektes Rennen hingelegt zu haben. Das war bisher eindeutig
der "Lauf meines Lebens". Klingt vielleicht kitschig, aber das
triffts.
Dank Euch fürs zuhören bzw. lesen.
# Vielen Dank fuer die Verwendung dieses Templates
# Ihr DRSL.de-Team
--
http://www.xn--laufen-in-ldo-6ob.de/
Autor: Uwe Stoeckel (2006-05-02 14:22:14)
Autor: Uwe Stoeckel (2006-05-02 14:22:14)
Moin Udo,
On Tue, 02 May 2006 12:13:02 +0100, Udo kliche
wrote:
>Das war bisher eindeutig
>der "Lauf meines Lebens".
Stimmt so liest es sich uns ich muß ehrlich sagen, Dein Bericht hat
ein wenig den Appetit bei mir geweckt...
--
o http://www.drsl.de/?lid
Autor: Elisabeth Mueller (2006-05-13 09:59:13)
Udo kliche schrieb:
>Name des Laufes: 27.Harzquerung (VID3235)
>Strecken: 25, 28, 51 KM
>Beschaffenheit: Landschafts-Crosslauf
Oh schoen, das gefaellt mir.
>Profil: 51 K mit ~ 1200 Höhenmetern, also hügelig ;-)
Klingt nicht ganz einfach.
>Bericht:
>Tja, wenn man 2 Wochen vor seiner größten läuferischen
Herausforderung
>eines ersten Ultras einen Hexenschuß bekommt, sollten man meinen,
daß
>sei doch mal ein echter Grund zu Vorwettkampf-Gejammer. Aber meine
>Behandlungen beim Dok und Heilpraktiker schlagen an und so kann ich
>immerhin 1 Woche vor der Harzquerung rund 1:45 regenerativ und
>schmerzfrei joggen. Der Rücken scheint mitzuspielen. Kann ich im Harz
>doch "irgendwie" mitlaufen ?
Ganz schoen mutig!
>Einlaufphase fällt mir ein offensichtlicher Ultra-Veteran auf. Das
>erkennt man daran, wie er sich seine Laufspur wählt und einen
>Spurwechsel mit den Händen anzeigt.
Huch - wie zeigt man den Spurwechsel mit den Haenden an?
>Mmh, viel mehr als 6
>Stunden wollte ich doch nicht unterwegs sein. Dann muß ich wohl doch
>vorbei und etwas schneller werden.
Hier hast Du also die Ansage versteckt.
>schaffte es zur 2.Verpflegungsstelle, wo ich dann noch Schmalz- und
>Butterstulle mit reichlich Flüssigkeit zu mir nahm und es ging mir
>wieder gut.
Nach Schmalz und Butter? Die braechten mich schon bei 10min/km an die
IKS.
>Landschaftskulisse ist einfach nur weltklasse, traumhaft schön. Man
>sieht das aber mehr aus den Augenwinkeln, weil man doch vornehmlich
>damit beschäftigt ist, sich einen einigermaßen standsicheren
Laufweg zu
>bahnen. Die KM ziehen an einem vorbei. Man überquert provisorische
>Holzstege über Wasser, man klettert über, unter und durch
umgekippte
>Baumstämme, die den Weg versperren. Der Lauf macht einen
Heiden-Spaß.
>Die Strecke ist ganz gut markiert. Nur einmal ging es eine kleine
Anhöhe
>hoch und ich stand alleine auf Eisenbahnschienen !? Huch, wohin jetzt ?
>Im letzten Moment erkenne ich weiter vorne Läuferfüße im
Gestrüpp
>verschwinden, also bin ich noch auf Kurs.
Das klingt total nett. So eine Strecke wuerde mir auch gefallen.
>Den Poppenberg mußte man dann größenteils hochgehen. Nicht
nur wegen des
>heftigen Anstiegs, sondern weil der komplett aufgeweichte Weg jeden
>Laufversuch zur Schlitterpartie macht. Das wäre eine reine
>Kraftverschwendung. Naja, die Spitze des 30 KM Laufs schiebt sich dann
>doch mühsam laufend an mir vorbei und eine der Führenden bei den
Frauen
>macht sich vor mir lang und nimmt laut "Iiih" rufend eine
>Schlammpackung.
Soll ja gut fuer die Schoenheit sein.
>Ich wundere mich über mich selbst über
>meine nicht enden wollenden Reserven. Der Lauf ist so kurzweilig, daß
>ich zu keiner Minute darüber nachdenke, daß ich ja nun schon
über 5
>Stunden unterwegs bin.
Und Du hast jede Minute genossen.
>Ich schaue erst wieder auf die Uhr als ein
>Streckenposten meint "Noch 400 Meter" Wie ? Ehrlich ? Die Uhr
zeigt um
>die 5:50. Ich kann es nicht fassen, gleich im Ziel zu sein. Ich ringe
>tatsächlich mit mir um Fassung, damit ich nicht heulend ins Ziel komme
>und mich so beim Anhang blamiere. Zieleinlauf: 5:53 Uhr ! Suuper ! Mir
>geht es einfach nur gut !
Aber mir laufen gleich die Traenen herunter.
>Man drückt mir Harzquerung Souveniers in die Hand: Einen Filzstift und
>einen Aufnäher ! Na, mal was anderes.
Extrem grosszuegige Geschenke.
>Das war bisher eindeutig
>der "Lauf meines Lebens". Klingt vielleicht kitschig, aber das
triffts.
Ich kann das so gut verstehen. Landschaftslaeufe sind einfach toll.
Elisabeth
Autor: Udo kliche (2006-05-15 07:59:41)
Hallo Elisabeth,
vielen Dank für Deine netten Kommentare und Deine Anteilnahme.
Viele Grüße,
Udo.
--
http://www.xn--laufen-in-ldo-6ob.de/
Autor: Matthias Rosenkranz (2006-05-16 14:00:51)
Udo kliche schrieb:
> So etwa nach 15 KM beginnen dann die ersten
> Schnee-/Hagel-/Graupel-schauer,
> Den Poppenberg mußte man dann größenteils hochgehen.
Nicht nur wegen des
> heftigen Anstiegs, sondern weil der komplett aufgeweichte Weg jeden
> Laufversuch zur Schlitterpartie macht.
> Der Abstieg auf dem Boden, der Schmierseife gleicht, ist grenzwertig.
> Die letzten Kilometer Richtung Nordhausen geht es
> im wahrsten Sinne des Wortes über einen Acker querfeldein.
> Es hagelte nun mächtig und der Aspahlt
> wurde durch den Hagel und Schneematsch ebenfals glitschig.
Klingt ja nach einem richtig geilen Lauf.
> Zieleinlauf: 5:53 Uhr ! Suuper !
Glückwunsch!
Gruß Matthias
Autor: Udo kliche (2006-05-02 12:13:02)
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[ ] Ich widerspreche der Archivierung auf DRSL.de.
[X] Ich habe den Bericht auf DRSL.de archiviert.
Name des Laufes: 27.Harzquerung (VID3235)
Datum des Laufes: 29.4.2006 (Sat)
Ort: Wernigerode
Plz: D3
Homepage: www.harzquerung.de
Name des Berichtenden: <blade.runner de> (LID1676)
Datum eingegeben: 2.5.2006 (Tue)
Strecken: 25, 28, 51 KM
Beschaffenheit: Landschafts-Crosslauf
Profil: 51 K mit ~ 1200 Höhenmetern, also hügelig ;-)
Wetter: wenige Grad über 0, Schnee-/Hagel-schauer
Teilnehmer: ~ 450 Teilnehmer im Ziel
Bericht:
Tja, wenn man 2 Wochen vor seiner größten läuferischen
Herausforderung
eines ersten Ultras einen Hexenschuß bekommt, sollten man meinen,
daß
sei doch mal ein echter Grund zu Vorwettkampf-Gejammer. Aber meine
Behandlungen beim Dok und Heilpraktiker schlagen an und so kann ich
immerhin 1 Woche vor der Harzquerung rund 1:45 regenerativ und
schmerzfrei joggen. Der Rücken scheint mitzuspielen. Kann ich im Harz
doch "irgendwie" mitlaufen ?
Ich könnte die ebenfalls angebotene 30 KM Strecke über den Poppenberg
mitlaufen oder wie es von Anfang an geplant war, den langen Kanten mit
Handy am Mann laufen, um so eine Ausstiegsmöglichkeit zu haben, wenn es
nicht mehr geht.
In meinem persönlichen Umfeld glaubte sowieso jeder, daß die
Entscheidung längst fur den Ultraversuch gefallen ist... okay ;-)
Die Wetterprognosen fürs Wochenende waren nicht sehr einladend. Es war
am Samstag morgen mit 1 Grad bitterkalt, also mußten die
Winterlaufsachen nochmal rausgekramt werden. Am Start in Wernigerode war
es morgens wenigstens noch trocken und der Startbereich schnell
gefunden. Parken war kein Problem, es lief doch alles sehr entspannt ab.
Das Läuferfeld war ja doch recht übersichtlich, vornehmlich
"Insider".
In der Harz-Region kennt diesen Lauf aus der Bevölkerung kaum jemand.
Das Albert-Kuntz-Stadion in Nordhausen wurde von meinem Support auch nur
durch Zufall durch herumliegende Kleidersäcke beim vorbeifahren
entdeckt. Passanten vor Ort kannten weder Stadion noch Lauf.
Naja, zurück zum Start in Wernigerode. Der erfolgte pünklich,
Startschuß
habe ich keinen gehört und es geht recht schnell ordentlich hoch und ich
beginne auf diese Weise von Anfang an mit einem Wechsel aus Berg
hochgehen und wieder laufen, wenns flacher wird. Die Strecke wird
schnell crossig, erstmal nur leicht matchig, aber die Wege, sagte ich
Wege ?, waren stark verwurzelt. Man muß ständig drauf achten, wo man
hintritt und das wird auch bis zum Ziel so bleiben. ;-) Nach der
Einlaufphase fällt mir ein offensichtlicher Ultra-Veteran auf. Das
erkennt man daran, wie er sich seine Laufspur wählt und einen
Spurwechsel mit den Händen anzeigt. Ich hänge mich erstmal an Ihn
dran.
Etwas nach der 1.Verpflegungsstelle höre ich dann aber, daß er mit
"6:30
- 7:00 Stunden" im Ziel voll zufrieden wäre. Mmh, viel mehr als 6
Stunden wollte ich doch nicht unterwegs sein. Dann muß ich wohl doch
vorbei und etwas schneller werden.
Einen Pulser hatte ich nicht um, nur die Uhr. Mich beginnt der Pulsgurt
so nach 3 Stunden Laufen zu stören und bei dem Profil würde einen der
Puls sowieso nur beunruhigen. ;-)
So etwa nach 15 KM beginnen dann die ersten
Schnee-/Hagel-/Graupel-schauer, die die Läufer nun bis zum Ziel
begleiten werden. Bei KM 18 habe ich einen ersten Durchhänger, fühle
mich schlapp. Was kann das sein ? Habe ich mich so überschätzt ? Mein
Support wartete in diesem Moment an der Bundesstraße B 81 auf Höhe
KM 34
und das kam mir auf einmal sehr weit bis dahin vor. ;-)
Viel mehr als bei meinem mitgenommenen Proviant zuzugreifen, fiel mir
auch nicht ein. So stopfte ich 2 Stück Schokolade und 1 Gel rein und ich
schaffte es zur 2.Verpflegungsstelle, wo ich dann noch Schmalz- und
Butterstulle mit reichlich Flüssigkeit zu mir nahm und es ging mir
wieder gut. Das Tief war überwunden, ich fühlte mich nun richtig
stark
und zuversichtlich, daß ich dann wohl auch weitere Schwächeperioden
überwinden könnte. Das Naß von oben machte die Laufstrecke sehr
tief,
morastig und rutschig. Trailschuhe wären doch keine schlechte Wahl
gewesen, denke ich bei mir, naja, muß auch so gehen. Die
Landschaftskulisse ist einfach nur weltklasse, traumhaft schön. Man
sieht das aber mehr aus den Augenwinkeln, weil man doch vornehmlich
damit beschäftigt ist, sich einen einigermaßen standsicheren Laufweg
zu
bahnen. Die KM ziehen an einem vorbei. Man überquert provisorische
Holzstege über Wasser, man klettert über, unter und durch umgekippte
Baumstämme, die den Weg versperren. Der Lauf macht einen
Heiden-Spaß.
Die Strecke ist ganz gut markiert. Nur einmal ging es eine kleine Anhöhe
hoch und ich stand alleine auf Eisenbahnschienen !? Huch, wohin jetzt ?
Im letzten Moment erkenne ich weiter vorne Läuferfüße im
Gestrüpp
verschwinden, also bin ich noch auf Kurs.
Am Familien Checkkpoint KM 34 bescheinigt man mir "ich sehe noch richtig
frisch" aus und nach Auffüllen meiner Wasserflasche geht es weiter
zum
Anstieg an den Poppenberg, der von mir im Vorfeld erwartete Höhepunkt
der Anstrengungen. Jetzt war ich aber sehr zuversichtlich, erwartete
keine Probleme beim Anstieg und daß ich überhaupt den Langen Kanten
schaffe werde. ;-)
Den Poppenberg mußte man dann größenteils hochgehen. Nicht nur
wegen des
heftigen Anstiegs, sondern weil der komplett aufgeweichte Weg jeden
Laufversuch zur Schlitterpartie macht. Das wäre eine reine
Kraftverschwendung. Naja, die Spitze des 30 KM Laufs schiebt sich dann
doch mühsam laufend an mir vorbei und eine der Führenden bei den
Frauen
macht sich vor mir lang und nimmt laut "Iiih" rufend eine
Schlammpackung. 400 Meter vor der Kuppel komme ich mit einem Mitläufer
ins Gespräch, daß "unter 6 Stunden geil wäre, aber das
wird eng". Das
müßte ab jetzt ein 6er Schnitt folgen. Der Abstieg auf dem Boden,
der
Schmierseife gleicht, ist grenzwertig. Ich schaffe es aber ohne Sturz
und sammle weiter Läufer ein. Ich wundere mich über mich selbst
über
meine nicht enden wollenden Reserven. Der Lauf ist so kurzweilig, daß
ich zu keiner Minute darüber nachdenke, daß ich ja nun schon
über 5
Stunden unterwegs bin. Die letzten Kilometer Richtung Nordhausen geht es
im wahrsten Sinne des Wortes über einen Acker querfeldein. Ein Weg kann
ich nicht erkennen, aber die Läufer vorher haben natürlich Ihre
Spuren
hinterlassen. Bloß in dem Matsch findet sich kein Halt, also immer
schön
seine eigene Spur im Acker laufen. Von hinten kommt ein Läufer
angeschnaubt, der mich überholt und über die Bedingungen flucht:
"Die
unter 6 kann er sich wohl abschreiben". Ach ? denke ich mir, ich hatte
das eigentlich schon noch vor und ich beschloß, Ihm einfach nicht zu
glauben. ;-) Nach weiteren wenigen hundert Metern hatte ich Ihn auch
zurück überholt und bis ins Ziel auch nicht mehr gesehen. Dann
rutscht
vor mir der nächste Läufer weg und bleibt liegen. Ich bleibe stehen:
"Kann ich helfen ?", "Ich habe einen Krampf. Kennst Du Dich
Damit aus ?"
"Oh, ne" Also kaputt machen will ich auch nichts bei Ihm, also
erstmal
aufhelfen. Gehts ? Gut, weiter. Das Feld habe ich sturzfrei passiert,
aber leider war die kommende Asphaltpassage auch nicht dazu geeignet, es
mal in Ruhe laufen zu lassen. Es hagelte nun mächtig und der Aspahlt
wurde durch den Hagel und Schneematsch ebenfals glitschig.
Dann gab es einen letzten Verpflegungstand 4 KM vor dem Ziel. Die Cola
stand passenderweise an Rand der LKW Ladefläche im Hagelschauer und so
nehme ich halt eine "Cola mit Eis". Ich hatte noch 24 Minuten
für "Unter
6" und vor mir tut sich die nächste heftige Steigung auf !
"Mist, dann
klappt das mit dem Zeitziel doch nicht", aber nach kurzem Überlegen
wollte ich den Lauf bis ins Ziel einfach nur noch genießen, scheiß
auf
die Zeit. Also, weiter gehts. Ich schaue erst wieder auf die Uhr als ein
Streckenposten meint "Noch 400 Meter" Wie ? Ehrlich ? Die Uhr zeigt
um
die 5:50. Ich kann es nicht fassen, gleich im Ziel zu sein. Ich ringe
tatsächlich mit mir um Fassung, damit ich nicht heulend ins Ziel komme
und mich so beim Anhang blamiere. Zieleinlauf: 5:53 Uhr ! Suuper ! Mir
geht es einfach nur gut ! Ich war schon nach einem Marathon schon
fertiger gewesen.
Man drückt mir Harzquerung Souveniers in die Hand: Einen Filzstift und
einen Aufnäher ! Na, mal was anderes. Warmen Tee gibt es auch noch,
ansonsten nur gegen Bares Eintopf oder Bierchen, das war auch schon
alles an Angebot. Nagut, dann halt schnell zurück in die Ferienwohnung
gefahren, um erstmal mit Sekt auf die Heldentat anzustossen. Im
nachinein muß ich sagen, daß ich immer noch nicht glauben kann, ein
für
mich so perfektes Rennen hingelegt zu haben. Das war bisher eindeutig
der "Lauf meines Lebens". Klingt vielleicht kitschig, aber das
triffts.
Dank Euch fürs zuhören bzw. lesen.
# Vielen Dank fuer die Verwendung dieses Templates
# Ihr DRSL.de-Team
--
http://www.xn--laufen-in-ldo-6ob.de/
Autor: Uwe Stoeckel (2006-05-02 14:22:14)
Moin Udo,
On Tue, 02 May 2006 12:13:02 +0100, Udo kliche
wrote:
>Das war bisher eindeutig
>der "Lauf meines Lebens".
Stimmt so liest es sich uns ich muß ehrlich sagen, Dein Bericht hat
ein wenig den Appetit bei mir geweckt...
--
o http://www.drsl.de/?lid
Autor: Elisabeth Mueller (2006-05-13 09:59:13)
Udo kliche schrieb:
>Name des Laufes: 27.Harzquerung (VID3235)
>Strecken: 25, 28, 51 KM
>Beschaffenheit: Landschafts-Crosslauf
Oh schoen, das gefaellt mir.
>Profil: 51 K mit ~ 1200 Höhenmetern, also hügelig ;-)
Klingt nicht ganz einfach.
>Bericht:
>Tja, wenn man 2 Wochen vor seiner größten läuferischen
Herausforderung
>eines ersten Ultras einen Hexenschuß bekommt, sollten man meinen,
daß
>sei doch mal ein echter Grund zu Vorwettkampf-Gejammer. Aber meine
>Behandlungen beim Dok und Heilpraktiker schlagen an und so kann ich
>immerhin 1 Woche vor der Harzquerung rund 1:45 regenerativ und
>schmerzfrei joggen. Der Rücken scheint mitzuspielen. Kann ich im Harz
>doch "irgendwie" mitlaufen ?
Ganz schoen mutig!
>Einlaufphase fällt mir ein offensichtlicher Ultra-Veteran auf. Das
>erkennt man daran, wie er sich seine Laufspur wählt und einen
>Spurwechsel mit den Händen anzeigt.
Huch - wie zeigt man den Spurwechsel mit den Haenden an?
>Mmh, viel mehr als 6
>Stunden wollte ich doch nicht unterwegs sein. Dann muß ich wohl doch
>vorbei und etwas schneller werden.
Hier hast Du also die Ansage versteckt.
>schaffte es zur 2.Verpflegungsstelle, wo ich dann noch Schmalz- und
>Butterstulle mit reichlich Flüssigkeit zu mir nahm und es ging mir
>wieder gut.
Nach Schmalz und Butter? Die braechten mich schon bei 10min/km an die
IKS.
>Landschaftskulisse ist einfach nur weltklasse, traumhaft schön. Man
>sieht das aber mehr aus den Augenwinkeln, weil man doch vornehmlich
>damit beschäftigt ist, sich einen einigermaßen standsicheren
Laufweg zu
>bahnen. Die KM ziehen an einem vorbei. Man überquert provisorische
>Holzstege über Wasser, man klettert über, unter und durch
umgekippte
>Baumstämme, die den Weg versperren. Der Lauf macht einen
Heiden-Spaß.
>Die Strecke ist ganz gut markiert. Nur einmal ging es eine kleine
Anhöhe
>hoch und ich stand alleine auf Eisenbahnschienen !? Huch, wohin jetzt ?
>Im letzten Moment erkenne ich weiter vorne Läuferfüße im
Gestrüpp
>verschwinden, also bin ich noch auf Kurs.
Das klingt total nett. So eine Strecke wuerde mir auch gefallen.
>Den Poppenberg mußte man dann größenteils hochgehen. Nicht
nur wegen des
>heftigen Anstiegs, sondern weil der komplett aufgeweichte Weg jeden
>Laufversuch zur Schlitterpartie macht. Das wäre eine reine
>Kraftverschwendung. Naja, die Spitze des 30 KM Laufs schiebt sich dann
>doch mühsam laufend an mir vorbei und eine der Führenden bei den
Frauen
>macht sich vor mir lang und nimmt laut "Iiih" rufend eine
>Schlammpackung.
Soll ja gut fuer die Schoenheit sein.
>Ich wundere mich über mich selbst über
>meine nicht enden wollenden Reserven. Der Lauf ist so kurzweilig, daß
>ich zu keiner Minute darüber nachdenke, daß ich ja nun schon
über 5
>Stunden unterwegs bin.
Und Du hast jede Minute genossen.
>Ich schaue erst wieder auf die Uhr als ein
>Streckenposten meint "Noch 400 Meter" Wie ? Ehrlich ? Die Uhr
zeigt um
>die 5:50. Ich kann es nicht fassen, gleich im Ziel zu sein. Ich ringe
>tatsächlich mit mir um Fassung, damit ich nicht heulend ins Ziel komme
>und mich so beim Anhang blamiere. Zieleinlauf: 5:53 Uhr ! Suuper ! Mir
>geht es einfach nur gut !
Aber mir laufen gleich die Traenen herunter.
>Man drückt mir Harzquerung Souveniers in die Hand: Einen Filzstift und
>einen Aufnäher ! Na, mal was anderes.
Extrem grosszuegige Geschenke.
>Das war bisher eindeutig
>der "Lauf meines Lebens". Klingt vielleicht kitschig, aber das
triffts.
Ich kann das so gut verstehen. Landschaftslaeufe sind einfach toll.
Elisabeth
